«Unsere Musiker sind Mitunternehmer»

Vier Fragen an Matthias Gawriloff, Geschäftsführer der Basel Sinfonietta.

Vier Fragen an Matthias Gawriloff, Geschäftsführer der Basel Sinfonietta.

Wie ist die Stimmung in der Basel Sinfonietta?

Ich bin relativ neu dabei, aber ich kann über den Enthusiasmus und die grosse Kreativität dieses Orchesters nur freudig staunen. Die Stimmung ist gut, zumal die Arbeitsbedingungen deutlich schwerer sind als in einem hochsubventionierten Orchester.

Die Basel Sinfonietta ist in einer finanziell heiklen Lage; die langjährigen Titelsponsoren Novartis und UBS haben ihre Verträge nicht verlängert. Wie geht es weiter?

Die Basel Sinfonietta ist noch nie im Geld geschwommen. Wir müssen neue Sponsoren suchen! Wenn ich mich von der momentanen Wirtschaftslage anstecken liesse, könnte ich gleich einpacken. Wir haben gute Ideen für Sponsoringprogramme, und unsere Musiker sind Mitunternehmer. Das geht sogar so weit, dass sie als «Teilhaber» eigene finanzielle Unterstützung erbringen würden, wenn es denn gebraucht wird. Auch mit unserem neuen Patenschaftsprogramm, das seit Dezember läuft, konnten wir schon einige kleinere Geldgeber finden.

Sie waren als Geschäftsführer sowohl für voll subventionierte als auch für freie Orchester tätig. Was ist besser?

Man kann nicht Äpfel mit Eiern vergleichen. In subventionierten Orchestern sitzen Spitzenkräfte, die sehr viel leisten müssen. Freischaffende Musiker müssen aber fast noch besser sein, denn sie müssen in häufig wechselnden Besetzungen arbeiten und ständig neues Repertoire einstudieren. Aber das macht auch ihre künstlerische Freiheit aus: Sie können entscheiden, was sie wann mit wem spielen. Diese Freiheit haben fest angestellte Musiker an ein subventioniertes Orchester auch wegen der Sicherheit ein bisschen mitverkauft.

Die Basel Sinfonietta begleitet 2013 am Theater Basel eine Oper, Mozarts «Figaro». Erhalten die Musiker dann die guten Löhne des SOB, lohnt sich ein solches Projekt also finanziell besonders?

Diese Frage darf man so nicht stellen! Es ist für uns eine Ehre, mit dem Theater Basel zu spielen. Auch wenn wir uns sonst besonders für unbekanntes und zeitgenössisches Repertoire engagieren, so ist es doch für jeden Musiker ein Traum, einmal den «Figaro» zu spielen! Zum Finanziellen äussere ich mich zudem nicht, weil das derzeit noch ausgehandelt wird.
           

Basel Sinfonietta
Anzahl Musiker: Pool von 150 Musikern
Backoffice: 4 feste Mitarbeiter (360 Stellenprozente)
Anzahl Konzerte pro Jahr: 30 bis 60 (60% davon in der Region)
Maximal erreichbarer Jahreslohn eines Musikers: Keine Angaben. Einzelhonorare aber klar unter dem Tarif des Schweizer Musikerverbandes SMV
Jahresbudget: ca. 2 Millionen Franken
Jährliche Subventionen BS: 234’000 Franken
Jährliche Subventionen BL: 326’000 Franken
Eigenfinanzierungsgrad: ca. 75%
Anzahl Besucher: nicht erhoben
www.baselsinfonietta.ch

 

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