Gegen Hetzer hilft nur überlegter Widerspruch

Wer nach terroristischen Aktionen empört die Posts und Tweets der Angstmacher und Hetzer weiterleitet, verhilft diesen zu mehr Aufmerksamkeit. Deshalb zuerst durchatmen und dann entschieden widersprechen.

Sichtbare Polizeipräsenz auf dem Berliner Weihnachtsmarkt nach dem Anschlag (Bild). Als Reaktion wird auch die Polizei in Basel ihre Präsenz an den Weihnachtsmärkten und an Silvester verstärken.

(Bild: REUTERS/Christian Mang)

Wer nach terroristischen Aktionen empört die Posts und Tweets der Angstmacher und Hetzer weiterleitet, verhilft diesen zu mehr Aufmerksamkeit. Deshalb zuerst durchatmen und dann entschieden widersprechen.

«In Berlin ist es jetzt nicht anders als damals in London und Paris: Die Menschen zeigen sich in ihrer übergrossen Mehrheit nicht anfällig für die Parolen der Hetzer und Angstmacher», schreibt «Die Zeit» auf Facebook. Das würde ich gerne glauben, aber die Parolen der Hetzer und Angstmacher erzielen nicht immer unmittelbar sichtbare Wirkung. Sie zersetzen das Vertrauen in eine freiheitliche, demokratische Ordnung und spielen damit den Terroristen in die Hände. 

Was AfD-Chefin Frauke Petry als Strategie postulierte, nämlich nach Anschlägen gezielt auf die politische Gegnerschaft einzudreschen und die absurdesten Forderungen zu stellen, ist bei Rechtsparteien in der Schweiz ebenfalls verbreitet. Aktuelle Beispiele sind die Junge SVP Schweiz, die direkt nach der Amokfahrt unter dem Titel «Wie lange noch?» eine Karte mit der Route Berlin–Schweiz ins Netz stellte, oder der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Schmid, der auf seinem Facebook-Account postete «Menschen müssen sterben, weil wir uns unfähige Regierungen leisten.»

Die Hetzer wollen so die grösstmögliche Aufmerksamkeit erzielen. Und in den sozialen Medien werden auch die primitivsten Tweets und Posts geliked und noch öfter von Gegnern – mit empörten Kommentaren versehen – geteilt. 

Damit helfen die Gegner den Provokateuren ihre Botschaften zu verbreiten und auch den Terroristen, die das Ganze ausgelöst haben. Die rechnen genau mit diesen Reaktionen. Sie wollen, dass die Muslime insgesamt unter Druck geraten und Aggressionen entwickeln. 

Wir alle müssen dem entgegenwirken, indem wir keine Gerüchte oder Vorverurteilungen verbreiten. Und wir dürfen die Provokation nicht 1:1 weiterleiten. Wir sollten dafür Fremdenfeindlichkeit und Einschränkungen unserer Freiheit entschieden entgegentreten – aber in unseren eigenen Worten. Deshalb: Bei Provokationen tief durchatmen, auf zehn zählen und erst dann in die Tasten greifen.

 

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