Siebenmal Humphrey Bogart zum 60. Todestag

Heute vor 60 Jahren starb Humphrey Bogart. Eine Erinnerung an den «grössten amerikanischen Filmstar aller Zeiten», in sieben Filmen.

Heute vor 60 Jahren starb Humphrey Bogart. Eine Erinnerung an den «grössten amerikanischen Filmstar aller Zeiten», in sieben Filmen.

Der Mann war von kleiner Statur, seine Schultern schmal, das Haar bereits vor der Zeit schütter. Und sein kantiges Gesicht war geprägt von einer Narbe über der Oberlippe – keine guten Voraussetzungen für Heldenrollen im Hollywood-Kino der 1940er- und 1950er-Jahre. Und so besetzte Humphrey Bogart ein neues Typengenre – den zynischen, wiewohl nach klaren moralischen Massstäben handelnden Einzelgänger.

Viel Zeit blieb ihm nicht: Seine erste bedeutende Rolle spielte er 1941 und am 14. Januar 1957, heute vor 60 Jahren, war die Karriere bereits vorbei: Bogart verstarb im Alter von nur 57 Jahren an Speiseröhrenkrebs. Nur 16 Jahre dauerte seine Karriere als Charakterdarsteller, aber Hollywood hatte er nachhaltig geprägt. 1999 wählte ihn das American Film Institute zum «grössten männlichen amerikanischen Filmstar aller Zeiten». Kann man nur abnicken, wenn man sich seine sieben besten Filme anschaut.

1. «Casablanca» (1942) 

Der Klassiker. «Casablanca» ist das Liebes-Melodram schlechthin, wo Zynismus sich in Kriegszeiten zu moralischer Grösse aufrichtet. Rick, der desillusionierte Bar-Inhaber, trifft in Casablanca seine Liebe Ilsa aus früheren Pariser Tagen wieder. Ilsa, die mit einem Widerstandskämpfer gegen die deutschen Besatzer verheiratet ist, braucht Transitvisa.

Die Geschichte endet mit dem unvergesslichen Satz «We will always have Paris», als sich die beiden am Flughafen zum letzten Mal trennen, aber neben dieser Rahmenhandlung um Vergebung und Aufopferung des Herzens lebt «Casablanca» vor allem vom Geist der Résistance: Als die deutschen Wehrmachtsoffiziere in Rick’s Café eines ihrer stolzgeschwellten Militärlieder anstimmen, halten die anderen Gäste mit der «Marseillaise» dagegen. Meist Flüchtlinge sind sie, die sich aus allen Ecken Europas vor dem Einmarsch der Nationalsozialisten davongemacht haben und entwurzelt auf eine Weiterfahrt hoffen. Und mit immer lauteren, zitternden, bebenden Stimmen den Kriegsgesang der Besatzer schliesslich übertönen. Mit Tränen in den Augen, die echt sind: Regisseur Michael Curtiz kam selbst als jüdischer Emigrant aus Ungarn nach Hollywood und konnte durchsetzen, dass etliche Nebenrollen mit Schauspielerinnen und Schauspielern besetzt wurden, die Europa wegen des Krieges verlassen und ihre Karriere hinter sich lassen mussten.

 

2. «The Maltese Falcon» (1941)

Sam Spade in Action. Humphrey Bogart definierte mit seiner ersten bedeutenden grossen Rolle als «private eye» nicht nur äusserlich mit Trenchcoat und Schlapphut die Figur des Detektivs fürs Kino, sondern gleich noch den Film Noir: Regisseur John Huston sorgte mit der reduzierten Zahl an Schauplätzen und den konstanten Nachtdrehs für die beklemmende Atmosphäre, die fortan zur Genre-Kulisse wurde, getragen wird der Film aber vor allem von Bogarts Darstellung des Antihelden Spade. Ein anfänglicher Unsympath, der auch vor Mitteln unter der Gürtellinie nicht zurückschreckt, jedoch im Netz der Intrigen an Aufrichtigkeit gewinnt.

Und die Story? «The Maltese Falcon» ist ein Krimiklassiker, daher wird hier nichts verraten – nur so viel: Es ist «der Stoff, aus dem Träume gemacht werden», sagt Sam Spade am Ende. Völlig richtig.

 

3. «To Have And To Have Not» (1944)

Ein folgenreicher Film für Bogart: In der Verfilmung des gleichnamigen Stoffs von Ernest Hemingway traf er auf die junge Lauren Bacall, für die «To Have And To Have Not» das Debüt vor der Kamera darstellte. Die beiden spielten ein ungleiches Paar – er einen Seemann, sie eine gestrandete Amerikanerin, die beide sich durch die Kriegszeit schlagen – und die auch im echten Leben ein Paar werden. Bacall, 24 Jahre jünger, wird Bogarts vierte Ehefrau, und mit ihr sollte er auch glücklich werden. Der Ehe entspringen zwei Kinder, wovon der Sohn Stephen schliesslich als Filmproduzent und Autor mehrerer Bücher über den Vater quasi zum inoffiziellen Nachlassverwalter wird.

 

4. «The Big Sleep» (1946)

Nach Sam Spade nun Philip Marlowe: Bogart drückte mit seiner Rolle der Raymond-Chandler-Verfilmung einer zweiten archetypischen Detektivfigur seinen Stempel auf. Und wie «The Maltese Falcon» wurde auch «The Big Sleep» zu einem Meilenstein des Kriminalfilms.

Die verwinkelte Story um Eifersucht, Spielschulden und Erpressung ist kein am geraden Faden der Logik aufgeknüpfter Plot – und gerade aus dieser Undurchschaubarkeit gewinnt der Film seine Atmosphäre. Jeder legt jeden rein und intrigiert, wo es möglich ist, am Ende fliegen die Kugeln. Trost ist nicht zu haben in dieser von Pessimismus und Unbehagen zerrütteten Gesellschaft. «In dieser Stadt gibts zu viele Waffen und zu wenig Hirn», bilanziert Bogarts Marlowe.

 

5. «Key Largo» (1948)

Bogart/Bacall zum Dritten. Wieder spielte Bogart den desillusionierten, innerlich vernarbten Anti-Helden, der in einer Welt von Schurken als Einziger als Aufrechter taugt. Als Major und Veteran des Zweiten Weltkriegs besucht er die Hinterbliebenen eines gefallenen Kameraden, die ein Hotel in Florida betreiben. Dort hat sich ein nach Kuba abgeschobener Gangster mit seinen Schergen eingenistet, die die gesamte Belegschaft als Geisel nehmen.

Die Story ist, man merkts, in wenigen Zeilen runtererzählt, aber wie in «The Maltese Falcon» benutzen Regisseur John Huston und Bogart in ihrer erneuten Zusammenarbeit die Handlung als blossen Steigbügel für einen Kriminalthriller, der die klaustrophobische Stimmung der Vorlage – ein Theaterstück – glänzend inszeniert. Draussen toben die Unwetter eines Hurrikans, drinnen wütet die Verzweiflung unter der Tyrannei – eine dicht verschlüsselte Allegorie auf das soeben beendete Zeitalter des Faschismus und die anbrechende liberale Ära.

 

6. «The African Queen» (1951)

Aus der Paraderolle wird die sanfte Persiflage: Als alternder und verwahrloster Kapitän in Deutsch-Ostafrika während des Ersten Weltkrieges wirkt Bogart in «The African Queen» wie ein liebevolles Zitat seiner früheren Rollen – jedoch für einmal nicht in den dunklen Schatten des Film Noir, sondern in einer farbenfrohen Abenteuerklamotte. Waghalsige Fahrten durch Stromschnellen, fieses deutsches Soldatentum, selbstgebastelte Torpedos und ein dramatischer Höhepunkt mit Galgenstricken. «The African Queen» ist mitreissende Unterhaltung mit den beiden Hollywood-Giganten Katherine Hepburn und Bogart, der nun endlich seinen längst verdienten Oscar abholen durfte.

 

7. «The Desperate Hours» (1955)

In seinem zweitletzten Film kehrt Bogart zurück zu jener Rolle, die ihm vor seinem Durchbruch oft vorbehalten blieb: der Böse. Als Anführer dreier ausgebrochener Häftlinge nimmt er eine Familie als Geiseln und nistet sich in ihrem Haus ein. Die Spannung zwischen ihm und dem Familienvater, zwei dominanten Männerfiguren, führt schliesslich zum erwartbaren Eklat, an dessen Ende zu viele Leichen umherliegen, als dass die Überlebenden sich als Sieger fühlen könnten. Eine elektrisierende kammerspielartige Psychostudie des schweizstämmigen Regisseurs William Wyler, aus der Bogarts Figur zwar halbwegs geläutert, nicht jedoch lebend herausfindet. Es ist ein vorgezogener Abschied. Bogart ist bereits sichtbar von seiner Krankheit gezeichnet. 15 Monate nach der Premiere von «The Desperate Hours» ist er tot. 

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