Was stört Sie am Emblem von «Negro Rhygass», Naim Mbundu?

Naim Mbundu hat sich als einer der Ersten auf Instagram zur «Negro-Rhygass»-Debatte geäussert. Ein Gespräch über die Wirkung des N-Worts, Narrenfreiheit und selektive Toleranz.

Naim Mbundu (20) ist vielen unter dem Namen Zøla als Musiker ein Begriff. Er betont aber, dass er dieses Interview nicht als Künstler, sondern als Bürger dieser Stadt gibt.

Naim Mbundu, die ganze Stadt spricht über Rassismus. Wie haben Sie die Debatte erlebt?

Ich war überrascht, wie viel negative Energie dieses Thema freisetzt, überall waren Beleidigungen und Hass zu lesen. Ein Sprechen über Rassismus habe ich ehrlich gesagt nicht erkennen können. Ich fände es schön, wenn wir die Debatte wegführen könnten von der Frage, ob es an der Fasnacht angebracht ist, Witze über Schwarze zu machen. Ich würde lieber über den Rassismus als solchen reden. Darüber, wie das bei den Leuten ankommt, die davon betroffen sind.

Sie haben sich in den vergangenen Tagen mehrfach auf Instagram zu Wort gemeldet. Sie haben aber gezögert, uns dieses Interview zu geben. Warum?

Wie Sie gesagt haben: Die ganze Stadt spricht bereits über das Thema und ich war unsicher, ob ich jetzt auch noch was dazu sagen muss. Meine Freunde – ich habe einen kulturell sehr diversen Freundeskreis – haben mich aber bestärkt und gesagt, es sei doch wichtig, dass wir, also Leute, die bislang nicht zu Wort gekommen sind, unsere Meinung beitragen können.

Bis auf zwei Wortmeldungen bei «Telebasel» von Terence Regard und Michel Wiederkehr sind in den Medien ausschliesslich Weisse zu Wort gekommen. Ist es relevant, wer etwas dazu sagt, oder geht es um die Sache?

Naja, wenn jetzt der Obmann der Gugge und das Comité und ein Historiker etwas sagen dürfen, dann ist das noch keine Debatte über Rassismus, dafür braucht es verschiedene Perspektiven. Der Beitrag auf «Telebasel» hilft da auch nicht weiter. Zu Wort kommen der Schwarze, der das Emblem unnötig findet, und der Schwarze, der damit kein Problem hat. Dann kann man sich bequem auf eine Seite stellen und zu den Kollegen sagen, schau mal, der eine Schwarze hat auch kein Problem mit dem Emblem, dann kann das nicht rassistisch sein.

Doch das reicht Ihnen nicht.

Nein, denn wir haben noch nicht darüber gesprochen, was dieser Name und das Emblem – dieser «Neger» mit dem Knochen im Haar – mit uns allen machen, welche Signalkraft in so einem Banner steckt, was das auslöst.

«Etwas von dieser Abbildung auf dem Guggen-Emblem bleibt an schwarzen Menschen kleben und das geht einfach nicht.»

Was löst das denn bei Ihnen aus?

Mich hat es erst einmal einfach gestört, dass ein Verein ein Fest unter einem Banner abhält, das ganz klar an die Kolonialzeit erinnert. «Negro» heisst hier nicht einfach schwarz auf Spanisch, wie es auf Facebook verharmlosend heisst, die Karikatur zeigt das deutlich genug. Historisch gesehen liegt die Zeit, in der Teile Afrikas kolonialisiert waren, nur gerade 60, vielleicht 70 Jahre zurück und die schwarze Community ringt seither darum, eine eigene, eine selbstbewusste Identität zu finden. Genau diese Abbildungen werfen uns zurück in diese Zeit.

Das betrifft Sie auch persönlich?

Es macht es mir persönlich schwer, eine selbstbewusste Identität mit afrikanischen Wurzeln zu entwickeln. Dabei habe ich es vergleichsweise leicht, ich kann mich von dieser Abbildung distanzieren, weil ich ein Mischling bin. Aber ich habe Freunde, die wirklich schwarz sind. Du kannst nicht Menschen anschauen, die schwarz sind, und dann dieses Emblem anschauen und dabei nicht automatisch eine Verbindung herstellen. Etwas von dieser Abbildung wird an den Menschen kleben bleiben und das geht einfach nicht klar.

Ein oft verbreitetes Argument lautet in diesen Tagen, die Abbildung richte sich nicht gegen Sie persönlich, Naim Mbundu und auch gegen keinen Ihrer Freunde. Bitte abstrahieren Sie das, heisst es weiter, sonst muss die Fasnacht wegen der Political Correctness bald auf die «alte Dame» und den Waggis und all diese uralten Figuren verzichten.

Man ist als Schwarzer nun mal untrennbar mit seiner Hautfarbe verbunden. Das merkt man etwa daran, dass man einmal die Woche von der Polizei auf der Strasse nach dem Ausweis gefragt wird. Ob man die Elsässer, mit denen man seit jeher in Nachbarschaft lebt, karikiert, oder mich und andere Schwarze aus einer wirklich dunklen Epoche von Europa und Afrika als Witzfiguren zitiert, ist etwas anderes. Unser Kampf um Wahrnehmung lässt sich einfach nicht mit dem eines Elsässers vergleichen, darum denke ich auch, man sollte die ganze Debatte nicht so sehr an der Fasnacht aufhängen.

«Es scheint, als wäre die Toleranz endlich. Wenn Schwarze Forderungen stellen, heisst es schnell, man sei undankbar.»

Viele betonen jetzt, Basel sei traditionell eine linke und weltoffene Stadt. Aber irgendwann müsse auch mal gut sein mit den Ansprüchen aus der Multikulti-Ecke. Entlarvt sich dieser Tage eine Art selektive Toleranz?

Ich kann das aus meiner Perspektive als Musiker ein wenig bestätigen. Ich habe Erfolg als Zøla, spiele an lokalen Festivals und in der ganzen Schweiz. Das ist super und ich geniesse viel Support. Aber ein bisschen wirkt das schon so, als wäre die Toleranz endlich. Als wären wir so lange cool, wie man am Hill Chill eine tolle Show liefert. Wenn politische Forderungen aufs Parkett kommen, heisst es umgekehrt bald mal, man sei undankbar.

Sie haben von der Suche nach einer Identität als Schwarzer in der Schweiz gesprochen. Viele Menschen sehen das Problem offenbar nicht. Können Sie das noch mal erläutern?

Es gibt einfach immer wieder Situationen, in denen ist man «der Andere». Als Kind checkt man nicht, woher das kommt oder warum das so ist. Mir wird das auch erst seit einigen Jahren bewusst. Erst kürzlich hatte ich wieder ein Gespräch mit einer Frau im Tram, sie hat mich auf meine Haare angesprochen, classic. Also haben wir ein bisschen gequatscht und sie hat das ganze Gespräch zwischen Hochdeutsch und Mundart gewechselt, auch wenn ich die ganze Zeit perfekt Baseldeutsch mit ihr geredet habe.

«Ich muss mich dauernd damit auseinandersetzen, dass ich anders aussehe.»

Auch das ein Klassiker.

Klar, man soll das nicht zu hoch hängen, aber das passiert die ganze Zeit. Nicht auf einer aggressiven, verachtenden Ebene, aber ich muss mich dauernd damit auseinandersetzen. Und wenn man dann am Wochenende an so einem Plakat mit Negerfigur mit Knochen im Haar vorbeiläuft, dann kann es vorkommen, dass man für einmal selber derjenige ist, der reagiert.

Wie haben Sie reagiert?

Ich habe der Gugge, die ich vorher nicht gekannt habe, auf Facebook eine Nachricht geschrieben. Der Tonfall war wohl zwischen verärgert und freundlich, würde ich rückblickend sagen. Ich habe erklärt, dass ich als Halbschwarzer, der in Basel aufgewachsen ist, sehr irritiert sei. Ich habe gefragt, warum sie diesen Namen für richtig halten und ob sie den nicht vielleicht ändern könnten.

Was ist dann passiert?

Die Nachricht wurde ziemlich bald mal gelesen, man sieht das ja auf der Messenger App. Es kam keine Reaktion, nichts. Dann haben wir ein E-Mail geschrieben, auch darauf kam keine Antwort. Schliesslich wurde ich ziemlich wütend und ich habe das Bild auf Instagram geteilt. Ich habe Leute dazu animiert, das Bild weiter zu teilen. Innerhalb einer Nacht hat das Bild sehr viele Leute erreicht.

«Ich habe in letzter Zeit oft von ‹Narrenfreiheit› gelesen. Aber es sind halt immer dieselben Narren, die die Witze machen.»

Obmann Niggi Schmieder hat im Namen der Gugge mehrfach darauf hingewiesen, dass Name und Emblem sehr alt seien und nachweislich keinen rassistischen Hintergrund haben. Warum ist das Thema damit nicht vom Tisch?

Ich finde, dass der Name und das Emblem sehr alt sind, das erklärt noch nichts, oder? Ich würde gerne noch einmal nachfragen, warum es ihnen so wichtig ist, daran festzuhalten. Warum muss es dieser Schwarze sein, was wollt ihr damit ausdrücken? Fasnächtler wollen doch, dass die Fasnacht kulturell etwas in den Leuten bewegt, es soll ein Fest sein. Aber dann soll man doch auch erklären können, was man bewegen will? Wenn zum Beispiel ein 60-jähriger Schweizer, der mich nicht kennt, meine Musik hört, dann wirft das sicher auch Fragen auf. Vielleicht denkt er, ich verderbe die Jugend. Ich wäre jederzeit bereit zu erklären, warum ich diese Texte schreibe, warum es da um Drogen und Partys geht. Ich glaube halt, dass es keine gute Erklärung gibt und sich darum auch niemand von der Gugge dazu äussert.

Der Aufschrei war auch darum so gross, weil er auf die Narrenfreiheit der Basler Fasnacht und damit auf eine Hauptschlagader der Basler Gesellschaft abzielt. Welche persönliche Beziehung haben Sie zur Fasnacht?

Ich war früher immer an der Fasnacht, als Tiger, als Clown, als Waggis. Ich war da und habe mit meinen Freunden Leute gestopft, wie man das halt macht. Das gehört zur Basler Kultur, ich bin hier aufgewachsen, ich bin davon geprägt. Je älter ich werde, desto weniger hat mich das zuletzt interessiert. Auch weil ich gemerkt habe, dass es manchmal doch nicht so wahnsinnig offen ist mir gegenüber und ich nicht in jedem Cliquenkeller willkommen bin. Ich habe dieses Wort zuletzt oft gelesen, «Narrenfreiheit». Aber am Schluss sind es halt immer dieselben Narren, die die Witze machen.

«Ich will niemandem in dieser Gugge vorwerfen, er oder sie sei ein Rassist.»

Was halten Sie von der Petition, die eine Abschaffung der Gugge verlangt?

Abschaffen finde ich nicht nötig. Ich will niemandem in dieser Gugge vorwerfen, er oder sie sei ein Rassist. Ich kenne diese Leute nicht und das ist ein sehr harter Vorwurf. Ich wollte erst selber eine Petition machen wegen des Namens. Als ich dann die andere Petition sah, dachte ich, man hätte die Forderung auch entspannter stellen können.

Ist die Diskussion in dem Moment, in dem das Wort Rassismus auftaucht, schon unmöglich geworden?

Ich finde man sollte sich da etwas entspannen, Rassismus ist dermassen stark aufgeladen. Wenn sich eine Freundin scheisse verhält, dann sagst du halt, das war scheisse. Vielleicht fällt ein Schimpfwort. Aber wenn du ihr sagst, sie sei eine Rassistin, dann hat das sofort einen Killereffekt, der viel tiefere Wunden schlägt. Auf beiden Seiten. Der Begriff sollte ein bisschen entlastet werden.

Die Debatte hat in den vergangenen Tagen viele Gräben geöffnet und Beziehungen, auch unter Fasnächtlern, strapaziert. Kann sie längerfristig zu mehr gegenseitigem Verständnis führen?

Dass sich gesellschaftlich etwas ändert, das ist eine der schwierigsten Verschiebungen, die es gibt. Das braucht Zeit. Jetzt aktuell dominiert die negative Stimmung, aber ich glaube, die Bewegung der Leute, die sich betroffen fühlen, die ist stark. Das Problem ist halt, dass man jetzt jemandem etwas wegnimmt, und das macht es emotional und schwer. Und man braucht viele Ausrufezeichen auf Facebook, die Halt geben. Ein Gefühl von Kontrollverlust macht sich breit.

Die «Negro»-Unterstützer fürchten den Kontrollverlust?

Ich habe den Eindruck, dass die Verwirrung gross ist auf der Seite derer, die sich jetzt wehren, die uns beschimpfen, die das Logo verteidigen und beim Solidaritätsmarsch mitlaufen.

Werden Sie den Marsch besuchen?

Nein. Ich fände es schön, wenn die Debatte über das Emblem und den Namen bald erledigt wäre. Wenn sich etwas ändert: schön. Wenn sich nichts ändert, dann klappt es halt nicht, das Leben geht weiter. Ich wünschte mir, dass die Debatte jetzt in die wirklich wichtigen Bahnen umschwenkt. Jetzt, wo das Thema eine so grosse Aufmerksamkeit hat.

https://tageswoche.ch/form/kommentar/basel-hoer-auf-zu-quengeln/
https://tageswoche.ch/stadtleben/des-einen-rassismus-ist-des-andern-tradition/

Dossier Nur noch schwarz und weiss

Hashtags ändern sich, die Debatten bleiben hässlich. Das kriegen wir besser hin, oder nicht?

Alles zum Thema (10)

Konversation

  1. Ich finde Herr Mbundu hat Recht. Ich kann es verstehen, wenn man den Link macht, von der Hautfarbe her geht und sich dann dadurch direkt angesprochen fühlt, könnte das am Ende sehr störend wirken. Ich kann das absolut nachvollziehen und es geht mir tatsächlich mies dabei. Jetzt ging der Pass klar an die Gugge, ihre Kreativität und Originalität (Das Logo lässt zumindest doch etwas einen Anspruch in diese Richtung vermuten, oder?). Mit etwas Fantasie lässt sich doch aus der Logofigur auch leicht z. B. eine Justizia machen. Knochen aus den Haaren als Waage umfunktionieren, die Lockenpracht weiß kalken und fertig ist das political und justicial correct Fasnacht symbol an dem sich dann hoffentlich niemand mehr stört oder in seiner Ehre verletzt fühlt. Ansonsten gilt es halt noch einmal nachzulegen.

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  2. Liebe Tageswoche, vielen Dank dafür dass Ihr versucht die Diskussion vom „wir hauen uns gegenseitig unsere Meinung um die Ohren“ wegzubringen und verschiedene Seiten zu Wort kommen lasst.

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  3. es ist so einfach, einzelne sätze und abschnitte zu zerpflücken, anstatt das ganze zu verstehen zu versuchen. naim mbundu hat seine meinung zu einem thema vertreten, bei dem er definitiv mitreden kann. das verdient respekt. danke, naim !

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  4. Im Grunde ist es nicht so schwierig.
    Möchte ich keine Rassistin sein, sollte ich rassistisches Verhalten und Sprache vermeiden. Das gelingt mit minimaler Selbstreflexion und ein bisschen Empathie.

    Versehentlicher, unbeabsichtigter Rassismus kann natürlich trotzdem passieren.
    Da ist es dann wie mit schlechtem Mundgeruch. Peinlich für alle, darauf aufmerksam zu machen oder gemacht zu werden. Und trotzdem muss ich froh sein, wenn jemand den Mut aufbringt, mich darauf hinzuweisen, denn nur dann kann ich etwas dagegen unternehmen.

    Will oder kann ich das nicht, bleibt mir, in Gesellschaft einfach den Mund geschlossen zu halten oder ich verstehe wenigstens, warum einige etwas weiter wegrücken, sobald ich ihn aufmache.

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  5. 1. Wer sich ab der Fasnacht echauffiert, der hat einen Dachschaden.
    2. Wer meint, das ein Namenswechsel einer Gugge der Anfang des Untergangs unserer Kultur bedeuten würde, hat ebenfalls einen Dachschaden.

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  6. „Historisch gesehen liegt die Zeit, in der Teile Afrikas kolonialisiert waren, nur gerade 60, vielleicht 70 Jahre zurück und die schwarze Community ringt seither darum, eine eigene, eine selbstbewusste Identität zu finden. Genau diese Abbildungen werfen uns zurück in diese Zeit.“

    Ich denke, die sogenannte „schwarze Community“ wäre gut beraten, sich bei ihrem Ringen „um eine eigene, eine selbstbewusste Identität“ unabhängig zu machen von solchen Bedrohungen wie Cliquen-Emblemen.

    Man sehe sich die Schwulen-Bewegung an, die es trotz aller Widerstände geschafft hat, das „S-Wort“ so zu entmystifizieren, dass ein damaliger Berliner Bürgermeister-Kandidat selbstbewusst sagen konnte: „Ich bin schwul und das ist auch gut so!“ (…und auch zum Bürgermeister gewählt wurde.)

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  7. Es ist schon eine Unterstellung von Herrn Mbundu, dass ich wenn ich das Emblem der Gugge anschaue und dann einen schwarzen Menschen, ich diese gleichsetzen würde.

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    1. Sagt er aber nicht, er sagt es „bleibe etwas davon kleben“. Diese These ist a) schwächer und b) wissenschaftlich fundiert.

      Es sagt ja auch niemand der ernst zu nehmen ist, dass die Menschen welche sich dieser Gugge zugehörig fühlen „Rassisten“ seien. Stattdessen geht es darum, dass die Karikatur eben aus einem kolonialen Kontext stammt, und damals zur Ausgrenzung und Entwürdigung von AfrikanerInnen gebraucht wurde.

      Der Rassismus zeigt sich, wenn überhaupt, erst jetzt mit der geharnischten Reaktion auf die Bitte, man solle sich doch diesem Ursprung gewahr werden und sich überlegen, ob man dieses Symbol weiter verwenden wolle.

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  8. „Du kannst nicht Menschen anschauen, die schwarz sind und dann dieses Emblem anschauen und dabei nicht automatisch eine Verbindung herstellen. Etwas von dieser Abbildung wird an den Menschen kleben bleiben … „ Und die Cliquen wissen nun, dass ihre Art von Humor manche ihrer Mitmenschen sehr verletzt. Und trotz dem marschiert man nun sommers wider besseren Wissens für sein Recht auf diesen seinen sehr speziellen Humor auf die Strasse, mit dem Hinweis auf gewachsene Tradition und ureigene Kultur! So genügt man sich auch weiterhin selbst und hat auch in der Zukunft kein Problem damit, gehässige Witze auf Kosten anderer zu machen, seien es nun die arrogant-dummen Zürcher, die hässlichen Bewohner des grossen Kantons oder die Menschen, deren Vorfahren von den Vorfahren der heutigen Basler im Zolli ausgestellt und begafft wurden. Hauptsache, man hat‘s luschtig.

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  9. Ich bin vor 51 Jh. in Luzern geboren. Meine Mutter kommt aus Kamerun und mein Vater ist Schweizer. Diese ganze Rassismusdebatte geht mir eigentlich ziemlich auf die Nerven. Fast täglich liest man etwas über Rassismus als hätten wir keine andere Probleme. Seit Menschengedenken gibt es Rassismus und das wird auch nie verschwinden. Dagegen helfen auch keine Gesetze oder Strafen. Ich bin der Meinung dass jeder Mensch etwas rassistisches an sich hat. Jeder lehnt irgendwelche Gruppierungen oder Menschen ab. Jeder einzelne muss für sich selber entscheiden was er für eine Haltung einnehmen will. Ich kann niemanden zwingen mich gern zu haben. Als ich als Kind in Afrika war durfte ich nicht mit gleichaltrigen Afrikaner Fussball spielen. Es hiess: „Mit einem Weissen spielen wir nicht!“ In der Schweiz habe ich so etwas noch nie erlebt. Obwohl ich hier auch ab und zu als Neger, Negerli, Nigger usw. beschimpft wurde. Ich denke das sind reine Äusserungen. Wichtig ist für mich wie ICH damit umgehe und was ich damit mache. Ich kann mich entscheiden ebenfalls zu beleidigen oder denen die Köpfe einzuschlagen oder eine stoische Ruhe zu bewahren und mich auf etwas anderes konzentrieren. «Negro Rhygass» abschaffen oder umtaufen muss man meiner Meinung nach nicht. Wem es nicht gefällt soll doch seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes richten, als sich unnötig aufzuregen. Es gibt doch noch sooo viele andere Gugge!

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    1. Bester Herr Brune Schwyzer,

      Sie und Herrn Mbundu trennen 31 Jahre. Möglicherweise haben sie auch eine gefestigte Berufs-Biographie. Herr Mbundu als Musiker dürfte eher wacklige Aussichten für sein zukünftiges Erwerbsleben haben.

      Und so vermute ich, dass für Herrn Mbundu das zutrifft, was Robert Pfaller für die „Internationale Politikanalyse der Friedrich-Ebert-Stiftung“ (durchaus keine politisch rechte Institution) letzthin schrieb:

      „…wer keine Zukunft mehr hat, der braucht eben mehr Herkunft. Und wer nicht mehr hoffen kann, irgendetwas Interessantes zu werden, der muß eben darauf pochen, irgendetwas Kostbares, Verletzbares zu sein.“

      https://www.ipg-journal.de/rubriken/soziale-demokratie/artikel/herkunft-ist-kein-ersatz-fuer-zukunft-2914/

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    2. Bester Herr Zedermann,
      Wie dankbar bin ich für das von Ihnen angeführte Zitat von R. Pfaller! Denn wer keine Zukunft mehr hat, der muss sich halt an der Basler Abstammung festhalten. Und wer selbst nicht interessant ist, der macht sich halt als Vertreter einer sog. Tradition wichtig und schert sich nicht darum, ob er sie auf Kosten anderer zementiert.

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    3. Auch wenn man den Text gelesen hat entbehrt es doch nicht einer gewissen Ironie, dass hier gerade weisse heterosexuelle Männer und Frauen in ihrer Identität offenbar so angegriffen sind, dass sie die gemeinsamen Klasseninteressen übersehen.

      Ehrlich gesagt hat ja „divide et impera“ als Strategie stets mit weissen Männern am besten funktioniert, wahrscheinlich weil die aus historischem Zufall den Agenten des Kapitals am nächsten waren.

      Kurz gesagt, nicht jeder Text der von linker Seite kommt ist korrekt, und der, den sie da ausgegraben haben ist nur so durchsetzt von gutbürgerlicher Idiotie.

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    4. @Zedermann: Laaaaangweilig! „Der ist Musiker, der hat keine berechtigte Meinung!“
      Genau um solch pauschalisierende Haltungen und um strukturellen Ausschluss bestimmter Personen aus der Diskussion geht es hier. Vielen Dank für Ihr anschauliches Beispiel!

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    5. Lieber Herr Schwyzer, ist ja schön und gut dass sie nichts daran stört. Das heisst aber nicht, dass andere (schwarze Basler od generell Schweizer) sich zwingend auch nicht daran stören müssen. Wem es nicht gefällt, kann und soll das auch kundgeben dürfen. Und Rassismusdebatten sind auch nicht schlecht, denn nur durch Dialog kommen wir weiter. Sie nerven sich vielleicht, aber andere die sich davon betroffen fühlen, haben das Recht ihre Stimme zu erheben und gehört zu werden. Sie lösen das vielleicht indem sie ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes richten, aber das ist wiederum ihre eigene Entscheidung und Art mit dem umzugehen.

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  10. Ich schätze, wie die TaWo mit diesem Thema umgeht, vorallem auch den vielleicht Betroffenen eine Stimme gibt. Dass Rassismus immer noch Thema ist, steht fest, wie ich immer wieder von Betroffenen aus Afrika oder z.B aus Suriname höre. Wie man im Tramli manchmal angeschaut wird z.B. Das Thema der Fasnachtsgugge erinnert mich an die „zwarte Piet“-Diskussion in meiner früheren Heimat Niederlande. Als Kind erlebte ich ihn als ganz normaler Helfer von „Sinterklaas“. Heute anerkenne ich den rassistischen Zug der Figur, die m.E. abgeschafft werden sollte. Irgendwann muss man mit der Tradition brechen, wenn sie als menschenverachtend erlebt wird. Wir verbrennen heute doch auch keine Hexen mehr?

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    1. „Wir verbrennen heute doch auch keine Hexen mehr?“

      Nein, das machen wir nicht. Aber wir verbieten auch keine Fasnachtsgruppen, die mit der Hexe als Narrenfigur die Fasnacht feiern. https://de.wikipedia.org/wiki/Fastnachtshexe

      Und wir verbieten auch keine Märchen, in denen die Hexe eine tragende Figur ist. (Auch Bettelheim hätte das nicht gewollt.)

      Noch nicht, denn den Bilderstürmerinnen der Feminismus-Fraktion ist da einiges zuzutrauen.

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  11. Als Mutter von vier erwachsenen Kindern, welche Schweizer UND Nigerianer sind, hat mich die ganze Thematik um das Logo der Negro Gugge betroffen.
    Als ich vor 37 Jahren schwanger mit meinem ersten Kind war, fand ich es schon sehr daneben, dass ich bei einem Besuch meiner Eltern in der Schweiz von Nachbarn gefragt wurde was für ein Kind das jetzt werden wird oder ob ich das Baströckchen auch mitgebracht habe aus Nigeria. Ich habe es den Unwissenden verziehen. Es war 1980. Aber dass heute im 2018 ein Logo wie das dieser Gugge verharmlost wird und stur darauf bestanden wird, das kann und will ich nicht verzeihen. Nur weil bis anhin niemand sich öffentlich beschwert hat, heisst es noch lange nicht, dass es akzeptabel ist. Irgendwann ist immer das erste Mal und jetzt hat jemand den Stein ins Rollen gebracht und den Mund aufgetan und den Dunkelhäutigen Menschen eine Stimme gegeben. Ich weiss nicht, was so schwierig daran ist, zuzugeben, dass das Logo nicht in unsere Zeit passt. Aber eben, die Fasnacht und Fasnächtler darf man nicht kritisieren. Ist ja auch eine extrem ernst zu nehmende Sache (Augenzwinkern) Die Fasnacht ist zugegeben eine Tradition aber sicherlich nicht das Logo dieser Gugge, welche ein Zeichen setzen und Grösse beweisen könnte indem sie dieses ändert. Man würde die Gugge niemals vergessen und sie hätte den Respekt vieler.

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