Hummler und Bruderer klagen CVP-Präsident Darbellay ein

Die beiden früheren Wegelin-Bankiers Konrad Hummler und Otto Bruderer haben CVP-Präsident Christophe Darbellay eingeklagt. Darbellay hatte die beiden als „Verräter“ bezeichnet, was Hummler und Bruderer als Persönlichkeitsverletzung sehen. SP-Präsident Christian Levrat doppelte umgehend nach.

Christophe Darbellay und Christian Levrat bezeichnen die früheren Wegelin-Bankiers als "Verräter" (Archiv) (Bild: sda)

Die beiden früheren Wegelin-Bankiers Konrad Hummler und Otto Bruderer haben CVP-Präsident Christophe Darbellay eingeklagt. Darbellay hatte die beiden als „Verräter“ bezeichnet, was Hummler und Bruderer als Persönlichkeitsverletzung sehen. SP-Präsident Christian Levrat doppelte umgehend nach.

Wie CVP-Generalsekretärin Béatrice Wertli am Freitag mitteilte, hatte die „Aargauer Zeitung“ am 4. Dezember in einem Bericht Hummler und Bruderer mit den Worten zitiert, das bewusst falsche Verhalten der Bank Wegelin in den USA entspreche dem allgemeinen Verhalten der Schweizer Finanzbranche.

Diese Aussage habe CVP-Präsident Darbellay mit dem Hinweis quittiert, wer so etwas sage, sei „ein Verräter“. Wegen der Aussage „Verräter“ erhielt Darbellay nun laut Wertli eine Vorladung zu Gerichtsterminen in Appenzell und in Uitikon ZH. Die Vorladung sei aufgrund einer Klage der beiden Bankiers erfolgt, sagte Wertli.

Darbellay bleibt dabei

Darbellay hält ihr zufolge jedoch an seiner Aussage fest: „Die Aussage von Hummler und Bruderer ist eine weltweite Diffamierung des Finanzplatzes Schweiz. Als Schweizer Bürger und als Schweizer Politiker und als Vertreter des Wirtschaftsstandortes Schweiz empfinde ich ein solches Verhalten als Verrat, dazu stehe ich.“

Wenn man ihn wegen dieser Aussage einklagen wolle, „dann stelle ich mich dieser Klage. Nochmals: Die Aussage vom Hummler und Bruderer schädigt den gesamten Schweizer Finanzplatz.“

Noch am späten Freitagnachmittag mit einer Reaktion zur Stelle war SP-Präsident Christian Levrat. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter gab er Darbellay Schützenhilfe: „Darbellay hat Recht: Hummler und Bruderer sind Verräter. Und ein Paar weitere Banker auch. Werden wir jetzt alle vor Gericht gezogen?“

Einigung mit US-Behörden

Die in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagte Privatbank Wegelin hat sich Anfang Jahr mit den US-Behörden geeinigt. Die Bank bekannte sich vor Gericht schuldig und willigte in eine Millionenbusse ein. Im Gegenzug stellen die US-Justiz- und Steuerbehörden die Strafverfolgung gegen Wegelin ein.

In einer Anhörung vor dem Bezirksgericht in Manhattan gab die Bank zu, reichen Amerikanern dabei geholfen zu haben, Vermögen in Höhe von mindestens 1,2 Milliarden Dollar vor dem Fiskus zu verstecken. Dafür wird die Bank einen Betrag von 57,8 Millionen Dollar an die USA zahlen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die US-Behörden 16 Millionen Dollar von Wegelin in Amerika beschlagnahmt. Damit summiert sich der Steuerskandal für die mittlerweile zusammengebrochene Bank auf knapp 74 Millionen Dollar.

Konversation

  1. Herr Darbellay, Herr Levrat

    Wie konnten Siie siich so verrennen, aber nein auch ! Sie müssten den Unterschied eigentlich wissen : „Verräter“ sind Überzeugungstäter, aus edlen und auch niederen Beweggründen. Richtig wären die Bezeichnungen „Banditen“, „Raubritter“, „Wegelagerer“, „Erpresser“ und/oder „Charakter-Lump“. Bitte korrigieren…

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  2. Die beiden Herren könnten doch in Russland die Bürgerschaft beantragen. Von Herrn Putin würden sie sicher mit offenen Armen empfangen!

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  3. ob eine seriöse Schweizer Bank reichen Ausländern hilft, die Steuern in deren Heimatland zu umgehen,
    oder
    ob gewisse Kantone reichen Ausländern und sogar ganzen Konzernen mit einem faulen Deal „Steuerdomizil“ gewähren, wobei jene Steuerasylanten weit weniger Steuern bezahlen müssen als wir Schweizer?
    Von aussen betrachtet bescheisst im ersten Fall eine Bank den fremden Staat um seine legitimen und legalen Steuern, im anderen Fall ist es die Schweiz und jener Kanton, der sich zudem noch am interkantonalen Steuerausgleich bereichern darf.
    Aber solche Vergleiche anzustellen ist vielleicht auch Landesverrat. So sorry.

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  4. Er glaubt, dass das Bankgeheimnis das höchste gut ist, welches dieser Staat hat. Und ich dachte, der Bau eines Staates auf Betrug und Diebstahl, wie die Kirche es damals im Mittelalter unterstützte, wäre heute nicht mehr möglich. Dabei wird mit dem Bankgeheimnis immer noch mit Backsteinen des Betruges gebaut, und die CVP unterstützt das immer noch (zumindest ihr Crack).

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  5. Die Äusserung von Hummler/Bruderer „Anwerbung von Steuerhinterziehern habe zum Geschäftsmodell der Schweizer Banken gehört“ ist eine Pauschalisierung. Es traf für Hummler zu, der sich ja noch gebrüstet hatte, man hätte die Hausaufgaben gemacht und fürchte sich nicht vor der US-Justiz. Es trifft auch für weitere Banken zu, die im wesentlichen bekannt sind. Darbelley hat sich zu Recht gegen die Pauschalisierung gewehrt. Die beiden als Verräter bezeichneten Herren würden besser vom hohen Ross herunter kommen, sich in eine Ecke stellen und schämen statt Prozesse zu führen.

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  6. Eigentlich wollte ich schreiben, dass alle, die die Wahrheit sagen, entweder verunglimpft oder verklagt werden. Da wir hier ja schon beides von beiden Seiten haben, ist das aber wohl ein bisschen komplizierter in dem Fall^^

    Bei aller Antipathie gegen Hummler, seinen Machenschaften mit der Wegelin und seine Verbandelungen mit der NZZ: Endlich sagt mal einer die Wahrheit. Natürlich auch nur zu seinem eigenen besten Vorteil, weshalb auch die Gegenreaktionen verständlich sind.

    Dass Schweizer Banken aber aktiv Steuerbetrügerei betreiben, oder vielleicht bis vor kurzem noch betrieben haben, sollte ja allen klar sein die die Lage ehrlich beurteilen. Wenn das nun endlich auch deutlich nach aussen zugegeben wird, hilft das sehr nachhaltig mit der früheren Scheinheiligkeit aufzuräumen.

    Manchmal tut die Wahrheit weh, mag auch Geld kosten, aber nötig ist sie trotzdem. Natürlich passt das der Wirtschaftselite nicht. Täglich bewiesen.

    Wichtig wäre einfach, dass es dort weh tut wo die Verantwortlichen sind. Und da dürften sich beide Seiten wieder einig sein: Solls doch der Steuerzahler berappen.

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  7. Richtig, denn auch die guten und anständigen Politiker haben sich an das Gesetz des StGb zu halten. Nicht nur die Bösen.

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