Alexander Palacios – Ein Dorfjunge auf der Überholspur

Als Fotograf hat Alexander Palacios bereits einige Topmodels abgelichtet. Trotz des steilen Aufstiegs ist er dabei seinen Prinzipien treu geblieben: Er lehnt Aufträge lieber ab, als sich verbiegen zu müssen. Zum Glück sind die Shootings ohnehin weniger geworden, Palacios hat jetzt mehr Zeit und Geld für seine Kunst. Ein Porträt.

Erfolg hin oder her: Alexander Palacios bleibt fokussiert.

(Bild: Nils Fisch)

Als Fotograf hat Alexander Palacios bereits einige Topmodels abgelichtet. Trotz des steilen Aufstiegs ist er dabei seinen Prinzipien treu geblieben: Er lehnt Aufträge lieber ab, als sich verbiegen zu müssen. Zum Glück sind die Shootings ohnehin weniger geworden, Palacios hat jetzt mehr Zeit und Geld für seine Kunst. Ein Porträt.

Wenn am Dienstagabend im Ackermannshof die Photo Basel eingeläutet wird, dreht sich vieles auch um ihn: Alexander Palacios, Fotograf. Er wird dastehen, vor der Box A9 seiner Galerie, vielleicht ein Glas Sekt in der Hand, obwohl er nur wenig Alkohol trinkt. Er wird gut aussehen mit seinem Schmuck, den braunen Augen, dem dichten Bart. Und auch die Menschen um ihn herum werden gut aussehen.

Es wird eine Vorschau unter vielen sein, die im Rahmen der Art Basel über die Bühne gehen. Die Anwesenden werden geladene Gäste sein, Galeristen, Freunde, Agenten, ein lukratives Publikum für einen aufstrebenden Künstler wie Palacios. Manchmal reicht eine entscheidende Begegnung, um der Karriere den letzten Kick zu verleihen. Palacios weiss das, und er wird achtsam sein.

Als Kind ein Einzelgänger

Palacios am Tag zuvor. Auch heute sieht er gut aus mit seinem Schmuck, dem offenen Blick, dem dichten Bart. Seine rechte Hand hält den Cappuccino, mit der andern spielt er an seinen Barthaaren herum. «Eigentlich bin ich ein Dorfjunge», sagt er, und erzählt von seiner Kindheit in Gelnhausen in der Nähe von Frankfurt.

Schon damals sei er in mancher Hinsicht «anders» gewesen, sehr aktiv und trotzdem ein Einzelgänger. «Ich habe nie versucht, mich zu verbiegen, nur um dazuzugehören», sagt er. Wenn andere rauchten oder mit Drogen experimentierten, hielt er sich zurück. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Sport- und Fitnesskaufmann.

Vom Fitnesskaufmann zum Top-Fotografen

Vom Dorfjungen Alexander ist zumindest äusserlich nicht mehr viel übrig geblieben. Der 33-Jährige lebt und arbeitet heute als Fotograf in Basel, auch wenn sich letztere Ortsangabe kaum mehr halten lässt angesichts seines beruflichen Aktionsradius. Für seine Bilder bereist Palacios die ganze Welt, und das aus doppeltem Grund: Zum einen sind es die Motive, die ihn an exotische Stätten locken. Zum andern ist es sein innerer Drang, immer in Bewegung zu bleiben.

Wenn ihm einmal keine Ideen kommen, wenn seine Gedanken blockiert sind, dann greift er auf die Eindrücke zurück, die ihm von seinen Reisen geblieben sind. Wie ein Eichhörnchen die Nüsse für den Winter, so sammelt und speichert er Erlebnisse, Bilder, Szenen, um sie in «harten Zeiten» wieder abrufen zu können.

So richtig gehören die harten Zeiten aber ohnehin nicht in den Erfahrungsschatz des Alexander Palacios, denn seit er sich vor zehn Jahren selbstständig gemacht hat, kennt seine Karriere nur eine Richtung: die nach oben. Mit bescheidenen Mitteln machte er damals seine ersten fotografischen Gehversuche, besuchte Sommerkurse an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel. Auf Youtube kann man ihn heute dabei beobachten, wie er mit einem hochtechnisierten Equipment Topmodels ablichtet.

Solche Shootings bezeichnet Palacios zwar als wertvolle Erfahrungen, doch sie sind im Grunde vor allem Mittel zum Zweck. Wie den meisten Fotografen bringen solche Auftragsarbeiten auch Palacios die finanziellen Mittel, mit denen er seine Kunst finanziert.

Geld und Geltungsansprüche der Kunden

Manchmal stösst Palacios bei diesen Shootings an Grenzen. Wenn viel Geld im Spiel ist und zu viele Designer, Agenten, Manager und Models beteiligt sind, droht sein künstlerisches Ethos von den kommerziellen Ansprüchen begraben zu werden. Palacios ist dann manchmal nochmal der Dorfjunge von früher: lieber ein Shooting absagen, anstatt sich verbiegen zu müssen.

Trotz des steilen Aufstiegs wäre es verfehlt, Palacios als Glamour-Boy zu bezeichnen. Er macht sich über die Schattenseiten seines Berufs keine Illusionen und weiss, dass Namen in der Kunstszene manchmal mehr zählen als die Kunst selber. Die Arbeit am Netzwerk verlangt darum viel Energie, man muss reden können, sich präsentieren und vermarkten.

«Am Ende des Tages will ich mich einfach zurückziehen und alleine sein.»

Natürlich spielt Palacios nach den Regeln des Geschäfts. Er betreibt eine professionelle Website und ist auf mehreren sozialen Netzwerken präsent. «Aber am Ende des Tages geniesse ich es, wenn ich mich zurückziehen kann», sagt er, «dann tut es mir richtig gut, alleine zu sein und niemanden an mich heranzulassen.» Seine kreativen Arbeiten erledigt Palacios am liebsten nachts und zu lauter Musik, er kann sich in dieser Umgebung am besten konzentrieren.

Bevor sich Palacios aber seiner nächsten Produktionsphase widmet, freut er sich auf den Auftritt an der Photo Basel. Er wird dort in wechselndem Turnus 15 seiner Bilder zeigen, darunter das Porträt, für das er 2010 mit dem ersten Preis des Hasselbad Junior Contest ausgezeichnet wurde. Ein ausdrucksstarkes Bild, wie es typisch ist für Palacios. Eine selbstbewusste, offene Haltung und strahlende Augen.

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Die Photo Basel findet statt vom 17. bis 20. Juni 2015, Pre-Opening: 16. Juni. Adresse: St. Johanns-Vorstadt 19–21

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