Noch einmal: Romeo und Julia im Kleinbasel

Ehrlich, direkt, ungekünstelt und packend ist die mit «Selam Habibi» betitelte Adaption der «ganz vorzüglichen und höchst beklagenswerten Geschichte von Romeo und Julia» der Volksbühne Basel. Und sie sagt viel über das Leben im Kleinbasel aus. Jetzt wird die sehenswerte Produktion im Schalandersaal des Restaurants zum Alten Warteck wieder aufgenommen. Ein typisches Säli in einem […]

Zu Beginn ein grosses Fest, dann die grosse Tragödie

Ehrlich, direkt, ungekünstelt und packend ist die mit «Selam Habibi» betitelte Adaption der «ganz vorzüglichen und höchst beklagenswerten Geschichte von Romeo und Julia» der Volksbühne Basel. Und sie sagt viel über das Leben im Kleinbasel aus. Jetzt wird die sehenswerte Produktion im Schalandersaal des Restaurants zum Alten Warteck wieder aufgenommen.

Ein typisches Säli in einem typischen Basler Quartierrestaurant. Das ist der Schalandersaal im Restaurant zum Alten Warteck. Die eisernen Elektrokerzenleuchter, die Tische und Stühle, die vom einstigen Zigaretten- und Zigarrenrauch angegraute Decke: Wenn es nicht ein Original wäre, würde man an ein Bühnenbild von Anna Viebrock denken.

Auch die Leute in diesem Raum, die jungen und alten Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen, die sich zum grossen Fest versammelt haben, wirken wie ein Original-Abbild der Gesellschaft im Kleinbasel. Es sind Menschen, die im transkulturellen Raum zwischen ihrer kurdischen, marokkanischen, türkischen, polnischen, palästinensichen, schweizerischen oder deutschen Herkunft und ihrer gegenwärtigen Existenz in Basel bzw. Kleinbasel leben müssen oder dürfen. Es wirkt nicht nur wie ein, es ist zum Teil auch ein Originalabbild, denn die Profi- und Laiendarsteller der Volksbühne Basel spielen auch ein gutes Stück von sich selber mit.

Romeo und Julia im Kleinbasel

Präsentiert wird «Die ganz vorzügliche und höchst beklagenswerte Geschichte von Romeo und Julia», wie Shakespeares Vorzeige-Tragödie im Original heisst. Schon wieder dieses Wort Original. Aber zu dieser Produktion unter der Regie von Anina Jendreyko passt es halt so gut. Das berührende Liebesdrama kommt absolut berührend über die nicht wirklich existierende Rampe (das Publikum sitzt zum Teil an Tischen im Festsaal). Berührend und ungekünstelt, sehr direkt, ehrlich und packend. Und zwischendurch aurch amüsant, was übrigens viel mit Shakespeares Vorlage zu tun hat.

Aber hier soll nun nicht die Besprechung des Stücks wiederholt werden, die in der TagesWoche bereits zu lesen war. Es sei hier einfach darauf hingewiesen, dass die Produktion wieder aufgenommen wird. Und dass es eine überaus sehenswerte Produktion ist. Der Initiative, die aus den transkulturellen Theaterproduktionen «fremd?!» heraus entwickelt hat, ist ein erneuter Erfolg zu gönnen. Nicht zuletzt, weil sich damit die Hoffnung verbindet, dass die Volksbühne Basel keine vorübergehende Geschichte bleibt.

Ach ja: Der Theaterabend trägt den Titel «Selam Habibi». Und das ist nicht Shakespeares Original-Bezeichnung für das Drama.

 

«Selam Habibi»
«Die ganz vorzügliche und höchst beklagenswerte Geschichte von Romeo und Julia»
Von William Shakespeaere
Regie: Anina Jendreyko, Musikalische Leitung: Süleyman Çarnewa, Ausstattung: Pia Gehriger, Kostüme: Božena Civic, Nicole Müller, Produktionsleitung: Pascal Moor
Mit: Zeynep Yaşar, Yasin El Harrouk, Ferhat Feqî, Carmen Dalfogo, Robert Baranowski, Verena von Behr, Farhad Payar, Musa Küsne, Birkan Cam, Nadim Jarrar, Jack Ondoua, Petrit Bahtiri, Süleyman Çarnewa
Eine Produktion der Volksbühne Basel Im Schalandersaal des Restaurants zum Alten Warteck
Vorstellungen: 11.–13., 17.–20. und 24.–27. September 2013

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