«Der Anruf von Prince war das Surrealste, was mir je passiert ist»

Die BBC kürte sie 2012 zur Newcomerin des Jahres, und Prince lud sie schon zu sich nach Hause ein: Lianne La Havas (23), die am Dienstag (26.2.) in der Kaserne singt, gilt als Englands neue Soulhoffnung. Im Interview spricht sie über ihre Vorbilder und ihre autobiografischen Texte.

Englands neue Soulstimme: Lianne La Havas. (Bild: zVg)

Die BBC kürte sie 2012 zur Newcomerin des Jahres, und Prince lud sie schon zu sich nach Hause ein: Lianne La Havas (23), die am Dienstag (26.2.) in der Kaserne singt, gilt als Englands neue Soulhoffnung. Im Interview spricht sie über ihre Vorbilder und ihre autobiografischen Texte.

Die altehrwürdige BBC hatte mal wieder recht. Anfang 2012 vom britischen Sender als heisseste Newcomerin gehandelt, spielt die 23-jährige Lianne La Havas nun in der ersten Liga der Songwriterinnen ihrer Generation. Mit windschiefem Dutt, einer vollmundigen Altstimme und frechen, autobiographischen Texten hängt die eigenwillige Londonerin auch die ihr zugedichteten Neosoul-Klischees ab.

Lianne La Havas, Ihr Debüt hat einen hymnischen, kraftvollen Titelsong namens «Is Your Love Big Enough?». An wen richten Sie die Frage?

Sie wendet sich an alle meine Hörer – und an mich persönlich. Der Song hat einen Bezug zu einer besonderen Zeit in meinem Leben. 2011 war ich zwei Wochen lang in New York und da gings mir richtig gut. Der Song erzählt davon, wie ich während des Aufenthalts buchstäblich rausgefunden habe, wer ich bin, und davon, dass ich wieder anfing, mich selbst zu lieben, was ich in der vorherigen Phase meines Lebens nicht getan hatte. Wenn ich also singe, «I found myself in a second-hand guitar» dann ist das die Wahrheit, denn ich habe dort eine Gitarre gekauft und sie wurde mit ihrem tollen, warmen Sound die Liebe meines Lebens – neben meinem Freund. Sie fühlt sich wie eine Verlängerung meines Köpers an und mit ihr sind viele Lieder des Albums entstanden.  
 
Sie haben eine jamaikanische Mutter und einen griechischen Vater. Wie muss man sich Ihre musikalische Erziehung vorstellen? 
 
Natürlich haben meine Eltern Reggae und Rembetiko gehört, und ich liebe beide Stile. Daneben haben sie mich aber mit Tonnen von anderen Sachen bekannt gemacht, Papa hat eine Schwäche für Charlie Parker und Mama für Soul – durch sie habe ich diese ganzen grossen Stimmen wie Jill Scott, Mary J Blige und Lauryn Hill kennen gelernt. Das hat meinen Durst nach luxuriösen Stimmen geweckt und mich selbst zum Singen inspiriert.   
 
Sie sind Londonerin – welche Rolle spielt die Stadt in Ihren Songs? 
 
Als ich mich entschied, Gitarre zu lernen, war ich in Südlondon und traf Freunde, junge Leute, die in ihren Schlafzimmern Songs schrieben, über ihr eigenes Leben erzählten. Die haben mich sehr inspiriert, und vielleicht hat das eine Art London-Sound hervorgerufen, den man in meiner Musik hören kann.

«Das Wort Retro törnt mich ab.»

Sie werden gerne in einer fortgesetzten Linie mit zwei berühmten Kolleginnen aus London gesehen, Amy Whinehouse und Adele, und in die Retrosoul-Ecke gestellt. Sind Sie damit einverstanden?

Das Wort Retro törnt mich ab. Ich fühle mich halt einer traditionellen Art und Weise des Songwritings verpflichtet. Auf der anderen Seite haben aber mein Produzent Matt Hales und ich genauso versucht, neue Sounds auszuloten, synthetische Klänge, und wir haben die Vokalspuren experimentell übereinander geschichtet. Ich hoffe also, dass ich eine wertvolle Ergänzung zu diesem unüberschaubaren Pool von Soul Music bin. Gleichzeitig denke ich aber, dass ich eine ganz kleine eigene Note beisteuern kann, oder? 
 
Ihre Stimme ist auf jeden Fall sehr aussergewöhnlich und hat dieses irre Vibrato… 
 
Es war einfach immer ein herausragendes Merkmal meines Gesangs. Als ich im Schulchor war, meinte mein Gesangslehrer, ich sollte das Vibrato zurückhalten. Ich denke, ich habe es jetzt unter Kontrolle, aber ich mag den Gedanken, dass es bis heute eines meiner Markenzeichen ist. 
 
In Ihren Texten erzählen Sie unverblümt über amouröse Verwicklungen – ist das autobiographisch?

Oh ja, «Forget» mag ich dabei besonders, denn das ist eine sehr direkte Ansprache an meinen Ex-Freund, der im Musikbusiness ist. Ich wollte da eine Aggression loswerden und fühlte mich dreist und  übermütig. Ich wollte ihm einfach zeigen, dass ich ihn nicht mehr brauche, um Musik zu machen.   
 
Dann gibt es die augenzwinkernde Ballade «Age», mit der Sie 2011 in der berühmten TV-Show von Jools Holland Ihren Durchbruch feierten und die über eine ungewöhnliche Liaison berichtet… 
 
Auch das ist eine wahre Geschichte. Ich fing an, diesen Song zu schreiben, als ich 18 war und einen beträchtlich älteren Mann traf, nachdem mir der vorherige, jüngere das Herz gebrochen hatte. Nun hatte ich die Gelegenheit, mit jemandem zusammen zu sein, der mich so liebte, wie ich war, und mich so behandelte, wie ich es wollte. Nun ja, er ist zwar älter, aber die Quintessenz des Songs ist, dass das nichts ausmacht! 
 
Es gibt Meldungen, dass Prince zu Ihren grossen Fans gehört, können Sie das bestätigen?

Ja, Prince rief mich eines Tages an, das war das Surrealste, was mir je passiert ist. Er sagte, dass er meine Musik wirklich mag und lud mich zu sich nach Minneapolis ein. Das war eine so inspirierende Zeit, ich hatte das Gefühl, dass ich mich mit einem alten Freund unterhalten würde. Wir haben Musik geteilt, tauschten Komplimente aus. Wenn wir zusammen etwas veröffentlichen würden, wäre das grossartig. Es ist noch nichts bestätigt, aber: Watch this space!

  • Lianne La Havas live: Kaserne, Basel. Dienstag, 26. Februar, 20 Uhr.

Konversation

Nächster Artikel