Die 1:12-Initiative schafft tiefe ideologische Gräben – das verhindert konstruktive Lösungen.
Das Volk sieht rot, Unternehmer werden nervös. Fast 45 Prozent der stimmberechtigten Befragten einer SRG-Trendumfrage sagen Ja zur 1:12-Initiative. Ein gefährliches Spiel, warnt George Sheldon. Bei einer Annahme würden alle Angestellten mehr verlieren als gewinnen, meint der Professor für Arbeitsmarkt- und Industrieökonomie an der Uni Basel.
Die 1:12-Initiative, die das Lohnband gesetzlich festlegen will, ist eine radikale Vorlage. Nie zuvor wurde ein so markanter staatlicher Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit gefordert. Selbst linke Ökonomen wie etwa der Basler Regierungsrat Christoph Brutschin schliessen negative Folgen für den Wirtschaftsstandort nicht aus, würde die Vorlage angenommen.
Schreckensszenarien, die den Niedergang des Landes beschwören, sind mit Vorsicht zu geniessen.
Übertrieben sind jedoch Schreckensszenarien, die den Niedergang des Landes beschwören. Auch frühere Eingriffe in das freie Walten des Markts wurden als wirtschaftsfeindlich verteufelt: die Abschaffung der Kinderarbeit, Arbeitszeitregelungen oder die Einführung von Sozialversicherungen. Diese Massnahmen haben das Leben aller verbessert – und liessen die Wirtschaft prosperieren.
Der Markt regelt nicht alles zum Besten, schreibt Wirtschaftsexperte Gerd Löhrer in unserer Titelgeschichte, genauso wenig wie es nur gierige Manager gibt.
Gefährlich sind aber die ideologischen Gräben, die sich auf beiden Seiten auftun. Sie verhindern den Dialog und konstruktive Lösungsansätze – bis es lichterloh brennt.
Wir sagen: Danke!
Zum Abschied vielen Dank sagen wir drei geschätzten Kollegen: dem Fotografen Kurt Wyss sowie den Autoren Georg Kreis und Walter Schäfer. Woche für Woche haben sie uns in den letzten zwei Jahren schöne Einblicke in den Alltag vergangener Zeiten gewährt. In dieser Ausgabe erscheint die letzte Kolumne der Serie «Aus dem Fotoarchiv von Kurt Wyss».
So viel sei aber schon verraten: Auch künftig wird eine bildhistorische Zugabe den Schlusspunkt unseres Blattes bilden. Und: In Planung ist ein Buch mit den besten «Wyss»-Kolumnen. Und sicher werden unsere drei Kollegen auch künftig mit Beiträgen in der TagesWoche auftauchen. In diesem Sinne: Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Mal!
Artikelgeschichte
Erschienen in der Wochenausgabe der TagesWoche vom 25.10.13