Kessler muss gehen – schade!

Der scheidende Regierungspräsident Guy Morin hat den Stadtentwickler Thomas Kessler geschasst, um seiner Nachfolgerin eine «schwierige» Personalie zu ersparen. Kesslers Ideen und Diskussionsfreude werden Basel fehlen.

(Bild: Nils Fisch)

Der scheidende Regierungspräsident Guy Morin hat den Stadtentwickler Thomas Kessler geschasst, um seiner Nachfolgerin eine «schwierige» Personalie zu ersparen. Kesslers Ideen und Diskussionsfreude werden Basel fehlen.

Stadtentwickler Thomas Kessler muss das Präsidialdepartement verlassen. Und zwar bereits in einem knappen Monat, wenn auch sein Chef Guy Morin offiziell abtritt. Über die Gründe der Trennung wurde Stillschweigen vereinbart, heisst es in einer Medienmitteilung. Auch die neue Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann gibt keinen Kommentar ab. Sie äussert aber auch kein Bedauern über den Abgang eines der prägendsten und streitlustigsten Angestellten der Stadt.

Kessler muss gehen, weil er es nie geschafft habe, der Abteilung Stadtentwicklung ein Gesicht zu geben. Doch der Grund, dass Morin diesen Entscheid nach öffentlichen Verweisen, Redeverboten und Abmahnungen wegen Kompetenzüberschreitungen gerade jetzt gefällt hat, ist ein anderer: Er will seiner Parteikollegin und Nachfolgerin eine «schwierige» Personalie vom Hals schaffen. Elisabeth Ackermann hätte gegen den wortgewaltigen und supervernetzten «Mr. Alleswisser» keine Chance gehabt. Das weiss sie und Morin weiss es auch. Sie hätte Kessler nicht bändigen können, weil ein Kessler sich nicht bändigen lässt.

Ein Spitzenverkäufer von Ideen

Für die Stadt ist Kesslers Abgang zu bedauern. Der Zürcher hat in Basel viel bewirkt, insbesondere in der Drogen- und der Integrationspolitik. In der Stadtentwicklung sorgte er zumindest immer wieder für Diskussionen etwa im Zusammenhang mit der Hafenaufwertung oder mit dem Vorschlag, an der Schifflände sollten Läden auch am Sonntag offen sein dürfen.

Wenn sich Kessler in ein Projekt verbissen hatte, konnte man sicher sein, dass er laut über seine Ideen nachdachte und mit Freude darüber stritt. Er kümmerte sich nicht um Grenzen der einzelnen Departemente, sondern äusserte sich, wo er wollte. Was naturgemäss nicht allen passte. Kessler überschritt auch Grenzen, etwa als er 2008 am Centralbahnplatz einen Bettler angriff. Aber in erster Linie ist Kessler ein Spitzenverkäufer seiner Ideen und diese Ideen und seine Diskussionsfreude werden Basel fehlen.  

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