Rudolf Rechsteiner: «Die Atomlobby hat einen perfiden Plan»

Das Ja zum Energiegesetz hat die Schweizer Atomkraft-Befürworter erst recht mobilisiert, warnt Grossrat Rudolf Rechsteiner im grossen TagesWoche-Interview.

Energie-Politiker Rudolf Rechsteiner im Mai 2017 anlässlich des Interviews mit der TagesWoche.

(Bild: Nils Fisch)

Das Ja zum Energiegesetz hat die Schweizer Atomkraft-Befürworter erst recht mobilisiert, warnt Grossrat Rudolf Rechsteiner im grossen TagesWoche-Interview.

Herr Rechsteiner, das Energiegesetz (EnG) wurde vom Volk deutlich angenommen. Sind Sie zufrieden?

Ja, ich bin einerseits sehr zufrieden. Die Angst, die die Gegner gezielt geschürt haben, hat diesmal nicht gesiegt. Das Resultat hat meine Erwartungen übertroffen: 58 Prozent – das ist kein Zufall, sondern ein klares Bekenntnis zu den neuen Technologien.

Einerseits? Gibt es denn Gründe, nicht zufrieden zu sein?

Die Vorlage hat wichtige Themen ausgespart. Der Elefant im Wohnzimmer, wenn Sie so wollen, das sind die defizitären Schweizer Atomkraftwerke. Die Atomlobby macht nun Jagd auf Subventionen.

Aber AKW werden doch keine neuen mehr gebaut. Das verbietet das EnG.

Schon. Aber die bestehenden AKW sind ja nicht einfach verschwunden. Die Millionen-Kampagne der SVP verfolgte einen Zweck: Die immer wiederkehrende Behauptung, nur Atomkraftwerke könnten die Versorgungssicherheit garantieren, es fehle an Winterstrom usw.; es gab eine gewisse Unsicherheit, ob die Stimmenden auf diese Angstmacherei hereinfallen.

Aber dann ist doch jetzt alles gut? Oder wo liegt das Problem?

Axpo und Alpiq machen bei den jetzigen Strompreisen etwa eine halbe Milliarde Franken Verlust pro Jahr. Die beiden Konzerne wollen nun selber Hilfe vom Bund. Deshalb geht die Diffamierung der erneuerbaren Energien als «Subventionsnehmer» ungebremst weiter, so etwa nach dem Motto «wir wollen gleiches (Un-)Recht».

Aber die Rhetorik hat doch nichts bewirkt. Der Elefant steht obsolet im Raum herum.

Die Erneuerbaren wären jetzt bereit für eine Expansion zu sehr tiefen Kosten. Aber – das sieht man schon an den tiefen Richtwerten im Gesetz –  es wird weiter blockiert; das Geld reicht ja nicht einmal, um die alten Projekte auf der Warteliste des Bundes zu realisieren.

Energie-Politiker Rudolf Rechsteiner im Mai 2017 anlässlich des Interviews mit der TagesWoche.

Die Stromüberschüsse aus Wasserkraft würden im Sommer nach Norden verkauft, genau dann, wenn an der Nordsee normalerweise Flaute herrscht. Man nennt das ökonomisch «Nutzung der Standortvorteile», und keines der beteiligten Länder bräuchte sich zu schämen, wenn es seine Trümpfe ausspielen könnte.

Wenn es so am einfachsten ginge: Warum macht man das nicht?

Viele Verteilnetzbetreiber tun das ja schon. Die Industriellen Werke Basel (IWB) managen Hunderte von Windturbinen von Basel aus und Solarfarmen dazu, und Basel-Stadt ist nicht allein. Das Problem bleibt der Elefant im Raum und seine unbezahlten Altlasten. Die Atomlobby versucht auch nach verlorener Volksabstimmung unverdrossen, das Parlament in Hypnose zu versetzen, indem sie behauptet, nur Schweizer Atomstrom könne klimaschädlichen Strom verhindern. Das ist natürlich Unsinn, aber die Botschaft wird in Bern gerne gehört.

Hypnose? Und warum wird das gerne gehört?

Die Irreführung beginnt bei den Kosten. Die Atomdefizite will man der Wasserkraft unterjubeln, das Ganze verpackt als «Klimaschutz» – ein Riesenblödsinn! Die Beiträge der AKW-Betreiber an die Entsorgungskosten wurden auf Basis einer mehr als dubiosen Kalkulation mehr als halbiert und der Bundeskasse anheimgestellt. Die Axpo hofft wohl, mit ein paar dicken Parteispenden an SVP, FDP und CVP für ihre dicken Lügen von Kostendeckung und Klimaschutz nochmals für 20 bis 30 Jahre eine Mehrheit zu finden, die das glaubt. Und sie hat dafür einen perfiden Plan.

Einen perfiden Plan? Damit alle weiterhin für AKW bezahlen? Wie bitte soll das gehen?

Ich habe mich umgehört. Der Plan segelt unter dem schönen Etikett «Dreckstromabgabe»: Das CO2-Gesetz wird 2019 revidiert. Dieses Gesetz soll dann als Kuckucksnest dienen, um die defizitären Atomkraftwerke zu finanzieren. Die Verteilnetzbetreiber sollen gezwungen werden, Atomstrom zu kaufen – und um eine Mehrheit zu bekommen, verspricht man den Gebirgskantonen, die Wasserzinsen nicht anzurühren.

Damit kommen sie doch nicht durch?

Da wäre ich mir nicht so sicher. Die Axpo hat auf dem Papier, das mir vorliegt, bereits Alpiq, die Luzerner CKW sowie die Bündner, Tessiner und Walliser Kraftwerke an Bord.

Es sollte doch trotzdem ein Leichtes sein, das zu stoppen, nicht?

Das werden wir sehen. Die Umweltorganisationen sollten nun klare Signale abgeben: Ja zum Erhalt der Wasserzinsen, Nein zu jeglicher Finanzhilfe für Atomkraftwerke. Sonst kommen sie in ein Dilemma: Die CO2-Abgabe muss weitergeführt und erhöht werden. Die Verknüpfung mit der Atomförderung wäre natürlich für die meisten ein No-Go. Eigentlich dachte man, die Wasserzins-Sache sei mit den Anträgen der Urek unter Dach und Fach. Aber nun kommt FDP-Vize-Präsident Christian Wasserfallen – er will das Fördermodell des Urek zurückweisen. Und die Rückstufung wird dazu dienen, die Gebirgskantone zu erpressen und den gebundenen Kleinkunden auch in Zukunft möglichst viel teuren Atomstrom in ihrem Versorgungsmix beizumischen. Sie können ja den Lieferanten nicht wechseln. Was ich nicht verstehe ist, weshalb die bürgerlichen Parlamentarier aus den Gebirgskantonen für Wasserfallen stimmen und damit auf eigene Kosten die Atomenergie retten wollen.

Aber was Wasserfallen da anfängt, das will doch am Ende niemand? Wer will schon unfreiwillig für überteuerten Atomstrom bezahlen?

Viele Endverbraucher erhalten heute schon unfreiwillig Atomstrom. Alpiq und Axpo haben noch immer grosse Abnahmeverträge in der Schweiz, zum Teil auch Verträge der Tochterunternehmen wie den Zentralschweizerischen Kraftwerken (CKW) oder in Baselland EBL und EBM. Erst recht die BKW. Sie verkauft den teuersten Strom der Schweiz, belastet den kleinen Kunden für Strom aus Mühleberg Preise bis zu 15 Rappen, während man den kleinen Solar-Einspeisern im Kanton Bern nur 4 Rappen bezahlt.

Müsste nicht die ElCom diese Tarife korrigieren?

Ja, die Frage stellt sich wirklich. Auf jeden Fall gibt es keinen Grund, die Wasserzinsen zu kürzen. Axpo und Alpiq legen die Gestehungskosten und die Gewinnverwendung aus den Wasserkraftwerken nicht offen. So bleiben die Quersubventionen für die Kernenergie im Dunkeln. Und es gibt Seilschaften mit den Verteilnetzbetreibern, die den teuren Atomstrom willentlich den Kleinkunden unterjubeln, damit die billige Wasserkraft am Markt verkauft werden kann. Deshalb der Widerstand von Wasserfallen gegen den Antrag der Urek. Man will um jeden Preis verhindern, dass die kleinen Kunden nur noch den billigeren, sauberen Strom erhalten und die Wasserzinsen im Trockenen sind.

Okay. Aber wenn man das nicht will: Was kann man tun?

Wachsam sein. Die Atomkraftwerke dürfen keine Subventionen erhalten, hier muss sich eine neue Allianz formieren, die wenn nötig das Referendum ergreift. Die NZZ und die Atomlobby sprechen ja nicht von Subventionen, sondern von «neuem Marktdesign» oder von «Kapazitätsmärkten».

«Die Zukunft der Wasserkraft beginnt erst, wenn die Kernenergie endlich verschwunden ist.»

Wichtig ist, dass man sich bewusst ist, dass die Wasserkraft entgegen allen Behauptungen die billigste einheimische Energie ist. Sie kostet im Durchschnitt unter 5 Rp/kWh und wird für 8 Rp/kWh an die Kleinkunden verkauft. Es sind die AKW, die keinen Abnehmer mehr finden. Sie decken nicht mal ihre laufenden Kosten. Je länger sie laufen, desto höher wird der ungedeckte Schuldenberg. Die Kosten werden in den Buchhaltungen säuberlich versteckt.

Wie versteckt?

Man betitelt die Unterhaltskosten als «Nachrüstung» und aktiviert sie buchhalterisch als Investition. Es ist wie bei einem Auto, das 40 Jahre alt ist und längst auf den Schrottplatz gehört. Dann müssen sie neue Winterpneus kaufen. Die verbuchen diese nicht als Verbrauchsausgabe, sondern als Investition und geben vor, das Auto habe dank der neuen Pneus mehr Wert. Dabei bleibt der Wagen defizitär, alle Neuwagen laufen billiger, niemand kauft Ihnen den wertlosen Schrott ab, egal, wie viel Reparaturen Sie nachholen. Je länger es dauert, desto mehr teure Teile müssen Sie nachrüsten. In diesem Sinne betrügen die AKW-Betreiber Parlament und Öffentlichkeit. Ich habe das zusammen mit dem Finanzexperten Kaspar Müller in einer 100-seitigen Studie dargelegt.

Das mag ja alles zutreffen. Aber das Wissen allein wird bei den derzeitigen politischen Mehrheitsverhältnissen im Parlament kaum ausreichen, um da Gegensteuer zu geben.

Wichtig ist, dass man einen Kaufzwang für Atomstrom ebenso verhindert wie neue Subventionen. Solche Lösungen muss man per Referendum angreifen, in welchem Gesetzespaket auch immer: Das müssen die Umweltverbände schon bald klarmachen. Das zweite ist, dass man sagt: Man steht zur Wasserkraft, und die Wasserzinsen sind angesichts der günstigen Gestehungskosten nach wie vor berechtigt. Die Zukunft der Wasserkraft beginnt erst, wenn die Kernenergie endlich verschwunden ist.

Woran denken Sie konkret?

Ich würde vorschlagen, dass die Schweiz eine strategische Reserve schafft, aus Speicherwasser. Die Idee ist, dass man die Stauseen nicht dann leert, wenn der Preis am höchsten ist, damit in kalten Perioden im Winter immer genug Strom da ist, damit das System einige Wochen lang auch ohne Auslandlieferungen autonom betrieben werden kann. Das ist wichtig, wenn zum Beispiel in Frankreich ein Atomunfall passieren sollte, mit anschliessender Serienstilllegung wie in Japan. Diese strategische Reserve müsste man angemessen entschädigen.

Bliebe damit nicht einfach alles wie vorher?

Nein, überhaupt nicht. Man nennt das Kapazitätsmarkt. Die BKW hat das als Erste vorgeschlagen. Allerdings versuchen auch die Kernkraftwerke unter diesem Begriff, Geld zu erhalten, indem man die Konditionen einer Abgeltung auf ganz enge Tatbestände beschränkt, die auf Atomkraftwerke zugeschnitten sind, zum Beispiel «permanente Produktionsfähigkeit einer Kraftwerksleistung (MW) über eine Zeitdauer von mindestens x (z.B. 10) Tagen im April». Wird das Modell so konstruiert, erhalten Atomkraftwerke finanzielle Zulagen, die Fotovoltaik ginge dann leer aus. Mir schwebt etwas anderes vor.

Und zwar?

Das neue Energiegesetz sieht vor, dass ab 2023 ein marktnahes Modell gelten soll. Mir schwebt vor, dass dann neue Verträge ausgeschrieben werden. Solche Bezugsverträge sind in den USA längst üblich, das ist freier Markt in Reinform. Wenn man in den Bergen dann dank der Strategischen Speicherwasserreserve immer genügend Energie vorhält, damit man ganzjährig vier Wochen durchhält, dann kann man so viel günstige Wind- und Sonnenenergie produzieren wie man will, und man kann einen Teil davon auch importieren, zu sehr tiefen Kosten, wenn es sich um zyklisch auftretende Stromüberschüsse handelt. Die Zeitphasen, in denen Stromüberschüsse auftreten, nehmen dank dem Ausbau der erneuerbaren Energien in Europa massiv zu. Dank der Strategischen Reserve könnte man etwa ein Sechstel nahezu gratis aus dem Ausland holen – natürlich zertifizierte erneuerbare Energien – und so die gesamte Stromversorgung verbilligen, während man die saubere inländische Stromerzeugung in einem definierten Umfang ebenfalls mittels Ausschreibungen erhält und ausbaut.

Warum macht man das nicht einfach?

Es fehlt dazu der Platz im Netz. Den muss man erst schaffen – indem man endlich die gefährlichen alten AKW abschaltet. Man kann ja den Strom erst dann importieren und verwenden, wenn es auch eine Nachfrage gibt.

Aber gibt es denn wirklich genügend erneuerbaren Importstrom?

Ja… (sucht eine Grafik in seinen Unterlagen) …schauen Sie sich doch mal das an.

Stromerzeugung und Stromverbrauch, Deutschland, April 2017.
Stromerzeugung und Stromverbrauch, Deutschland, April 2017. (Bild: Quelle: Agora-Energiewende.de)

Was sehe ich da genau?

Den Energieverbrauch Deutschlands (die rosa Linie), dazu die Produktion aus konventionellen, Solar-, Wind-, Wasser- und Biomasse-Kraftwerken im April 2017. Es gab in diesem Frühjahr einen Tag im ehemaligen Kohlestaat Deutschland, an dem über 80 Prozent aus erneuerbaren Energien produziert wurde. Die Erneuerbaren werden weiter ausgebaut. Die Deutschen haben auch schon über 50’000 kleine Hausspeicher, aber das reicht nicht. Es wird immer mehr Tage geben, da sinkt der Preis gegen null und man wird sich auf die Schweizer Abnehmer von grünem Strom freuen, denn sie stabilisieren den Markt.

Aber davon werden wir doch auch profitieren?

Nach dem Axpo-Modell eben gerade nicht. Man versucht vielmehr, den kleinen Konsumenten auch noch die Kosten der alten Atomkraftwerke anzuhängen. Das ist der Plan von Herrn Wasserfallen und seinen Hintermännern. Ich bin dafür, dass man den Markt für die kleinen Kunden öffnet, aber zuvor auch gleich die Wasserzinsen und die Strategische Reserve gesetzlich regelt – als Systemdienstleistung, die von allen zu bezahlen ist, nicht nur von den kleinen Konsumenten. Dann profitieren auch die Haushalte vom billigen Strom der Erneuerbaren, und die alten Ölöfen in der Schweiz werden rascher durch Wärmepumpen ersetzt, weil endlich die Preise stimmen.

Wie genau?

Man muss die Tarife neu gestalten. So, dass die kleinen Konsumenten ebenfalls die Möglichkeit haben, für 2 Cents Überschussstrom aus Wind und Sonne vom freien Markt zu beziehen. Heute gibt es nur den hohen Tagestarif und den billigen Nachttarif. Das ist nicht mehr haltbar, denn es vermittelt falsche Anreize: Wenn die Sonne scheint, kann der Einkaufstarif auf einen Cent fallen. Auch die kleinen Kunden müssten die Möglichkeit erhalten, für diesen Preis direkt ab Börse sauberen Strom zu beziehen und ihre Wärmepumpen Boiler oder Elektromobile genau dann aufzutanken, wenn die Sonne scheint.

Oder der Computer stellt den Boiler dann an, wenn der Preis gerade tief ist.

Ganz genau. Das nennt man Smart Grid. Man kann nicht von Smart Grid sprechen und die Marktöffnung verhindern. Die Marktöffnung gehört deshalb auf die Traktandenliste, aber das funktioniert nur, wenn im gleichen Schritt auch für die Wasserkraft und die übrigen erneuerbaren Energien eine wettbewerbsnahe Lösung gefunden wird, die tragfähig ist.

Es entbehrt nicht der Ironie, dass Sie als SPler der SVP, der FDP und den Wirtschaftsverbänden vorwerfen, den freien Markt weitgehend verhindern zu wollen.

Das ist so. Den Streit um die Marktöffnung haben wir natürlich auch innerhalb der SP. Für mich war die Strommarkt-Liberalisierung nie ein ideologisches Projekt, sondern ein Systemerfordernis. Der Preis spiegelt Angebot und Nachfrage; das System funktioniert nur dann gut, wenn sich alle zeitnah danach ausrichten können, dank smarten Geräten und alten oder neuen Speichern. Die Axpo hingegen will den Schweizer Markt vollkommen abschotten. Kaufzwang für Atomstrom und so weiter. Da werden dann auch die Preisvorteile der erneuerbaren Energien nicht an die kleinen Kunden weitergegeben.

Konversation

  1. @ Herr Ormalinger:
    Arbeiten Sie dort?
    Wie wäre es mit einem realitätsnahen Statement, dem man nicht schon aus jeder Pore die Loyalität ansehen würde?
    Nachdem man sich die Schuhe wieder angezogen hat, könnte man ja auch einmal auf die Idee kommen, das Ganze mal logisch anzugehen.

    Die Bevölkerung ist sehr interessiert an Fakten, nicht nur an Meinungen von ferngelenkten Interessenvertretern, die sich jeden Pubs teuer mit Bakschisch bezahlen lassen von ihrem allmächtigen Lenker und Führer.

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  2. @ Hr. Heimers:
    Da muss die Wärme aber tief runter:
    Ansonsten verdörren oberflächennahe Erdschichten, die ihr Wasser abdampfen, Würmer etc. könnten massenweise zugrunde gehen, ist doch wohl kaum erforscht, wie ein Regenwurm auf 5 Grad Temperaturerhöhung reagiert bei auch noch erhöhter Trockenheit.
    Der Wärmespeicher hat auch das Risiko, als warme Quelle oder als Schneeschmelzer im Winter sich bemerkbar zu machen.
    Sollte Wärme mithilfe von Wasser hinunter gepumpt werden, könnte das auch das Erdbebenrisiko in der Gegend Basel erhöhen.
    Auch geht es ja um grosse Wärmemengen, die da hinunter gepumpt werden müssen, entsprechend ordentlichen Temperaturerhöhungen und aufgrund schlechter Wärmeleitung des Bodens sind halt viele Sonden notwendig.
    Ob der Wirkungsgrad höher als 30 bis 50% sein wird, ist mir nicht bekannt.
    Am Ende könnte einfach eine nette heisse Quelle daraus entstehen…..und Basel ein Bäderkurort werden.

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  3. @Theo Ormalinger und an alle anderen, die in Kernenergie die obtimale Lösung sehen:
    Wir haben schon einige sehr bejahrte Kernkraftwerke. Aber noch niemand ist ernsthaft der Endlagerung näher gekommen.
    Wir will schon in der Nähe eines solchen Pulverfasses wohnen.
    Auch die Sicherheit lässt immer noch zu wünschen übrig, entsprechend der Gefährlichkeit.
    Vielleicht kann man die auch in einem Behälter in Umlaufbahn bringen – sozusagen als ewig leuchtender und nachhaltiger Stern.

    Also ihr Kernkraftbefürworter macht mal endlich konkrete und nützliche Vorschläge in dieser Hinsicht

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    1. Ach, Maya Eldorado, Sie verlangen zu viel. Das Risikopotential und das ungelöste Problem der (End-)Lagerung radioaktiver Abfälle sind ja nur zwei Belege dafür, dass AKWs mit nichts zu rechtfertigen sind.

      Ich unterstelle den von Ihnen erwähnten Kommentatoren, dass ihre Betrachtungsweise nicht viel weiter reicht, als die eigene Nasenspitze. Oder glaubt z.B. jemand, dass wir das Uran in den Brennstäben der AKWs selber in der Schweiz ab- oder vielleicht sogar anbauen? Wohl kaum. Also sind wir da genauso abhängig vom Ausland wie bei Öl, Gas und Kohle: Wir importieren alles.

      Aufgrund der Endlichkeit der Ressourcen (Öl, Gas, Kohle, Uran, …) ist ein Ende derer Verwendung auf absehbare Zeit die logische Konsequenz. Die Frage, ob dies in 10, 50, oder 200 Jahren geschieht, ist sekundär, sofern man unserer Spezies noch ein paar Jahre mehr Existenz auf diesem Planeten gönnt.

      Aus strategischer Sicht begrüsse ich die Annahme der ES2050, denn ohne sie dürfte sich zu lange zu wenig bewegen. Jetzt sind weitere Ideen und mehr Innovation gefragt, um die technischen Hürden zu nehmen. Mir scheint, für die einen ist das eine Herausforderung und für die anderen eine Angstvorstellung. Ich bin zuversichtlich, auch wenn die Umstellung lange dauern und viel kosten wird. Aber das wird wohl niemanden wirklich erstaunen, der sich mit der Frage schon einmal intensiver auseinandergesetzt hat.

      Falls Sie gerne lesen: Francois E. Cellier „Zwischen Ressourcenverknappung und Versorgungssicherheit – Zur Zukunft der schweizerischen Energieversorgung“ finde ich sehr lesenswert.

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    2. Würden Sie den holländischen Ferienrückreiseverkehr auf eine Stadtautobahn lenken, die noch gar nicht gebaut ist, sondern nur auf den Plänen steht?

      Wohl kaum.

      Aber genau das haben wir jetzt getan.

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    3. @Kol Simcha: Mich dünkt, Sie (und vielleicht auch weitere) lassen ausser acht, dass die Entwicklung bis 2050 (und auch danach) kontinuierlich erfolgen wird. Es ist durchaus nicht so, dass die Veränderung in nur zwei diskreten Schritten erfolgen wird (der erste bis zur Abschaltung der AKWs und danach der zweite in die düstere, stromlose Zukunft).

      Ihr Beispiel mit dem holländischen Ferienrückreiseverkehr ist schön bildlich gesprochen, der tiefere Sinn bleibt mir allerdings verborgen. Sie geben in Ihrem Beispiel (mindestens) drei Variablen zur Auswahl, mit denen sich Politik betreiben liesse: Verkehrspolitik, Raumplanungs- und Stadtentwicklungspolitik sowie letzten Endes Bevölkerungspolitik. Überall liesse sich schräubeln, so man will. Aber viele wollen nicht, schon gar nicht bei der Bevölkerungspolitik.

      Langer Rede kurzer Sinn: Ich betrachte die Situation gelassen, weil die Veränderung kontinuierlich erfolgen wird und wir auf politischer Ebene derzeit zahlreiche Möglichkeiten ungenutzt lassen.

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  4. Die Kernenergie ist in Europa wegen Deutschland im Sinkflug, während alle aufstrebenden Staaten auf diesem Planeten die Nukleartechnik stark vorantreiben. Das permanente bashing der Nuklearbranche kann fatale Folgen für uns haben – nicht nur sicherheitstechnisch. Denn die Kernenergie wird in Schweiz nicht aus rational nachvollziehbaren Gründen untergehen, sondern weil die Schweiz als Produktionsstandort zunehmend irrelevanter wird und schlicht und einfach gar nicht mehr fähig sein wird, als riesiges Dienstleistung- und Grossraumbüro ein solche Technologie zu beherrschen. Wenn die energetischen Milchbüchleinrechnungen eines Rechsteiners in 10 Jahren nicht mehr aufgehen, dann können wir froh sein, wenn die Chinesen uns noch ein Mitleids-AKW hinstellen.

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  5. Wem gehört eigentlich diese teuflische Atomlobby-Axpo-Holding? Dem Volk.
    Die Aktien der Axpo Holding sind vollständig in der Hand der nordostschweizerischen Kantone bzw. Kantonswerke. Im Detail sind dies:

    Elektrizitätswerke des Kantons Zürich mit 18,410 %
    Kanton Zürich mit 18,342 %
    AEW Energie mit 14,026 %
    Kanton Aargau mit 13,975 %
    St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke mit 12,501 %
    EKT Holding mit 12,251 %
    Kanton Schaffhausen mit 7,875 %
    Kanton Glarus mit 1,747 %
    Kanton Zug mit 0,873 %

    Schade, dass Herr Rechsteiner dem Journalisten nicht die kritischen Grafiken für die letzten Wintermonate gezeigt hat. Viel Spass bei der Energiestrategie wünscht uns jetzt bereits der Vorreiter Deutschland! https://www.welt.de/wirtschaft/article162600538/Die-Energiewende-droht-zum-oekonomischen-Desaster-zu-werden.html

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  6. Reden Sie mal mit Leuten der swissgrid, denen zieht es die Schuhe aus bei dem Rechsteiner-Geschwafel. Wer ist eigentlich die Atomlobby? Die Leute, die prinzipiell niedergemacht werden, weil sie 40 Jahre Strom für die Schweiz ohne Zwischenfall produziert haben, aber trotzdem als verachtenswerte Untermenschen gelten? Oder gibt es da vielmehr eine Clique von Solar- und Windrädli-Profiteuren, die wie in Deutschland sich dumm und dümmer verdienen werden und sich beim Platzen der Blase fett absetzen können? http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/solarworld-insolvenz-deutschlands-bekannteste-solar-firma-ist-pleite_id_7116205.html

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