Schweizer Digitaltag – eine reine Propaganda-Schau

Ein Konglomerat von Schweizer Unternehmen und dem Staat veranstaltet am Dienstag den ersten Digitaltag. Das Unterfangen ist einzigartig. Und genauso intransparent wie durchschaubar.

Beeinflussung von Volk und Politik: eines der erklärten Ziele des Digitaltags. (Bild: digitaltag/Montage: Nils Fisch)

Marc Walder hat schon länger ein Faible für digitale Lösungen. Als der Ringier-CEO am 10. Januar 2010 in Zürich vor die versammelte Belegschaft von «Blick», blick.ch, «Sonntagsblick» und «Blick am Abend» trat, um den Abbau von 29 Vollzeitstellen bekannt zu geben, sagte er, dass diejenigen, die jetzt ein E-Mail von der HR-Abteilung bekommen hätten, sich bitte zeitnah dort einfinden sollen. Die anderen bat Walder, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren.

Über 40 Personen hatten ein E-Mail bekommen und verloren ihre Stelle.

Walders Begeisterung für alles Digitale ging bald über den Versand von E-Mails hinaus. Nach einem USA-Aufenthalt fand er definitiv: «Digital ist besser.» Mit einiger Verspätung, aber mit voller Kraft, ging er ans Werk, scharte einige Wirtschaftsgrössen um sich und verkündete im Jahr 2015 das Projekt «Digital Zurich 2025». Ziel: Silicon Valley, aber in Zürich.

Dunkelkammer «Digitalswitzerland»

Weil man in Zürich meist mindestens die ganze Schweiz meint, wenn man «Zurich» sagt, wurde aus dem Verband bald schon «Digitalswitzerland».

Sichtbar als Mitglieder dabei sind: 90 (!) Schweizer Firmen, Institutionen und staatliche Stellen. Die Palette reicht von ABB bis Zurich, von Basel-Stadt und Basellandschaft (via baselarea.swiss) bis Stadt und Kanton Zürich – und es sind sämtliche grossen Medienhäuser Seite an Seite dabei: Ringier, NZZ und die Öffentlich-Rechtlichen.*

Das sieht auf den ersten Blick transparent aus. Aber versucht man, Genaueres zu «Digitalswitzerland» herauszufinden, wird es rasch komplizierter.

Es gibt einerseits ein «Team», andererseits ein «Board» aus «Executive Comittee» und «Steering Comittee» (das Board wiederum ist mit Personen aus Wirtschaft, Forschung und Medien besetzt).

«Digitalswitzerland»: So einen Zusammenschluss hat die Schweiz noch nie erlebt.

«Digitalswitzerland» hat bereits Anfang September mitgeteilt, man sei auf breiter Front aktiv – etwa bei den Themen «Wissenstransfer, Bildung, Start-up-Ökosysteme und politische Rahmenbedingungen». All dies, weil man «die Schweiz zum international führenden digitalen Innovationsstandort gestalten will».

Doch was heisst das konkret? Und wie will man das erreichen? Was meint «Digitalswitzerland», wenn es laut Website (English only) «shape political conditions and regulatory frameworks», sprich, «die politischen Bedingungen und die regulatorischen Rahmenbedingungen formen» will? Und was bedeutet es, dass im «Board» fast ausschliesslich Grossfirmen, Wirtschaftsanwälte, der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und FDP-Politiker zu finden sind?

Dazu soll man nichts erfahren. Jedenfalls möglichst nichts Konkretes. Die TagesWoche hat am 13. Oktober bei «Digitalswitzerland» nachgefragt – mit sieben einfachen Fragen zur Mission. Und zusätzlich um ein vertiefendes Gespräch gebeten.

Die Antwort von «Digitalswitzerland» kommt mehr als zwei Wochen später – am 2. November. Fragen werden in der Antwort keine beantwortet. Ein Gespräch zum Thema könne man leider erst Ende November oder Anfang Dezember führen – nach dem Digitaltag also.

Digitaltag: Das Diktat der Wirtschaft über die Schweizer Politik

«Am 21. November 2017 laden wir Sie in der ganzen Schweiz ein zu erleben, was Digitalisierung für Sie und für unser Land bedeutet», heisst es am ersten Gross-Event von «Digitalswitzerland» – dem Digitaltag.

Der «Hub des Tages» ist, man ahnt es: in Zürich. «Die Bahnhöfe Genf, Lugano und Chur sind weitere Knotenpunkte», heisst es weiter. Auch in Basel gibt es ein paar kleinere Events.

Wir seien, so der PR-Text weiter, «alle Zeugen einer historischen Epoche», was nicht weiter verwundert, gilt das doch für alle Menschen aller Epochen. Viel eher verwundert, dass die Politik so bereitwillig die Arme ausbreitet für einen gigantischen Werbe-Event all der privatwirtschaftlichen «Partner»-Firmen:

«Der Aktionstag steht unter dem Patronat von Bundespräsidentin Doris Leuthard und Bundesrat Johann Schneider-Ammann sowie der ebenso aktiven Teilnahme von Bundesrat Alain Berset.»

Ein «Digitalzug» der SBB fährt von der Westschweiz über Bern–Zürich nach Osten. An Bord: Die CEOs der Konzerne – und ein paar Bundesräte. Journalisten auch. Vermutlich aber nur solche, die einen zurückhaltenden Bericht über das Digital-PR-Reisli abliefern. Der TagesWoche richtet man aus: «Leider ist der Digitalzug komplett besetzt.»

Folgen und Kosten für den Bürger?

Was die Involvierten wollen, findet man auf ihren eigenen Seiten nur verklausuliert. Deutlicher werden sie in Interviews oder in eigenen Texten. «Wir sollten in der Schweiz etwas mutiger und offener für Neues werden, zum Beispiel was die Nutzung von Daten angeht», sagt Bundesrätin Leuthard im PR-Interview der Blick-Gruppe für die Digitaltag-Beilage. Die Amerikaner seien da «viel zupackender».

Ein klarer Hinweis darauf, wo es hinsoll mit dem Schweizer Digitalzug: weniger Regulierung – sogar beim Datenschutz. Die Kontrolle über sensible Daten der Bürger und gar staatlicher Grundprozesse gibt die Schweizer Regierung dabei gerne an Private ab. Bisher, ohne das Volk zu befragen.

Die Economiesuisse schreibt es in ihrem aktuellen Grundsatzpapier «Zukunft digitale Schweiz: Wirtschaft und Gesellschaft weiter denken» am deutlichsten: Der Schweizer Staat, die Politik, die sollen sich nicht einmischen. Die Autoren des Papiers – alle bei «Digitalswitzerland» engagiert – formulieren das in aller Deutlichkeit. Die Digitalisierung stelle viele «Aufgaben des Staates grundsätzlich infrage», er solle sich auf die verbliebenen wenigen Aufgaben konzentrieren.

Und ja nicht regulieren – wichtig sei fortan eine «prinzipienbasierte Regulierung, welche von den Bürgern intuitiv verstanden wird». Wir haben verstanden: Der Bürger der Zukunft à la Economiesuisse spürt zwar noch intuitiv, wenn ihm ein Unrecht geschieht. Aber es gibt keinen Rechtsstaat mehr, der ihm in dieser Situation hilft, weil «Detailregulierungen» sind passé. Noch deutlicher:

«Statt neue Geschäftsmodelle zu regulieren, sollten die bestehenden Anbieter durch Deregulierung fit für den Wettbewerb gemacht werden.» (S. 82)

Die Schweizer Regierung macht derweilen fröhlich mit bei diesem Spiel. Beispiel E-Voting: Von führenden Kryptologen wie Bruce Schneier nach wie vor als schlechte Idee bezeichnet, treibt der Bundesrat das Projekt vorwärts. Eine der technischen Lösungen – für Abstimmungen! – kommt von der Post. Selbstredend macht die Post am Digitaltag mit.

Die Digitalisierung ist keine Naturgewalt. In Wirklichkeit kann eine Gesellschaft die Regeln der Digitalisierung selbst festlegen.

Beispiel elektronische ID: Ebenfalls ein Projekt, das der Bund vorantreibt. Ohne Not ist auch hier vorgesehen, dass Private die offiziellen staatlichen Schweizer Identitätsausweise herstellen. Es sollen «bereits existierende oder sich im Aufbau befindende Systeme, wie etwa die Projekte von Post und SBB sowie Banken und Swisscom, vom Bund anerkannt werden können». All diese Firmen sind beim Digitaltag an vorderster Front mit dabei.

Wer den Digitaltag finanziert und wie teuer das genau ist, das bleibt intransparent. Ein Event dieser Grössenordnung muss eine schöne Stange Geld kosten. Da auch Bund und viele Schweizer Kantone involviert sind, bedeutet das, dass Steuergelder fliessen. Wie viel genau, will man nicht sagen. «Der Digitaltag wird von ‹Digitalswitzerland› und den Partnerorganisationen finanziert», sagt Digitaltag-Sprecher Iso Rechsteiner. Details zu den Kosten gebe man nicht bekannt.

Wie viel auch immer: Man wird die Entwicklung der «Digitalisierung», wie sie von Bund und Grosskonzernen gedacht wird, genau beobachten müssen. Nicht nur an Propaganda-Anlässen, wo sie uns Normalsterblichen gnädigerweise vorführen, «was Digitalisierung für uns und für unser Land bedeutet».

Digitalisierung ja. Aber nicht von der Wirtschaft verordnet

In der Schweiz hat immer noch die Stimmbürgerin das letzte Wort. Zwar wird gerne behauptet, die Digitalisierung sei eine Art Naturgewalt. Nichts, kein Mensch, und (wehe!) keine politische oder gesellschaftliche Regel kann, soll, darf sich ihr in den Weg stellen.

In Wirklichkeit kann eine Gesellschaft die Regeln der Digitalisierung durchaus selbst festlegen. Die Digitalisierung ist voll und ganz gestaltbar. Auch wenn es der heutigen Schweizer Regierung komplett am nötigen Gestaltungswillen fehlt, auch wenn sie alles den Vorstellungen der Banken, Versicherern, Mega-Dienstleistern und der PR-Maschinerie überlässt: Demokratische Digitalisierung ist möglich.

Demokratische Digitalisierung ist angesichts solcher von oben verordneter Mega-Events wie dem Digitaltag sogar dringend nötig. Es braucht eine andere Debatte über die Digitalisierung. Eine, bei der nicht alle wichtigen Medien von vornherein als Partner wohlwollend im Boot sind.

Dann wäre auch eine echte Debatte möglich. Kein oberflächliches Blendwerk,  sondern eine aus und mit der Bevölkerung, von unten. Zum Beispiel über Fragen wie:

  • Wie können Politik und Gesellschaft sicherstellen, dass die Digitalisierung in der Schweiz der Bevölkerung nützt und nicht schadet? So, dass in der Schweiz «Freiheit und Rechte des Volkes» sowie «die gemeinsame Wohlfahrt, die nachhaltige Entwicklung, der innere Zusammenhalt und die kulturelle Vielfalt des Landes» gefördert werden und «für eine möglichst grosse Chancengleichheit unter den Bürgerinnen und Bürgern» gesorgt wird, wie es die Verfassung verlangt?
  • Warum soll man, nur weil irgendeine Firma irgendwo eine praktische App programmiert, den Arbeitnehmerschutz und den sozialen Frieden der Schweiz aufs Spiel setzen und andere Schweizer Firmen in den Ruin treiben? Wenn Economiesuisse explizit fordert, «bestehende Anbieter fit durch Deregulierung machen» zu wollen, heisst das nichts anderes. Wäre es nicht möglich, die praktische App so zu gestalten, dass sie nicht nur den Kunden, sondern auch der Bevölkerung nützt statt schadet? Und warum genau soll Digitalisierung nicht mit gutem Schutz und guten Sozialwerken vereinbar sein?
  • Warum sollen persönliche Daten in sensiblen Bereichen wie Gesundheit, Finanzen, persönliche Informationen, offizielle Identität, Abstimmungen etc. grundsätzlich automatisch digital erfasst und gespeichert werden? Und warum sollen Private die dazugehörige Technologie besitzen, warum sollen sie prinzipiell Zugang zu diesen Daten haben? Ein «Opt-out» soll zwar möglich sein. Aber mit Nachteilen. Und nur bezüglich der Verwendung, nicht der Erfassung der Daten. Müsste Datenfreigabe bei derart sensiblen Bereichen nicht zwingend «Opt-in» sein? Wer kontrolliert, ob eine private Firma nicht trotzdem auf meine Daten zugreift?
  • Warum scheint es, dass das ganze Drama um «Digitalisierung», das seinen öffentlichen einstweiligen Höhepunkt in der privat-staatlichen «Digitaltag»-Show hat, allein der Durchsetzung neoliberaler wirtschaftspolitischer Interessen dient? Braucht die Schweiz wirklich all die geforderten drastischen Schritte, steht sie derart abgehängt, arm und analog da, kurz vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch? Oder würden vielleicht mehr gezielte Investitionen in digitale (Weiter-)Bildung nicht reichen? Für alle Interessierten? Und sind das nicht die Gleichen, die immer gegen höhere Bildungsausgaben sind, die nun den Digitaltag organisieren?

* Korrigendum: In einer ersten Version des Artikels hiess es, auch Tamedia sei bei Digitalswitzerland dabei. Dies trifft nicht mehr zu: Tamedia ist unlängst ausgetreten, wie die «Luzerner Zeitung» berichtete.

Konversation

  1. Leider haben einige Poster des Pudels Kern nicht erkannt.
    Sicher, die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten, es ist eine Innovation, die durchaus vergleichbar mit der Erfindung des Rads ist und die die Menschheit komplett umkrempeln wird. Die Digitalisierung *kann* ein Segen sein. Das hängt aber davon ab, wie die Menschheit sie nutzt.

    Was aber im Artikel von Herrn Brönnimann sehr klar herausgearbeitet wird ist der gesellschaftliche Aspekt dieses Schweizer Digitaltags (einige Poster haben dies ebenfalls hervorgehoben): die Digitalisierung der Macht und des Kapitals. Ich bin der dezidierten Meinung, dass die Schweiz von wenigen Oligarchen und Grosskonzernen beherrscht wird, der Rest wie direkte Demokratie ist nur Staffage. Im Zweifelsfall gewinnt das Kapital. Das ganze gilt (noch offensichtlicher) auch für alle anderen Länder der „westlichen Wertegemeinschaft“.

    Was an diesem Digitaltag von den Predigern der Religionsgemeinschaft „freie Marktwirtschaft (R)(tm)“ auf geradezu grotesk dreiste Weise hinausposaunt wurde ist folgendes:
    – Daten sind eine Ware
    – Daten gehören uns Konzernen, nicht den Menschen, die damit erfasst worden sind (das erinnert mich an den Cartoon letzlich mit und über Glencore)
    – Waren und Kapital dürfen nicht reguliert werden

    Privatsphäre (von Intimsphäre ganz zu schweigen), das Recht, die Kontrolle über seine eigenen Daten zu behalten, stehen dem ungehemmten Kapital im Weg. Als weg damit. Selbstverständlich gilt das aber nur für den Pöbel, bohrt mal jemand bei einem Konzern (oder dem Resultat einer dieser ach so tollen Public-Private Partnerships) nach – eisernes Schweigen und Verweis auf den Schutz von (suchen Sie sich eins aus)-Geheimnissen.

    Wir laufen Gefahr, sehenden Auges in die nächste faschistische Katastrophe zu laufen. Wir haben 2008 gesehen, wie eine kleine kleptokratische „Elite“ die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds geführt hat. Die Antwort der Politik darauf war die Ausplünderung ganzer Länder zur Rettung eben dieser Kleptokraten.
    Wir haben erst kürzlich gesehen, wie dünn die Zivilisationsdecke auch in Europa ist, wenn Menschen Grundrechte wahrnehmen wollen. Die Antwort der Politik war, sie von paramilitärischen Horden niederknüppeln zu lassen (zum Glück nur begrenzt erfolgreich). Die nächste Stufe werden aber vermutlich weder Guardia Civil noch Armee sein, sondern Banken.

    Wenn erst mal Bargeld abgeschafft (der private Besitz von gesetzlichem Zahlungsmittel ist damit nicht mehr möglich), die Identifikation zwingend digital zu erfolgen hat und jede Kraut und Rübenfirma Zugriff auf Daten hat (oder sie sich nimmt), dann ist es ungeheuer viel leichter, potentiell aufmüpfige Menschen in die Knie zu zwingen.

    Übertrieben? Dann erinnern Sie sich bitte an Zypern und Griechenland.
    Die EZB (im Auftrag ihrer Herren) hat (aussergesetzlich, btw.) über Nacht Banken geschlossen und so die breite Bevölkerung vom Zugriff auf ihr Geld abgeschnitten. Die Hauptprofiteure dieses Bankraubes hatten dafür noch einige Tage Zeit, „ihren“ Besitz in Sicherheit zu bringen.

    Wie lange glauben Sie, dass Sie im Migros mit dem Verprechen einkaufen können, sie hätten ja auf der Bank Geld aber leider im Moment keinen Zugriff darauf? Eben.

    Die Digitalisierung, so wie sie sich die Veranstalter dieses Digitaltags vorstellen, ist eine Sackgasse. Zumindestens für 99%.

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    1. Ich bitte um Entschuldigung, irgendwie war mein Profilname abhanden gekommen. Der Kommentar war von mir und es war keinesfalls beabsichtigt, diesen anonym zu posten.

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  2. Die sogenannte Digitalisierung läuft schon seit Jahrzehnten, was jetzt gestartet hat und exponentiell schnell vor sich geht ist die Digitale Transformation und die wird unsere Gesellschaft markant verändern. Denn nun werden die digitalen Technologien eingesetzt und uns die Alternativen nach und nach entzogen. In wenigen Jahren wird es keinen Bankomaten mehr geben, bezahlen mit Bargeld wird enorm umständlich und teuer werden. Auch die Medienlandschaft verändert sich grad extrem, es wird kaum mehr abonniert, die Verkäufe gehen weiter zurück und die Werbeeinnahmen brechen ein. Einige der aktuell erfolgreichsten Firmen sind bereits rein digitale unternehmen, die nur eine digitale Plattform zur Verfügung stellen, wenig Angestellte haben und trotzdem viel Gewinn generieren – UBER, Air B’n’B, Amazon u.v.m. das sind wohl die Geschäftsmodelle der Zukunft. Auch den klassischen laden wo man hingeht und einkauft wird es immer weniger geben, genauso wie Fernsehen für die Masse (SRG/No Billig). Wir befinden uns aktuell in einem ganz grossen Umbruch und jeder von uns ist gefordert den Anschluss nicht zu verlieren. Denn sich den digitalen Trends zu verschliessen heisst sich ins Out zu manövrieren.
    Unsere Kinder wachsen bereits halb digital auf, bei der kommenden Generation wird das noch viel ausgeprägter sein. Welcher angehender Teenie glaubt Einemd ein wenn man erzählt dass man früher aus einer Telefonkabine heraus telefoniert hat und dafür Geld einwerfen musste ? Ein Telefon mit Wählscheibe könnte er schon gar nicht mehr bedienen.
    Die Digitale Transformation bietet viele Chancen, es bestehen aber auch viele Stolpersteine.

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  3. Leider habt ihr rundum recht. Weil ich als Rentner Zeit habe, und mich das Thema interessiert,bin ich heute vom Thurgau extra in den HB Zürich gefahren. Fazit: nichts neues! Das Fernsehen mit grosser Bühne, ABB mit ihrem Roboterli, die Swiss und noch zwei Stände, nach 10 Minuten und keinen neuen Infos gehe ich ins Bistro. Wer ist auch da? Bundesrat Schneider-Ammann. Gibt gerade ein Interview. Auch hier nichts neues. „Wir müssen uns lebenslang weiterbilden“, meint er vor genau 12 Zuhörer, davon 4 Bodygards. Er tat mir leid. Das war mein SwissDigitalDay.

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  4. Im TagesWoche-Artikel werden die relevanten Fragen gestellt und die drohende Symbiose von Digitalisierung und Deregulierung sollte zu einer breiten Debatte führen. Denn hier werden ökonomische Argumente und Machtansprüche elementaren politischen und demokratischen Anliegen entgegengestellt.

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  5. Das beginnt im Kleinen. Mein Sohn wurde letztens „Ausgehoben“ und bekam die Tage schonmal vorab militärische Namensschilder zugeschickt – im Auftrag des VBS, aber hergestellt und versandt von einer privatwirtschaftlichen Firma, die jetzt im Besitz von wertvollen Daten ist: Nämlich der Adresse von einem offensichtlich militärfähigen jungen Mann. Bin gespannt, wann gezielt adressierte Werbung eintrifft…

    Ich habe ja nichts dagegen, dass da eine Firma diese Sachen herstellt, irgendwer muss das ja schliesslich tun. Aber die auch gleich noch mit den Daten des unfreiwilligen „Kunden“ zu bestücken geht für mich ein Stückchen zu weit.

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  6. Nichts in der Biosphäre Erde (aus der wir leben) kann «digitalisiert» werden.

    Insofern ähnelt diese Diskussion der Diskussion von Klosterschülern, die zwar «Gott» nicht kennen, aber unendlich viel über ihn reden.

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  7. Ich finde es gut, dass es ein Medium (TW) gibt, das nicht mit den finanzorientierten Organisatoren im gleichen Bett liegt. Wieviele undurchsichtige Konstrukte und Geflechte gibt es doch in der Schweiz und auf der Welt: Industrien, Schwarzgelder, Finanzkonstrukte, Wissenschaften, die alles verschleiern, was eine gerechtere Welt brauchen könnte. Die Digitalisierung ist für mich völlig ok, wenn reguliert ist, was Verschleierung verhindert und wenn niemand gezwungen wird, sich der Digitalisierung zu unterwerfen. Es darf kein Zwang entstehen, digital leben zu müssen und es dürfen für „Nichtdigitalier“ auch keine Nachteile entstehen

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  8. Wie war das damals mit der Ablösung der Dampflock durch die Elektrischen Bahn? Viel Skepsis und noch mehr Geschrei! Und heute…

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  9. Eine Zeitung, die sich als Speerspitze der digitalisierten Medien sieht (online-first etc. waren doch Mal markige Ansagen hier) und ein derart kulturpessimistischer und fortschrittsfeindlicher Artikel passen irgendwie nicht zusammen. Mag sein, dass Digitalswitzerland nicht die durchsichtigste Organisation ist. Dass jegliche Digitalisierung von Daten und Dienstleistungen nur eine Gefahr für die Bürger darstellt und keineswegs eine Chance auf einen effizienten und dienstleistungsorientierten Staat ist doch recht konservativer Quark. Ich wäre froh, wenn ich nicht auf jedem Formular der Verwaltung eine ganze Reihe persönliche Angaben (möglichst auf Papier) machen müsste, die Verwaltung hat diese Angaben schon längst und mit der nötigen Vernetzung könnte viel Aufwand sowohl für die Bürgerin wie auch für die Verwaltung gespart werden. Die nötige Vorsicht mit dem Datenschutz muss im Auge behalten werden, nur deswegen weiterhin auf Papier setzen zu wollen ist illusorisch. Die Digitalisierung ist keine Naturgewalt aber ein technologischer Fortschritt, der schon heute alle Lebensbereiche durchdringt und es zunehmend tun wird. Wenn irgendeine Firma irgendwo eine praktische App programmiert und eine Schweizer Firma dann zugrunde geht ist das Marktwirtschaft, war damals mit den Pferdekutschen ebenso. Der Autor dieses Artikels erinnert an die Gewerkschafter, die in Elektroloks immer noch Kohleschaufler mitfahren lassen wollten

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    1. Lieber Herr Meyer

      Es ist immer lustig, wenn man als Luddite bezeichnet wird (quasi Gegner der Elektrolok), wenn man einen Überblick und damit eine gewisse Kontrolle darüber behalten möchte, was geschieht – und vor allem: Wer was tut, und mit welchen Absichten und Folgen. Um mehr geht es nicht, das sage ich als Digital-Aficionado, der damals(tm) schon im Telnet unterwegs war.

      Der Artikel ist nicht fortschrittsfeindlich. Er fordert bloss echten, mehrheits- und rechtsstaatlich kompatiblen Fortschritt, und nicht blinde Techno-Euphorie. Und er stellt dazu ein paar Fragen. Die können Sie deplatziert finden. Oder kulturpessimistisch. Sie sind nicht so gemeint.

      Mir kann niemand schlüssig erklären, warum die zukünftige e-Identität von Schweizer Bürgern von einer privaten Firma, die mehrheitlich Banken und Versicherungen und der Post gehört, hergestellt und damit kontrolliert wird. Schon nur das kann’s einfach nicht sein, meiner bescheidenen Meinung nach. Und ich bin ziemlich sicher, dass das letzte Wort dazu noch nicht gesprochen ist.

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    2. Telnet? Telnet ist die Bezeichnung eines Protokolls resp. die Bezeichnung für Telnet-Server und Client. Sie meinten wohl „Usenet“?

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  10. Mir scheint auch, die Digitalisierung werde vollkommen unkritisch forciert und die Angst vieler Politiker (die vermutlich ein eher rudimentäres Wissen besitzen), irgendwie „abgehängt“ zu werden und in der analogen Ödnis verloren zu gehen, ist augenfällig.
    Da ist es einfach für die neoliberalen Wirtschaftskreise, die entsprechenden Fachleute aufzubieten, die genau diese Ängste noch weiter schüren und wichtige, kritische Fragen wie hier im Artikel, übertönen oder als Bremsklotz für die Fahrt in die einzig mögliche erfolgreiche Zukunft abtun.
    Wie wäre es, analog zum Digitalisierungstag mal einen Humanisierungstag durchzuführen?
    Aber da wären die Wirtschaftsleute wohl weniger interessiert….

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  11. Diese E-Wirklichkeit ist für viele junge Leute halt nur ein billiger Ersatz für den Verlust von wesentlichen Anteilen der Realwirklichkeit: Zuwenig Grünflächen, Verlust der Natur, Verlust von Plätzen zum Spielen, Spielplätzen, Abenteuer-Orten, Verlust von Orten, wo man sich auch ohne irgend so einen Drogendealer mal einfach treffen kann zum reden, wo man einfach zusammen sein kann, ohne dass es gerade in irgendeiner Form aggressiv und gefährlich wird, wo man noch reden kann, ohne dass irgendwelcher Strassenlärm die leisen Töne übertönt, wo man noch Bienen summen ören kann, statt nur Motorenknattern…

    Diese Digitalwelt ist ein schnödes Surrogat einer verloren gegangenen Realität. Das ist das wirklich Tragische daran.

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  12. TCP/IP Deine Verbindung sei geheiligt, Dein I-Phone für immer „Das Zeichen“ – auf dass die Energie weiterhin nur in Plus oder Minus eingeteilt werden kann – denn wir sind nur dumme Tiere die kein „Vielleicht“ kennen! 🙂

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    1. …warum nur hat man so viel Angst von ein paar Nullen und Einsern…? Traut man den eigenen Fähigkeiten nicht mehr..?

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