«Heimat im üblichen Sinne ist etwas für Kinder und Nationalisten»

Es ist eines der heiss diskutierten Themen an der diesjährigen BuchBasel: Die Heimat, dieser ausgefranste Begriff zwischen heisser Schoggi und Rütlischwur. Was gibt es über dieses Thema noch zu sagen? Wir haben Irena Brežná und Noëmi Lerch neun identische Fragen zur Heimat geschickt – und 18 maximal unterschiedliche Antworten zurückbekommen.

Die Erinnerung an einen bestimmten Geschmack kann Heimatsgefühle wecken. Aber Vorsicht: Erinnerungen sind trügerisch.

(Bild: Illustration: René Mühlemann, Montage: Nils Fisch)

Es ist eines der heiss diskutierten Themen an der diesjährigen BuchBasel: Die Heimat, dieser ausgefranste Begriff zwischen heisser Schoggi und Rütlischwur. Was gibt es über dieses Thema noch zu sagen? Wir haben Irena Brežná und Noëmi Lerch neun identische Fragen zur Heimat geschickt – und 18 maximal unterschiedliche Antworten zurückbekommen.

An der Erlenstrasse in Basel wurde unlängst ein Club umgetauft, er heisst jetzt «Heimat». Seither gehen jedes Wochenende junge, hippe Leute völlig ironiefrei in «die Heimat», um zu feiern. Gut, vielleicht stehen sie ab und an davor, um eine zu rauchen. Vielleicht eine «Heimat»? Die brandneuen Zigaretten von Ostschweizer Fabrikation sind in den Varianten «Heimat hell» und «Heimat dunkel» zu haben. Böse Zungen munkeln, echte Schweizer ziehen nur die helle Heimat auf Lunge.

Die Heimat feiert gerade auf allen Kanälen ein Comeback. Sei es in der Politik, wo das Thema Migration eine neue Sehnsucht nach «dem Eigenen» heraufbeschwört, in der Popkultur, wo Folklore und Schlagersounds, das «Schunkeln für Hipster» (Hallo Dagobert!), ein Revival erleben, oder in der Literaturszene. Das grösste Schweizer Literaturfestival, die BuchBasel, geht unter dem Titelthema «Heimat» über die Bühne.

Wir haben zwei Gäste der BuchBasel gebeten, uns ihren persönlichen Heimatbegriff näherzubringen. Irena Brežná lebt und arbeitet in Basel und ist eine mehrfach ausgezeichnete Autorin und Journalistin («Die undankbare Fremde», 2012). Als 18-Jährige emigrierte Brežná 1968 aus der Tschechoslowakei in die Schweiz, das Themenknäuel Heimat und Fremde zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Werk.

Noëmi Lerch studierte einst probehalber für ein Semester in Basel, bevor sie dann doch am Literaturinstitut in Biel landete. Ihr Debüt «Die Pürin» (2015) wurde von der Kritik hymnisch besungen, ein Roman über «Natur und Einsamkeit» (NZZ), das Leben einer jungen Frau in den Bergen – der Heimat?

Zwei Autorinnen aus zwei Generationen – ein Fragenkatalog. Kann losgehen.

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Am Samstag, 12. November, um 14.30 Uhr im Unionssaal (Volkshaus) wird Irena Brežná zusammen mit Terézia Mora, Amir Kamber und Jonas Lüscher über Heimat sprechen: «Heimat, literarisch betrachtet», moderiert von Thomas Strässle.

Ebenfalls am Samstag, 12. November, um 21.00 Uhr im Kosmos liest Noëmi Lerch aus «Die Pürin»: mit Cello und Sarah Käser.

Konversation

  1. Jawohl! Glutamat, Hefextrakt und wie diese giftigen chemischen Mittel alle heissen. Klärt die Schaffe auf! 🙂 Lasst uns anfangen Chemikalien zu zählen, anstelle von Kalorien!!

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  2. „Heimat“ – Der Ort, in dem man aus der Mutter kam, verstehen lernte, sich langsam weiter in die Welt hinaus orientierte und dann bald in eine Schule musste, die einem beibrachte, dass das alles keine Bedeutung hat.

    Gut deshalb zu wissen, dass diese zwei Frauen (die den Schoss der „Heimat“ bedeuten sollten) keine Ahnung mehr haben, was „Heimat“ ist.

    Dafür gibt es heutzutage „Preise“. Die Entwurzelten loben sich selbst. Was für eine „Kunst“.

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