„Google Inside“- Eine Selbstdarstellung?

Buchreview zu „Google Inside: Wie Google denkt, arbeitet und unser Leben verändert“ von Steven Levy (2012) //  Schon wieder ein Buch über Google? Natürlich wieder ein Buch über Google! In einer Zeit, in der das Internetunternehmen unser tägliches Leben so stark beeinflusst wie kein anderes technisches Hilfsmittel, kann es nicht genug Bücher geben, die das Phänomen […]

Google's data centers (Quelle: googleblog)

Buchreview zu „Google Inside: Wie Google denkt, arbeitet und unser Leben verändert“ von Steven Levy (2012) // 

Schon wieder ein Buch über Google? Natürlich wieder ein Buch über Google!
In einer Zeit, in der das Internetunternehmen unser tägliches Leben so stark beeinflusst wie kein anderes technisches Hilfsmittel, kann es nicht genug Bücher geben, die das Phänomen Google beschreiben. Deswegen beschäftigen wir uns diese Woche im Mewi-Blog mit Steven Levys „Google Inside – Wie Google denkt, arbeitet und unser Leben verändert“. In sieben Teilen versucht uns Levy Google näher zu bringen, seine Faszination zu erklären und Einblicke zu geben in ein Unternehmen, welches die Welt veränderte. Doch ist dieser Versuch erfolgreich? Oder wird „Google Inside“ wie viele Vorgänger irgendwann in der Versenkung verschwinden, sprich, auf Googles Trefferliste irgendwo hinter Seite 20 erscheinen?

(Bild: x)

Wovon handelt das Buch? Levy hat über zweihundert Google Mitarbeiter interviewt und dadurch einen tieferen Einblick in die Strukturen des Unternehmens gewonnen. Diese akribisch zusammengeführte Sammlung an Fakten und Begebenheiten sind nun in „Google Inside“ – eine Art Chronik von Google – versammelt. Dabei räumt Levy der Eigenheit der Googlekultur und seiner Entstehung viel Platz ein und lässt dabei auch die technischen Aspekte des Unternehmens nicht ungeachtet.

Genauer? Steven Levy ist begeistert von Google. Dies merkt man vor allem im ersten Teil des Buches, bei dem es um Googles Anfänge und Werdegang geht, die Levy fast schon romantisch beschreibt. Die Entstehung von PageRank und Adwards, sowie deren Erfinder nehmen einen wichtigen Platz im ersten Teil des Buches ein. Im Weiteren beschäftigt sich Levy mit Googles Businessplan und den dazugehörigen Finanzen: Wie verdient die Suchmaschine ihr Geld? Adsense ist das Zauberwort. Im Kapitel „Sei nicht böse“ beschreibt der Autor die Entstehung der „Googlekultur“,  wozu vor allem die Geschichte des Googlecampus und dessen Eigenheiten (die Cafeteria und die Physiobälle nicht ausgenommen) gehören. Es folgen Details zum Börsengang und Details zu Googles Mission: der Aufbau von Datenzentren, um sämtliches Wissen der Welt zu speichern.  

Also ein durchweg positiver Bericht? Eigentlich schon. Google wird von Levy als sympathische, innovative Ideenschmiede beschrieben, deren überaus intelligente Gründer geradezu naiv in den Aufbau eines global agierenden Unternehmens gestolpert sind. Einzig im Kapitel zu Googles Dilemma in China lassen sich erst- und letztmals einige kritische Anmerkungen des Autors finden und noch zaghafter in Zusammenhang mit der Street-View-Problematik.  Levy lässt im Buch lieber andere Akteure zu Wort kommen und hält sich mit eigenen Aussagen zurück. Darüber kann man als Leser natürlich etwas enttäuscht sein, allerdings, so bekommt man beim Lesen der Eindruck, strebte Levy viel mehr eine Dokumentation an und beendet das Buch nicht mit einer kritischen Sicht auf Google, sondern mit dem Diskurs, wie sich Google mit Regierungen arrangiert oder zusammenarbeitet. Beispielsweise mit Obamas Wahlkampfteam, wo Levy kartellamtliche sowie urheberrechtliche Probleme anspricht.

Lieblingszitat?
„Menschen wollen nicht verwaltet werden,sie wollen geführt werden.“
(Eine Aussage eines Googlemitarbeiters)

Gibt es Probleme mit dem Buch? Der Autor verliert sich oft in Details, die den Lesefluss unterbrechen. Ein Beispiel: Wenn eine neue Person in den Fokus rückt, wird diese ausführlich vorgestellt, womit der Blick auf das Wesentliche verloren geht. Ein weiteres Problem, das oben bereits angesprochen wurde: Falls der Leser eine kritische Auseinandersetzung mit Google erwartet, wird er grösstenteils enttäuscht. Google erscheint im Buch fast ausschliesslich als positives Phänomen. Ausserdem sind viele Informationen schon bekannt: Wie der Googleplex aufgebaut ist, weiss man. Genauso wie die Fakten über Googles Anfangszeit und der Entstehung von der „Sei-nicht-böse-Mentalität“. Die angekündigten Enthüllungen von Google-Internas entpuppen sich als mehr oder weniger brisante Aussagen von Googleangehörigen.

Warum ist das Buch trotzdem lesenswert? Trotz der vielen Probleme, die es mit dem Buch gibt, muss man dem Autor ein Lob aussprechen: Wohl noch nie wurde die Geschichte Googles so detailreich erzählt. Wer sich genauer für die Google-Kultur und dessen Entstehung aus der Sicht von „Google-Angehörigen“ interessiert, wird dieses Buch verschlingen. Dies ist das wohl einzig „Neue“ an diesem neuen Buch über Google: Googles Sicht auf die Dinge; hier berichten nicht Aussenstehende, sondern jene, die eben dabei waren.  

Hier ein Blick in Googles Data Center:

 

Konversation

  1. Den einleitenden Sätzen kann ich nur zusprechen. Erstaunlich finde ich, dass z.B. über personalisierte Werbung oder Page-Ranking noch immer ein grosses Unverständnis bei der breiten Bevölkerung herrscht, trotz der vielen Publikationen und der Thematisierung in den Medien. Wiederum im Bewusstsein der Nutzer ist, dass ihre Daten irgendwo von Google gespeichert und aufbewahrt werden. Das Schockierende ist aber, dass trotz diesem Bewusstsein die Meisten ihr Nutzungsverhalten nicht ändern oder anpassen (und da muss ich sogar mich als MeWi Student teilweise selber dazuzählen – wie ironisch). Somit kann ich Steven Levy nachvollziehen, nochmals ein solches Buch zu publizieren, auch wenn nur über Positives berichtet wird. Jedoch in der Hoffnung, dass der User damit sensibilisiert oder grundlegend aufgeklärt wird.

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  2. @Juri Fischer: Was meinst du mit „Google sinnvoll nutzen“? Ich glaube nicht, dass es möglich ist Google zu benützen ohne eine einzige Information von sich preiszugeben. Vielleicht sollte man sich stattdessen nach Alternativen umsehen.

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  3. Warum auch nicht.. Es darf doch auch einmal einen positiven Bericht über Google geben. Schlussendlich ist es genauso wichtig, neben der ganzen sehr wohl berechtigten Kritik an Google, auch die „eigene“ Sicht des Unternehmens zu kennen. In diesem Buch wird sicher nicht ein zentrales Geschäftsgeheimnis Googles preisgegeben, aber dennoch ist es sicher ein guter Einblick in das Unternehmen aus dessen eigener Mitarbeiter-Ansicht.
    Die Frage die sich stellt: wäre es nicht langsam an der Zeit anders an Google heran zu gehen als über relativ positive Mitarbeiterberichte? Ist es nicht sinnvoller zu überlegen oder heraus zu finden wie man Google sinnvoll nutzen kann, ohne deren Datensammlung zu erweitern…?

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