Ein «funktionierendes Unternehmen» hofft auf Ruhe

Nach dem Ausscheiden aus der Champions League nimmt COO Roland Heri Stellung zur Grosswetterlage beim FC Basel. Er hofft, dass der neue Trainer am Donnerstag kommuniziert werden kann und sagt über die Führungscrew: «Wir treffen Entscheidungen weit entfernt von Kumpanei und Vetternwirtschaft.»

«Wir schauen uns ernst in die Augen und treffen Entscheidungen weit entfernt von Kumpanei und Vetternwirtschaft. Wir werden uns männlich und erwachsen austauschen und Fehler benennen.» FCB-COO Roland Heri.

Eine Handvoll Fragen hatte Torhüter Jonas Omlin nach dem Ausscheiden des FC Basel gegen PAOK Thessaloniki beantwortet, da tauchte im Hintergrund Roland Heri in der Interview-Zone des St.-Jakob-Parks auf. Der Operative Leiter wollte es sich nicht nehmen lassen, ein paar Worte an die Presse zu richten nach den turbulenten Tagen, in denen erst Raphael Wicky freigestellt worden war, Alex Frei zum Interimstrainer ernennt wurde und die Basler in der Königsklasse schliesslich ohne Chance gegen den griechischen Vizemeister die Segel streichen musste.

Heri wartete geduldig, und als Omlin noch immer enttäuscht in die Kabine entschwand, erklärte der Operative Leiter erstmal, warum er und nicht Besitzer und Präsident Bernhard Burgener zur Lage im Verein Stellung nimmt:

«Bernhard Burgener hat viel geredet in letzter Zeit. Jetzt bin ich halt mal gekommen, und ich mache das, glaube ich, auch nicht so schlecht.»

Vor dem Spiel war die Vereinsführung mit dem Zürcher Trainer Marcel Koller am Verhandlungstisch gesessen. Unterzeichnet war am Abend der Niederlage gegen PAOK aber noch nichts, wie Heri sagt.

«Hoffentlich können wir am Donnerstag gegen Mittag etwas kommunizieren. Wir haben jedenfalls noch zu tun. So ein Vertragswerkswerk ist kein zweiseitiges Dokument. Ich hoffe, dass sich die Rechtsabteilungen der beiden Partner irgendwann in der Nacht einig werden.»

Ob Koller am Samstag gegen die Grasshoppers also auf der Bank sitzen wird, ist unsicher. Interimstrainer Frei bereitet sich jedenfalls darauf vor, die Aufgabe ein drittes Mal zu übernehmen. Spätestens dann aber soll das Zepter an den neuen Trainer übergeben werden, der auch die Aufgabe hat, Ruhe in die rotblauen Strukturen zu bringen. Das hatte Sportdirektor Marco Streller am Samstag nach dem 1:1 gegen Xamax gesagt, und das sagt auch Heri nach dem Spiel gegen PAOK:

«Ruhe im Verein auf der Geschäftsstelle haben wir zu hundert Prozent. Das Marketing arbeitet weiter, die Buchhaltung arbeitet weiter. Wir sind ein funktionierendes Unternehmen. Aber die grösste Befriedigung, bei einem Fussballverein zu arbeiten, ist natürlich, wenn die erste Mannschaft erfolgreich unterwegs ist. Wenn das der Fall ist, dann herrscht auch Ruhe im Verein. Ein Trainer kann durch kontinuierliche Arbeit, Erfolge und eine gute Entwicklung der jungen Spieler dazu beitragen. Heute gegen PAOK Thessaloniki hatten wir drei, vier Spieler auf dem Platz, die aus unserer eigenen Schmiede kommen.»

Auch der neue Trainer soll der Jugend das Vertrauen schenken, sagt Heri:

«Diesem Konzept bleiben wir zu hundert Prozent treu. Das sind die wichtigsten Fragen, die wir mit den Trainerkandidaten erörtert haben. Wir wollen die Durchlässigkeit für die Spieler aus dem Nachwuchs beibehalten und mehr Basel im Spiel haben. Das heisst aber nicht, dass wir nie einen Spieler von einem anderen Klub holen.»

Der entlassene Trainer Wicky hat die Einsatzzeiten der Jungen gesteigert, was Präsident Bernhard Burgener bei jeder Gelegenheit betont. Heri begründet, warum man trotzdem nicht an Wicky festhalten wollte, und findet Fehler auch bei der Vereinsführung:

«Es scheint mir etwas übertrieben, dass der neue Trainer ein komplett anderes Profil als Raphael Wicky haben muss. Aber ich kann vielleicht sagen, dass wir aufgrund der Erfahrung, die wir mit Raphael gemacht haben, zum Schluss gekommen sind, dass wir zu viel Gas gegeben haben und vielleicht zu ehrgeizig waren. Wir waren etwas leidenschaftlich unterwegs, weil wir unbedingt der Klub sein wollten, der erstmals einen Trainer aus dem Nachwuchs in die Super League bringt. Da nehme ich mich stark in die Verantwortung, dieses Argument habe ich immer sehr ins Feld geführt.»

Der FCB wäre nicht der erste Klub gewesen. Der FC Zürich hatte beispielsweise Urs Fischer aus der U21 zum Cheftrainer ernannt. Auch mit Fischer scheiterte der FC Basel in der Champions-League-Qualifikation. Allerdings war die Mannschaft 2015 gegen Maccabi Tel Aviv nicht so überfordert wie heuer gegen PAOK, was auch Heri bewusst sein dürfte:

«Es wäre komisch, wenn ich sagen würde, dass es mir oder dem Präsidenten oder irgendjemandem gut geht. Mir tun auch die Spieler leid. Wir sind enttäuscht, weil wir heute er erstes Markenzeichen setzen und zeigen wollten, dass wir es doch noch können. Der erste Anlauf auf Europa ist misslungen.

Selbstverständlich sind die finanziellen Bedingungen jetzt anders, als wenn wir in die Champions League gekommen wären. Aber das können wir auffangen und wir sind sicher, dass wir bald wieder besser dastehen.

Es geht darum, den Kopf oben zu halten und die nächste Aufgabe in Angriff zu nehmen. Wir fokussieren uns jetzt auf die Super League und die Europa League. Und auf das Dossier des neuen Trainers.»

Ruhe kehrt in den nächsten Tagen kaum ein beim FC Basel, auch wenn ein neuer Trainer in den nächsten Stunden unterschreiben würde. Es helfen nur Punkte in der Liga und Erfolge in den europäischen Qualifikationsspielen. Für die Führung bedeutet die Situation weitere Gespräche und Analysen, wie Heri sagt:

«Ich kann versichern, dass die Führungsetage die Köpfe zusammensteckt. Wir schauen uns ernst in die Augen und treffen Entscheidungen weit entfernt von Kumpanei und Vetternwirtschaft. Wir werden uns männlich und erwachsen austauschen und Fehler benennen.»

https://tageswoche.ch/allgemein/ein-ueberforderter-fc-basel-verpasst-gegen-paok-die-champions-league/

Konversation

  1. Heri ist Teil des Problems. Was für ein peinlicher, entlarvender Auftritt mit falschen und ignoranten Aussagen!

    Peinlich, dass er nicht weiss, dass der FCZ schon lange vorher den U21 Trainer in die Super League gebracht hat.

    Noch peinlicher, dass er auch nach diesem Tiefpunkt noch Mantra-artig aufzählt, dass 3,4 Spieler aus der eigenen Talentschmiede stammen und am Konzept 100% festgehalten werde. Die bisherige Saison und das Spiel gegen PAOK sind genau das Resultat dieses fehlgeschlagenen, weil zu einseitigen Konzepts (Heri spricht von „zu leidenschaftlich“ vorgegangen, tatsächlich müsste man wohl eher sagen „zu naiv“ oder „zu inkompetent“.)
    Wie blind muss man sein, in einer solchen Lage noch mit Stolz auf den Fehler zu verweisen und diesen schlicht zu ignorieren ?
    Wer nach diesem Fiasko noch nicht gemerkt hat, dass dringend Veränderungen am Konzept nötig sind und es illusorisch ist, mit „verjüngern, verbaslern, verschlanken“ an den hohen Zielen festzuhalten, ist als CCO fehl am Platz.

    Aber wenn man Heri’s Werdegang im Fussball verfolgt und sein Verhalten kennt, wird klar, dass er als ehemaliger administrativer Leiter des Nachwuchses auch hier nur für sein persönliches Wohlergehen und nicht für den FCB kämpft. So wie er als Assistent von Streller schon bei jedem Transfer mit in jede Kamera lächeln wollte, fühlt er sich jetzt auch noch bemüssigt, sich über sportliche Belange zu äussern. Die Strukturen beim FCB implodieren offenbar völlig. Geradezu lächerlich, dass er seinen Auftritt damit begründet, „weil ich das auch gut mache“ und weil Burgener „in letzter Zeit viel geredet hat“. Eine weitere Verdrehung der Tatsachen: Burgener ist auf Tauchstation gegangen und hat geschwiegen.

    Und dann behauptet Heri noch, auf der Geschäftsstelle herrsche zu 100 Prozent Ruhe. Aber nur weil das Marketing und die Buchhaltung weiter arbeiten, wie er begründet, heisst das noch lange nicht, dass das Unternehmen FCB auch funktioniert. Vielleicht sollte sich Herr Heri getreu dem Motto „Schuster bleib bei Deinen Leisten“mehr seiner Aufgabe als CCO als sportlichen Falscheinschätzungen und seiner Selbstdarstellung widmen, dann hätte er vielleicht schon von den nicht wenigen Stimmen aus dem Turm zu St.Jakob gehört, die fürchten, dass das Betriebsklima unabhängig von der gegenwärtigen Sommerhitze demnächst explodiert.

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