Grüne kämpfen gegen Wegwerf-Elektronik

«Reparieren, statt investieren!» – dieses Prinzip wollen die Grünen auch in der IT-Technologie fördern. Die breite Entwicklung geht eher in die Gegenrichtung.

Jedes Jahr sammelt sich in der Schweiz mehr Elektronikschrott an – zu viel für die Grünen. (Bild: Anthony Bertschi)

«Reparieren, statt investieren!» – dieses Prinzip wollen die Grünen auch in der IT-Technologie fördern. Die breite Entwicklung geht eher in die Gegenrichtung.

Jeder und jede kennt das: Das Handy, das Smartphone oder das Notebook funktioniert zwar noch bestens. Doch der Akku wird immer schwächer. Wenige Jahre ist es her, da konnte man für einen vernünftigen Preis noch einen neuen Akku kaufen. Dann wurden diese wichtigen Teile rasch auf ein Vielfaches ganzer neuer Geräte verteuert. Und jetzt sind sie meist gar nicht mehr einzeln erhältlich: Leert sich der Stromtank beim Smartphone immer schneller, muss man bald den ganzen Apparat wegwerfen und einen neuen beschaffen.

Das nützt den weltweit organisierten Herstellern solcher Produkte und ihren Investoren. Es ist jedoch fatal für die Umwelt, wie die Grünen in Bern jetzt dargelegt haben: Vor zehn Jahren fielen allein in der Schweiz jährlich noch 35’000 Tonnen «verarbeiteter Elektroschrott» an. Letztes Jahr waren es schon 130’000 Tonnen. Gründ für diese Zunahme mitunter: inkompatible Software, nicht mehr einfach zerlegbare Geräte und teure Reparaturen.

Faire Computer

Die Folgen davon: Es werden immer mehr endliche Rohstoffe verschwendet. Darunter auch seltene und kostbare Materialien, wie Indium oder Néodyme. Diese würden jetzt schon dramatisch knapp, warnt der frühere grüne Waadtländer Regierungsrat François Marthaler, der jetzt die Produktions- und Reparaturfirma «Why! Open Computing» für nachhaltige IT-Geräte führt. Beim Abbau solcher Rohstoffe herrschten zudem oft  erschreckend menschenunwürdige Zustände wie Kinderausbeutung und Sklaverei. Nicht zuletzt darum seien neu importierte Geräte meist viel billiger als hierzulande reparierte, betonten die Grünen.

Das ist umso unsinniger, als die Herstellung etwa eines Computers fünf mal mehr Energie verbraucht, als dieser während seiner ganzen Lebenszeit benötigt. Man rechnet mit 900 Tonnen fossiler Energie und 1500 Litern Wasser, bis ein Notebook hergestellt ist. Und durchschnittlich wird dieses kostbare Gerät dann nur etwa drei bis vier Jahre lang genutzt.

Dem wollen die Grünen unter dem Titel «Green IT» politisch entgegenwirken. Und ihr Mitglied François Marthaler setzt dieses Anliegen um – ganz konkret und technisch: Der frühere Regierungsmann hat mit seiner Firma einen nachhaltigen Computer der Marke «Why!» entwickelt, der modular aufgebaut ist, und darum immer wieder nachgerüstet werden kann – bis zu 20 Jahren Betriebszeit. Unter der Marke «Fairphone» ist zudem ein umwelt- und menschenwürdig produziertes Händi auf dem Markt.

Marthaler, der vor Jahren schon die erfolgreiche Reparaturfirma «La Bonne Combine»‎ lanciert hatte, betont indes, dass auch immer mehr IT-Geräte der Massenproduktion von Mediamarkt oder Migros für findige Leute reparierbar seien. Er verweist auf die Ratgeberplattform ifixit. Da sind Informationen über Ersatzteile, Anleitungen und Adressen zuhauf gespeichert.

Bessere Rahmenbedingungen für «Green IT»

Politisch drängen die Grünen derweil den Bundesrat mit gezielten Vorstössen die Rahmenbedingungen für nachhaltige IT-Wirtschaft in der Schweiz entscheidend zu verbessern:
    •    So soll etwa die Garantieleistung auf neuen Geräten künftig nicht nur die Händler in die Pflicht nehmen, sondern auch die Hersteller – und mit umgekehrter Beweislast bei Schäden.
    •    Vorab öffentliche Beschaffer sollen elektronische Geräte aus menschenverachtender und umweltschädigender Produktion nicht mehr evaluieren. Das fällt ins Gewicht. Schon nur die SBB wollen jetzt 20’000 Smartphones und Tablets für ihre Angstellten beschaffen.
    •    Mit positiven Labels und Deklarationspflichten sollen die Normalverbraucher unverblümt und ehrlich über die Herstellungsbedingungen neuer IT-Produkte informiert werden.
    •    Mit Branchenvereinbarungen soll die Landesregierung den Import umwelt- und menschenwürdiger Computer und Mobiltelefone favorisieren, die auch repariert werden können. Und umgekehrt kurzlebige, energiefressende und kaum reparierbare Gerätschaften penalisieren.

Verschleisswirtschaft herrscht weiter vor

So könnten in der Schweiz vermehrt interessante Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung geschaffen werden, argumentieren die grünen Motionäre. Der «Trend» jedoch läuft diesen Bestrebungen entgegen: Wegwerfprodukte, die im Ausland billig hergestellt und von schlecht informierten Konsumenten hierzulande günstig gekauft werden, beherrschen den Markt. Investitionen fliessen weiterhin eher in profitable, weltweite Grossfirmen, als zu kleineren Unternehmen im Inland. Jene Freihandelsabkommen, wie sie der Bundesrat schon abgeschlossen hat, oder noch plant, passen erst recht nicht zu  «Green IT».   

Konversation

  1. Ich hatte einen Laptop, der neun Jahre hielt. Ich brauchte ihn praktisch jeden Tag, sehr oft auch ausgiebig.
    Dann plötzlich spielte der verrückt und und rastete aus.
    Der Akku war nach einiger Zeit, ich weiss nicht mehr wieviel nur noch mehr oder weniger Durchlauf. Ich war ab dann einfach dauernd auf einen Stecker angewiesen.

    Das Natel ist für mich Telefon, Kalender, Erinnerungsfunktion, Rechner, natürlich Uhr und Notizblock un d auch Timer. Das ist ja schon viel.
    Ja, ein Headset habe ich auch. So habe ich die Hände frei. Und weil ich nicht mehr optimal höre, kann ich auch besser verstehen.
    Ich gehe bewusst unterwegs nicht ins Internet. Da habe ich Kontakt mit der Umwelt, mit Menschen und der Natur.

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  2. Mitleid ist nicht nötig. Das Teil funktioniert einwandfrei und die Bedürfnisse der i-Generation habe ich nicht. Das A55 ist eben noch ein Mobiltelefon, d.h. es ist sowohl mobil als auch kann ich damit telefonieren (und tue das auch gelegentlich). Mehr ist NICHT nötig.
    Das ist so wie bei den Banken. Die sollten auch nur Geld von Sparern einlegen und Darlehen ausgeben. Auf mehr 300’000 strukturierte und letztlich undurchschaubare Produkte können wir in der Realwirtschaft doch gut verzichten. Aber das nur nebenbei…

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  3. Wenn endlich alle Mobiltelefonhersteller beim Standard-Ladegerät-Anschluss mitmachen würden (Apple!!) und sich die Hersteller von Laptops ebenso auf einen Standardanschluss für Strom (die Technik darin, die fast immer von Intel stammt, stellt sowieso die praktisch identischen Anforderungen an die Stromversorgung) einigen würden, wäre schon sehr viel gewonnen in der Vermeidung von Wegwerfartikeln.

    Und wie schon erwähnt wurde, Wechselakkus sollten vorgeschrieben sein, das Design darf nicht über allem stehen (es hiess mal: „Form follows Function“). Auch hier ist leider Apple mal wieder Vordenker: Selbst in den aktuellen Laptops sind die Akkus nicht mehr wechselbar. Mein letztes Laptop ist so alt geworden, dass der am Ende die dritte(!) Akkugeneration drin hatte.

    Meine Geräte halten meist mehr als 6 Jahre (3-4 Jahre bei den Mobiltelefonen und Laptops – letztere wegen der geringeren Möglichkeiten zur Aufrüstung) und das finde ich für einen IT-Nerd schon beachtlich. Aber irgendwann ist auch die modulare Aufrüstfähigkeit am Ende, weil die Technik sich nicht nur in Details geändert hat in diesem Zeitraum. Mein aktueller neuer Desktop hat ein über 8 Jahre altes Gerät ersetzt – da war nichts mehr auch nur halbwegs wiederverwertbar, weil ungenügend, unterdimensioniert (Netzteil), inkompatibel und einfach aus einem anderen Technikzeitalter.

    Zum Schluss noch der unvermeidliche Autovergleich, egal wie sehr er hinkt: Bei einem Auto reicht es auch nicht aus, immer nur den Motor gegen die neueste Generation auszuwechseln, manchmal ist auch das „Drumherum“ einfach gnadenlos veraltet und dann lohnt sich das Basteln einfach nicht mehr oder wird sogar gefährlich.

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  4. Herr Chylewski hat natürlich recht: Es sind nicht 900 Tonnen, sondern 900 Kilogramm fossile Energie (z.B. Erdöl) und 1500 Liter Wasser für jeden Kompi. War mein Verschreiber. Entschuldigung! Niklaus Ramseyer

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  5. Oojeeh, B Esser Wysser:

    – Anzahl Display-Farben: 1
    – interner Speicher: 0.18 MB
    – Foto: Nein
    – EMail: Nein
    – Headset: Nein
    – Akku: Li-Ionen
    – Gesprächszeit: unbekannt
    – Standby: 11 Jahre

    Sie sollten das Teil wieder mal benutzen. Einfach so ein Tipp.

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  6. …mein prähistorisches Siemens A55. Das ist nun schon gut 11 Jahre alt, funktioniert mit dem ursprünglichen Akku tadellos und „das Beste“ am ganzen: man kann damit sogar telefonieren!

    Ja, ja, ich weiss, für die i-nerds bin ich kommunikationstechnisch inexistent. Kümmert mich aber nicht. Dafür nehme ich von der analogen Welt noch etwas wahr.

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  7. Wenn man wenigstens den Akku auswechseln könnte bei den Smartphones, wäre das schon ein grosser Schritt! So wie damals bei den Nokias, als man noch einen Ersatzakku dabei haben konnte…

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