Pyro: Grenzen sprengende Wortgewalt

Der Basler Rapper Pyro passt in keine Schublade. Engagiert und witzig rappt er vor Fussballfans und Hausbesetzern – und manchmal sogar in Südafrika.

Grosses Maul und grosse Geste, aber kein Bad Boy: Rapper Pyro. (Bild: Hans-Joerg Walter)

Der Basler Rapper Pyro passt in keine Schublade. Engagiert und witzig rappt er vor Fussballfans und Hausbesetzern – und manchmal sogar in Südafrika.

Irgendwie mag Daniel Kern, besser bekannt als der Basler Rapper Pyro, so gar kein Klischee erfüllen. Vielleicht mal abgesehen vom Baseball-Tschäppet. Statt grimmig in die Kamera zu stieren und mit dem Finger auf fremde Leute zu zeigen, bittet er sich beim TagesWoche-Fotoshooting aus, nicht von oben herab fotografiert zu werden. «Das wirkt immer irgendwie überheblich und aufgeblasen. Ich komme lieber natürlich rüber.» Und das tut er auch im Gespräch. 

Mit seinen mittlerweile auch schon 32 Jahren sollte der Hip-Hopper den adoleszenten Prahlereien ohnehin entwachsen sein. Aber das Bad-Boy-Image hat er schon 1998, als er anfing öffentlich zu rappen, nie gesucht. «Es ging mir schon immer darum, gute Geschichten zu erzählen.» Am Anfang wurde das in der Szene nicht nur positiv aufgenommen. «Ich war denen zu wenig rough. Aber im Verlauf der Jahre hab ich immer besseres Feedback bekommen und auch einige Tracks mit Black Tiger aufgenommen.»

Verbinden statt trennen

Vor Black Tiger, der grauen Eminenz des Basler Mundartrap, hat Pyro grossen Respekt. «Er schafft es immer wieder, die unterschiedlichen Leute aus der Szene zusammenzubringen. Er ist eine echte Integrationsfigur.» Und auch Pyro sucht im Hip-Hop das Verbindende und nicht das Trennende.

Video «Capetown Connection» (feat. Black Tiger & Crosby):

Während sich ein grosser Teil der Rapper heute darauf beschränkt, Kollegen zu beschimpfen und mit der Grösse ihrer Autos, Uhren und Geschlechtsorgane zu prahlen, will Pyro Inhalte vermitteln. Und da kennt er keine Berührungsängste.

Als sich die Hip-Hop-Szene und die jungen Linken noch, gelinde gesagt, skeptisch gegenüberstanden, nahm Pyro schon Tracks im gleichen Studio auf wie Punkbands. Und an die Auftritte in besetzten Häusern wie der Elsässerstrasse erinnert er sich gern zurück. «Ich hab mich dort bei den Acts richtig frei gefühlt. Man wurde sehr herzlich aufgenommen, und irgendwie konnte dort jeder machen, was er wollte. Das war ein kunterbunter Haufen. Es gab keinen Kleider- oder Verhaltenskodex wie in der Hip-Hop-Szene.» Ohnehin findet Pyro, dass Punk und Hip-Hop sehr viel gemeinsam haben. «Es geht doch darum zu machen, statt zu konsumieren. Sein Ding durchzuziehen.»

Rot-blau aber kein FCB-Rapper

Pyro führt gern zusammen, was nach allgemeinem Dafürhalten nicht zusammengehört. «Ich bin schon auf dem Schiff mit der Hardcore-Metal-Band Speck aufgetreten. Oder in der Museumsnacht mit Xinghua Zhu, einem Tänzer der Pekingoper. Je unmöglicher eine Verbindung scheint, umso interessanter wird es für mich.»

Mittlerweile kann Pyro auf ein stattliches Gesamtwerk zurückblicken. Er hat auf 50 Samplern und Kollaborationen mitgewirkt, so auch am legendären 84-Minuten-Track «1City1Song». Mit den Crews VinylBros und Rappartement kooperiert. Zwei Solo-Longplayer sind auf dem Markt und ein dritter ist in Arbeit. In den letzten zehn Jahren hat er über 1000 Shows geliefert.

Video «1 City 1 Song»:

Wie es sich für einen Basler Rapper gehört, ist auch Pyro ein begeisterter FCB-Fan. Doch auf seinem aktuellen Album gibt es keinen Fussball-Song mehr. Den Track «Rot Blau» vom Album «Hoffnigsfungge» nahmen die Medien schon zum Anlass, ihn als FCB-Rapper zu etikettieren. «Das bin ich nicht und will ich auch nicht sein. Dieses Lied war für mich ein Dankeschön an alle, die neben dem Spielfeld für kreative Choreos sorgten. Ausserdem ist der Hymne-Job schon an die Crew Triple Nine vergeben.»

Von Routine ist bei Pyro nichts zu merken. Dank seiner Experimentierfreudigkeit hat er sich die Begeisterung an der Sache bis heute erhalten. Besonders inspiriert hat ihn Südafrika. Ein Besuch bei seinem Freund, dem südafrikanischen Rapper Crosby Bolani, und ein Auftritt im Rahmen der «Breathe Sunshine Unity Jam» in Kapstadt, haben seine Begeisterung neu angefacht. «In den Townships hat der Hip-Hop einen wahnsinnigen Stellenwert. Da unten machen die Leute mit dem Sound wirklich Politik. Da ist mir klar geworden: Mit Musik kann man etwas ändern.»

Am Donnerstag, 21. August, 19.30 Uhr, gibt es im kaschemme Club Basel einen Infoabend über Pyros Südafrika-Trip mit Kurzfilm und Showcase von Crosby (ZA) inklusive Gastauftritt von Pyro und Black Tiger.  

Video «Radio» vom 2012er-Album «Schatteboxe»:

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