Militarisierung des Alltags: Die Armee im Einsatz für zivile Behörden

Das Militär ist ein Instrument für bewaffnete Auseinandersetzungen. Doch es wird zunehmend zur Unterstützung ziviler Einrichtungen abkommandiert. Wer wichtige Infrastruktur für den Notfall rüsten will, würde besser in die Krisenresistenz ziviler ­Institutionen investieren.

Das Militär ist ein Instrument für bewaffnete Auseinandersetzungen. Doch es wird zunehmend zur Unterstützung ziviler Einrichtungen abkommandiert. Wer wichtige Infrastruktur für den Notfall rüsten will, würde besser in die Krisenresistenz ziviler ­Institutionen investieren.

Lorenz Widmer ist einer der Soldaten, die für die Truppenübung Conex 15 aufgeboten wurden. Seinen Dienst leistete er im Uni-Spital. Seine Arbeit während der Übung unterschied sich nicht gross von seiner ­zivilen Tätigkeit – er ist Pflegefachmann. «Das ist für einmal ein sinnvoller WK», findet er.

Ein sinnvoller Einsatz. Es ist doch gescheiter, die Armee übt, wie sie Spitäler und andere ­lebenswichtige Einrichtungen unterstützen kann, statt dass sie Kriegsspiele veranstaltet. Eine Passantin an der Grenze zu Frankreich begrüsste es ausdrücklich, dass die Kontrolle angesichts der Flüchtlingsströme verstärkt werde. Doch darum ging es gar nicht. Noch nicht.

Zivile Einsätze der Armee nehmen zu. Vor zwei Jahren unterstützten Militärpolizisten die Baselbieter Sicherheitskräfte im Kampf gegen Einbrecher. Was kommt als Nächstes: Soldaten, die Hunde auf Sprayer hetzen, wie es dieser Tage in Muttenz übungshalber geschehen ist?

Infrastruktur stärken statt Armee einsetzen

Das Militär ist ein Instrument für bewaffnete Auseinandersetzungen. Wenn es im Rahmen der «Weiterentwicklung der Armee» zunehmend zu subsidiären Einsätzen zur Unterstützung ziviler Einrichtungen abkommandiert wird, stärkt das nicht nur die Legitimation einer teuren Einrichtung. Es führt auch zu einer Militarisierung unseres Alltags. Wenn es nur darum ginge, Spitäler und wichtige Infrastrukturen im Notfall zu schützen, könnte man auch in die Krisenresistenz ziviler ­Institutionen investieren.

Stattdessen erleben wir seit Jahren Sparprogramme. Bund und Kantone bauen Leistungen ab. In Basel-Stadt etwa werden Polizeiposten nachts geschlossen.

Sicherheit gewähren Institutionen, die auch in schwierigen Situationen funktionieren. Ein Land mit einer stabilen Infrastruktur braucht keine Armee, die in Friedenszeiten als Retter in der Not auftritt.

Konversation

  1. In Basel war keine katastrophe, keine Schleuse drohte demoliert zu werden, noch kamen ausländische Horden herein. Wozu also drei Wochen der Umgebung auf die Nerven gehen mit Handlungen, die nun wirklich nicht nötig waren?
    Die Alternative wäre eine Unterstützung nebenan gewesen, in Österreich oder in Deutschand oder auch in Ungarn. Da ist Menschentragik passiert, die vielleicht hätte gelindert werden können.

    Nichts gegen Ihren Militärdienst, Sie taten, wie befohlen.
    …Aber dort das tun, was Sie beruflich immer tun, was Sie am besten können, könnte hier vernünftiger gewesen sein.
    Im Unispital herrschte meines Wissens nirgends Katastrophen-Stimmung.

    Das Ganze hat eher so den Gout von vier Pfadfindern, die unbdingt eine gute Tat begehen wollten: Einer trug die Handtasche und den Stock, die drei anderen zerrten die alte Frau über die Strasse.
    Es ging halt ums Prinzip.

    Naja, nix passiert, gottseidank vorbei!

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Haha.. nichts passiert????!!!!!!!
      Neben aller (berechtigter) Inhaltlicher Kritik ist dies wohl ein Beweis dafür wie „ausgewogene Berichterstattung“ uns vollumfänglich bildet/informiert und die Meinungsbildung des freien Bürgers blablabla..

      !!! WÄHREND/WEGEN CONEX15 GAB ES EINEN TOTEN !!!

      Bei einer „Nachtübung“ -ganz recht: sowas gehört doch in die Pfadi!- wurde ein Soldat im WK-Dienst von seinen Kollegen aus versehen mit einem Fahrzeug überrollt („sie hätten ihn nicht gesehen“ ..bei einer Nachtübung!) und starb noch an der Unfallstelle.

      Die bürgerlichen Medien (Tawo, Baz, BZ, etc.) erachten dies wohl noch knapp als erwähnenswert und schreiben stattdessen Doppelseiten über die beschissene „Militärexpo“ in Muttenz.

      Hier also ein schlimmes Beispiel der Konsequenzen der Militarisierung, Kapitalisierung und Neoliberaler Macht. Mensch ist nichts mehr Wert. Nicht mal sein Leben.

      Öffne deine Augen und du wirst sehen..

      Danke Empfehlen (0 )
  2. Schreiben Sie nicht zusammengefasst: die Nutzung der Armee als Sparmaßnahme für zivile Behörden? Und wenn die jungen Leute schon Arbeit verrichten, die eher von normalen Bürgern verrichtet wird, wie ist es dann mit ihren Rechten, ich meine Arbeitsrechten, z. B. das Recht zu streiken? Ich schreibe immer wieder Militärgutachten, weil Menschenrechte während der RS mit Füßen getreten werden. Ja, Herr Aschwanden, Sie haben ganz recht. Die Militarisierung des Alltags kommt den antidemokratischen Tendenzen, die sich immer mehr in der Schweiz einschleichen, ganz entgegen.

    Danke Empfehlen (0 )

Nächster Artikel