Freiwilligendienst in Basel: So erleben Karoline und Olamide die Schweiz

Junge Menschen aus der ganzen Welt kommen als Volunteers in die Schweiz. Karoline und Olamide sind zwei von ihnen. Sie finden Basel «hyggelig» – aber auch viel zu ruhig.

Als Volunteers in einem Austauschjahr in der Region Basel: Karoline und Olamide. (Bild: Eleni Kougionis)

Mit den drei Schweizer Begrüssungsküsschen kommt Karoline nicht klar. Sie lacht: «Wir machen das nicht. Da kommt man sich ein bisschen zu nah.» In Dänemark umarme man seine Freunde, allen anderen gebe man einfach die Hand.

Seit vergangenem April arbeitet die 20-jährige Dänin im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes im Jugendland Allschwil. Dort ist sie zuständig für das offene Gratis-Freizeitangebot für Kinder und Teenies. «Wir basteln Schwerter, filzen, baden im Plastikpool und essen zusammen Zvieri.»

Karoline erzählt lebhaft und in fast perfektem Deutsch von den vergangenen drei Monaten in der Schweiz. Dass sie die Alpen unglaublich faszinierend findet, weil in Dänemark die kleinsten Hügel schon als Berge gelten. Oder dass es in ihrer Heimat nie heisses Mittagessen gebe, sondern Schwarzbrot mit Aufstrich. Und dass sie sich wie neunzig fühle, wenn sie in der Schweiz gesiezt wird. «Wir duzen alle ausser die Königin.»

«Zu Hause duzen wir alle ausser die Königin»: Karoline aus Børkop.

Ihr Akzent erinnert mit seinen weichen T und langgezogenen E ein bisschen an das Niederdeutsche. Kein Wunder: Børkop, ihr Heimatort in Jütland, liegt nur knapp 120 Kilometer von Schleswig-Holstein entfernt. Deutsch hat Karoline wie alle Däninnen und Dänen schon in der Schule gelernt. Nun versteht sie sogar Schweizerdeutsch.

Ruhig, leer und kalt

Als Olamide zu uns stösst, wechseln wir auf Englisch. Auch er arbeitet ehrenamtlich in der Region, im Basler Kurszentrum K5, das Deutsch- und Integrationskurse anbietet. Dort hilft Olamide im Kinderhort aus, wo der Nachwuchs der Kursteilnehmer die Spielgruppe besucht. Eines der Kinder sei aus Tibet, erzählt er: «Das war so faszinierend für mich. Ich habe schon vom Land gehört, aber noch nie einen Menschen von dort getroffen.»

Zwischen Basel und Lagos, seiner Heimatstadt in Nigeria, liegen Welten. «Ich lache fast immer. Aber ich habe gemerkt, dass die Leute hier extrem kalt sein können», sagt er.

Schweizer Freunde hat der 27-Jährige ausserhalb seiner Allschwiler Gastfamilie in seinem ganzen Freiwilligenjahr keine gefunden. Die Leute, die er in Basel kennengelernt hat, kommen aus dem Irak, dem Iran, der Türkei und aus Sri Lanka und absolvieren wie er einen Freiwilligendienst in der Schweiz.

«Ich forciere nicht gerne Freundschaften. Die Offenheit meiner Landsleute fehlt mir hier», sagt Olamide. Und die Ruhe und Leere auf den Schweizer Strassen sei schwer auszuhalten. Den «Vibe und Spirit» einer Stadt, laute Musik und Menschengruppen auf der Strasse gebe es hier nicht. «Das ist ein Teil der Erfahrung, die ich mitnehme.»

«Ich freue mich darauf, was die Zukunft bringt», sagt Olamide. Im August kehrt er vorerst mal nach Lagos zurück.

Jetzt, nach seinem letzten Arbeitstag, will Olamide weiterziehen. Zuerst mal nach Amsterdam. Und im August dann zurück nach Nigeria. «Heute ist es so einfach, die ganze Welt zu bereisen», sagt er. «Du sagst gute Nacht im einen und guten Morgen in einem anderen Land. Wir sollten alle viel offener sein und voneinander lernen.»

Neue Bleibe gesucht

Die Non-Profit-Organisation ICYE (International Cultural Youth Exchange) betreut nebst Olamide und Karoline etwa 30 Personen aus der ganzen Welt bei ihrem Sozialeinsatz in der Schweiz. Alle von ihnen leben in Gastfamilien und arbeiten wie die Dänin und der Nigerianer in sozialen Institutionen.

Ähnliche Erfahrungen verbinden: Karoline und Olamide verstehen sich auf Anhieb sehr gut.

Das Ziel des Austauschs: eine bessere Verständigung zwischen den Kulturen. Seit Karoline in der Schweiz ist, versteht sie vor allem ihre eigene Kultur besser. «Ich merke viel mehr, was an mir typisch dänisch ist.» Die Schweizer findet sie sehr «hyggelig» – gemütlich und angenehm.

Während Olamide sich bald von Basel verabschiedet, blickt Karoline nach drei Monaten in der Region auf eine regelrechte Odyssee zurück: Begonnen hat sie ihren Freiwilligeneinsatz eigentlich in Deutschland, dort ging die Austauschorganisation dann aber pleite und sie musste nach Dänemark zurück. Der ICYE organisierte für sie auf die Schnelle eine Gastfamilie in Hölstein im Baselbiet.

Ab Mitte August braucht die Dänin, die später Psychomotorik studieren will, aber eine neue Unterkunft. Ihre Gasteltern sagten bereits vor ihrer Ankunft einem anderen Gast zu. Offene Familien, Alleinstehende, Paare oder WGs sind gefragt, die Karoline Kost und Logis und eine tolle Erfahrung in der Schweiz bieten können. Wer sich angesprochen fühlt, kann sich hier melden.

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