Sie brachte die Mode an die Feldbergstrasse

Andrea Otto gehörte zu den ersten Unternehmerinnen, die eine Boutique im heutigen Trendquartier im Kleinbasel eröffneten. Nun feiert sie mit ihrem Laden «Riviera» das zehnte Jubiläum.

«Riviera»-Inhaberin Andrea Otto hat etwas zu feiern.

(Bild: Simone Janz)

Andrea Otto gehörte zu den ersten Unternehmerinnen, die eine Boutique im heutigen Trendquartier im Kleinbasel eröffneten. Nun feiert sie mit ihrem Laden «Riviera» das zehnte Jubiläum.

Handwerker zimmern an Türrahmen, die Fenster sind verstaubt, auf der weissen Verkaufstheke liegen Zollstock, Wasserwaage, vollgekritzelte Pläne und mehrere Akku-Bohrer. In der Mitte des Raumes steht eine zierliche Frau in weiten schwarzen Culotte-Bermudas, die knapp zu den Knien reichen, und einem cremefarbenen, ärmellosen Top. Sie hat die braunen Haare praktisch hochgebunden und beschreibt dem Chef der Handwerkertruppe mit grossen Gesten, wie was aussehen soll, wenn es fertig ist.

Andrea Otto baut um. Am 9. September feiert sie das zehnjährige Jubiläum ihrer Modeboutique Riviera an der Feldbergstrasse, vorher gönnt sie dem Interieur eine Rundumerneuerung. «Ausser den Wänden wird alles neu», sagt die 40-Jährige. Die Böden werden abgeschliffen, eine zweite Umkleidekabine, neue Lampen und Aufhängevorrichtungen sind geplant.

Otto will den Laden ihrem Sortiment anpassen, es ist mit den Jahren hochwertiger geworden. Sie spricht schnell und bestimmt. Ab und zu schaut sie verstohlen auf ihr Handy, weil sie eigentlich schon wieder weiter müsste. Es gebe noch so viel zu organisieren, entschuldigt sie sich.



Komplett-Umbau innert 10 Tagen: eine Herausforderung für Andrea Otto und ihre Handwerker.

Komplett-Umbau innert zehn Tagen: eine Herausforderung für Andrea Otto und ihre Handwerker. (Bild: Simone Janz)

Im Innenhof steht ein grosses, weisses Partyzelt, das während des Umbaus als improvisierte Verkaufsfläche dient. Darunter reihen sich vollbepackte Kleiderstangen, es herrscht Totalausverkauf. Ottos Mann kümmert sich gerade um Stammkundinnen, die nach einem Schnäppchen suchen.

«In zehn Jahren sammelt sich so einiges an», sagt Andrea Otto lachend, als sie vom Telefonieren zurückkommt. Um im Lager Platz für die neue Herbstmode zu schaffen, sollen möglichst alle Restposten eine neue Besitzerin finden. 

«Das Urbanste, was Basel zu bieten hat»

Andrea Otto liebt das Matthäus-Quartier. Sie arbeitet nicht nur dort, sondern lebt auch in der Gegend, früher direkt an der Feldbergstrasse, heute an der Florastrasse, zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn. «Die Gegend rund um die Kreuzung Feldbergstrasse/Klybeckstrasse ist das Urbanste, was Basel zu bieten hat.» Das ist auch ihr selber zu verdanken, sie ist eine Art Feldbergstrasse-Pionierin.

Otto war, zusammen mit der Modeboutique Marinsel, eine der Ersten, welche die Gegend als Alternative zur Grossbasler Innenstadt entdeckten. In der Partyszene war das Matthäus-Quartier zwar schon länger etabliert, doch erst im Jahr 2006 kamen auch kleine, feine Läden dazu. Mittlerweile gilt die Feldbergstrasse als Szeneort mit einer Reihe von speziellen Boutiquen, Ateliers und Beizen.

Otto hat diese Entwicklung zusammen mit anderen Ladenbesitzern, Gastronomen und Kulturschaffenden aktiv vorangetrieben. Sie gründeten den Verein REH4, den Otto dieses Jahr sogar präsidiert, und mischten das Kleinbasel mit aufsehenerregenden Aktionen wie dem Catwalk in Public Space auf, einer Modenschau unter freiem Himmel. Das Ziel von REH4: «progressive, unabhängige und subversive Räume zu fördern» und zwar in einem bestimmten Revier, «dem Gebiet zwischen Wettsteinbrücke, Dreirosenbrücke, Rhein und Badischem Bahnhof», heisst es in den Statuten.

«Die Basler Innenstadt bietet keine Anreize.»

Andrea Otto

Bei den Baslerinnen und Baslern kommt das gut an. «Die Leute schätzen Geschäfte, die vom Inhaber selber geführt werden», sagt Otto. Grosse Ketten wie H&M oder Zara kämen dafür je länger je weniger an. «Die Basler Innenstadt bietet keine Anreize.» Viele Leute hätten wieder ein Bewusstsein für das Nachhaltige, Schöne und Exklusive und wollten keine Mainstream-Mode. Ganz günstig ist es im «Riviera» zwar nicht, die Preise bewegen sich im mittleren Segment. «Doch ein einziges schönes Top reicht, um die Garderobe aufzupeppen», sagt Otto, ganz Verkäuferin.

Keine Vergrösserung im Jubiläumsjahr

Damit fährt sie gut, sie kann sich seit zehn Jahren halten. Bis vor drei Jahren war sie zwar noch von einem Nebeneinkommen als Kommunikationsberaterin abhängig, mittlerweile kann sie aber von ihrem Laden leben. Was hat Andrea Otto richtig gemacht?

«Eine gewisse Naivität ermöglicht vieles», sagt sie schmunzelnd. Man muss sich trauen, etwas zu wagen und Geld zu investieren, ohne an die Risiken zu denken. Das geht nur, wenn man wirklich will. Die Boutique ist für Otto mehr als nur ein Job. «Der Laden und ich sind eng verbunden. Er ist mit mir gewachsen, wir haben uns gemeinsam weiterentwickelt.»

Ihrem Konzept ist Otto dabei stets treu geblieben: Sie verkauft eine Mischung aus eher unbekannten Labels und grösseren, etablierten Marken. Dazu gehören Teile von lokalen und Schweizer Designern, aber auch Kleider von Hamburger Labels. Diese hat Andrea Otto mitgebracht, aus der Zeit, als sie mit ihrem Mann in der Hansestadt lebte.

In diesem Jubiläumsjahr 2016 musste Andrea Otto eine Geschäftsentscheidung treffen, der sich wohl jede erfolgreiche Unternehmerin irgendwann stellen muss: eine weitere Filiale eröffnen oder den bestehenden Laden optimieren? Sie entschied sich für Letzteres: «Ich will das Geschäft aufwerten und Leute nachziehen, anstatt mir einen neuen Platz an einem neuen Ort erkämpfen zu müssen.»

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Freitag, 9. September, 17 Uhr: Jubiläumsfeier in der Boutique «Riviera» an der Feldbergstrasse 43 mit Drinks, Musik und Vergünstigungen auf die aktuelle Kollektion.

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