Nein, Roger Federer braucht kein Denkmal

Nach Roger Federers 20. Major-Titel ruft es wieder aus allen Ecken: «Gebt dem Mann in Basel ein Denkmal! Eine Halle, eine Strasse, egal!» Hört das auch mal wieder auf? 

Mit einer «Roger-Federer-Allee» in Basel kann sich das Tennisass noch nicht schmücken. Und das ist auch gut so! (Bild: Photopress/Montage: Nils Fisch)

«Come on!»

Es ist Sonntagvormittag, die Welt liegt faul auf dem Sofa und schaut einem Basler dabei zu, wie er sich durch die australische Nacht kämpft. Der Mann sprintet in seinen pinken Schuhen von links nach rechts, prügelt den Ball scharf übers Netz, wischt sich zum Publikum-Gejohle den Schweissvorhang von der Stirn. Der Basler ist sogar im Kampf noch so rücksichtsvoll, dass er sein «Chum jetze!» für die Welt übersetzt.

Der Gewinner küsst die protzige Trophäe und schreibt, mal wieder, Geschichte. Und die Basler Zuschauerin denkt sich: Oh nein, jetzt geht die alte Leier wieder los.

Der «Blick» pusht als Erster: Die Printausgabe gibt es am Montag für 20 Rappen an den Kiosken zu kaufen. Zu Ehren unseres Rogers. In der Federer-Schleimspur rutscht es sich halt gut, denkt sich die Baslerin. Aber schlimm ist das nicht. Nein, das wirklich Unerträgliche kommt erst noch, weiss sie.

«Wenn nicht Federer, wer dann?»

«Roger Federer wird nicht geehrt», heisst es eine Woche später in der «bz Basel». Etwas spät, aber jemand hat doch noch das Telefon in die Hand genommen, um bei den Regierungen beider Basel nachzufragen, wann jetzt gopferdelli nomol endlich die St. Jakobshalle in «Roger Federer Arena» umbenannt werde, wie das Promi-Schmatzer Arthur Cohn schon vor einem Jahr verlangt hat. «Wenn nicht Federer, wer dann?», wird Grossrätin Martina Bernasconi zitiert.

Die Baslerin macht der bz-Autorin keinen Vorwurf. Sie selber musste auch schon so ein Telefonat tätigen. Im Sommer 2017, als Federer zum 8. Mal in Wimbledon gewann, dachte sich der damalige Arbeitgeber wohl «Jetzt aber!» und forderte sie dazu auf. Ein baselstädtischer Regierungssprecher unterbrach sie bereits nach wenigen Worten: «Lassen Sie mich raten: Sie wollen jetzt von mir wissen, wann wir eine Strasse, das Joggeli oder einen Planeten nach Roger Federer benennen, richtig?»

Ein Verbündeter.

Die Akte Ronaldo

Roger Federer spielt Tennis. Verdammt gut, keine Frage, aber er spielt nur Tennis. Und ja, er spendet verdammt viel Geld – er verdient ja auch verdammt viel. Und sicher ist er auch ein ganz lieber Papi. Aber, liebe Politiker, liebe Stars, liebe Federer-Fans: Roger wird auch ohne eine «Roger Federer Arena» weiterleben können, versprochen. Und wir alle auch.

Und das auch, wenn der Baselbieter Regierungsrat Thomas Weber in der «bz Basel» findet, die Umbenennung würde «der Reputation der Region als Wirtschaftsstandort zweifellos dienen». Naja, man kann nie wissen: Selbst der portugiesische Fussballstar und Nationalheld Cristiano Ronaldo musste sich im letzten Sommer vor Gericht verantworten, weil er 14,7 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben soll.

Apropos Ronaldo: Der erhielt auf seiner Heimatinsel Madeira bereits zwei Statuen. Sie sind beide potthässlich und machten ihn im Internet zum Gespött. Wir sollten eigentlich froh sein, dass Roger das bisher erspart gelieben ist.

Lasst den Mann doch mal ausspielen!

Eine Frage tut sich bei der alljährlichen Diskussion um die Roger-Strasse, Roger-Halle, Roger-Statue, den Roger-Platz oder Roger-Planeten besonders auf: Wieso braucht das Tennisass in Basel ein Denkmal, wenn sein eigentliches Denkmal, seine sportliche Leistung, noch der Vollendung harrt? Und ist die Stadt Basel wirklich «kleinlich und verbohrt», wie die «bz Basel» sagt, wenn sie von einer Umbenennung vorerst absieht und die Bieler da halt schon schneller waren? Oder ist das vielleicht gar nicht so dumm, weil: Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Boris Becker?

Roger Federer ist 36 Jahre alt. Lasst ihn doch erst mal ausspielen. Dann kann man immer noch entscheiden, welcher Basler zum Amt rennen muss, weil die Post an der Roger-Federer-Strasse 17 nicht mehr ankommt.

Konversation

  1. Es wird niemand gezwungen, Herrn Federer zu mögen oder seine Karriere zu verfolgen. Ich persönlich bin froh, gibt es ihn, ist er doch in vielerlei Hinsicht ein Vorbild und hat mir, ganz abgesehen davon, schon viele wunderbare (sportliche) Momente beschert. Viele werden diesen wohl dereinst nachtrauern und feststellen, dass er der Schweiz mit seinem Weg letztlich mehr gedient hat, als er es während 250 Tagen in Grün je hätte tun können. Meine Meinung…

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  2. Ich finde schon, dass er eine kleines Monument verdient hat. Man sollte zu seinen Ehren auf einem bis jetzt kahlen Platz so viele Bäume wie er Grand Slam Titel errungen hat, pflanzen. In 50 Jahren wäre so noch etwas nachhaltiges und positives in der Stadt vorhanden. Er hat ja bereits einen Stern am Spalenberg, und eine Steinstatue oder ein Strassennahme wäre sonderbar, aber es hätte sonst keine positiven Auswirkungen auf die Stadt.

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  3. À la Novatis Campus oder M-Park – ok, sind zwar nur ÖV-Haltestellen, aber trotzdem – könnte man vielleicht über Ehrungen reden, wenn er in der Region auch Steuern zahlt … 🙂

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    1. Wer aus medizinischen Gründen militärdienstuntauglich ist und dennoch solche Höchstleistungen vollbringt, dem gebührt zurecht ein Ehrendoktortitel der Medizin!

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    2. Nein, eine Abmahnung in Millionenhöhe wegen Bschiss.
      Die Untauglichkeit ist nicht Belegt oder wissen sie mehr
      WARUM?

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    3. Wie wahr, Zedermann:

      Wir könnten mit Tennisprofi Heinz Günthardt anfangen, der, wiewohl mitten in seinem Leistungssportlerleben seinerzeit HD geschrieben wurde, weil seine Anwälte damit drohten, der Militärversicherung den mutmasslich lebenslangen mutmasslichen Verdienstausfall (falls sich seine «Hüftarthrose» während des Dienstes verschlimmern sollte), in Rechnung zu stellen.

      Er hat dann (glaube ich) noch ein paar Jahre «erfolgreich» Tennis gespielt.

      «Haben Sie Geld, haben Sie Anwalt, haben Sie Möglichkeit».

      So läuft das schon immer in diesem Land (es ist allerdings nichts, um darauf Stolz zu sein)

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  4. Basel hat bereits eine «Jura»-Strasse. Das müsste doch genügen.

    Übrigens ist Federer in Oberwil (Baselland) aufgewachsen. Sollen die ihm doch ein Denkmal setzen (zum Beispiel an der Konsumstrasse).

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    1. Er ist in Münchenstein aufgewachsen. Er hat lediglich ein paar Jahre in Oberwil gewohnt, als er zur Nummer 1 aufstieg.

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