3333 Unterschriften für eine lebendige Kleinbasler Altstadt

Es ist ein Plädoyer des Ausgangsvolks «für eine belebte Altstadt Kleinbasel»: 3333 Unterschriften hat das Komitee Kulturstadt jetzt an einem einzigen, wenn auch veranstaltungsreichen Wochenende für ihr Anliegen gesammelt.

Mit einer Schnapszahl und Bier für eine lebendige Kleinbasler Altstadt: Das Petitionskomitee mit Karl Linder, Christian Moesch, Angelo Gallina, Lisa Mathys (4. von links), Claudio Miozzari (3. von rechts), Sebastian Kölliker und Elias Schäfer mit Staatsschreiberin Barbara Schüpbach-Guggenbühl und Petitionskimmissionspräsidentin Brigitta Gerber in ihrer Mitte.

(Bild: Dominique Spirgi)

Es ist ein Plädoyer des Ausgangsvolks «für eine belebte Altstadt Kleinbasel»: 3333 Unterschriften hat das Komitee Kulturstadt jetzt an einem einzigen, wenn auch veranstaltungsreichen Wochenende für ihr Anliegen gesammelt.

Die Anwohnerinnen und Anwohner, die sich um ihre Nachtruhe sorgen, haben ihre Petition bereits im vergangenen Oktober eingereicht. Sie wehren sich gegen eine Ausweitung der Boulevard-Öffnungszeiten in der Rheingasse und sind mit ihrem Ansinnen bei der Petitionskommission bereits auf Gehör gestossen. Jetzt folgte die andere Seite: 3333 Unterschriften hat das Komitee für ihre Gegen-Petition gesammelt, die den Titel «für eine belebte Altstadt Kleinbasel» trägt. 

Als Besonderheit ihrer Petition heben die Verantwortlichen die Tatsache hervor, dass sie die Unterschriften innerhalb einem einzigen verlängerten Wochenende gesammelt haben. Claudia Miozzari sprach vom neuen Instrument einer «Blitzpetition»: «Wir haben die Aktion am Mittwoch angekündigt und von Donnerstag bis Samstag Unterschriften gesammelt», sagte er anlässlich der Übergabe der Unterschriftenbögen an Staatsschreiberin Barbara Schüpbach-Guggenbühl und Petitionskommissionspräsidentin Brigitta Gerber.

Es handelte sich allerdings um ein ausgesprochen belebtes Wochenende: Am Rhein erlebte das Floss-Festival seinen Abschluss, auf dem Kasernenareal lockte das Open Air Basel viel Ausgangsvolk an, die Rheingasse war an diesem schönen Wochenende eh voll und in der Ochsengasse wurde ein eher guggenmusikseliges Strassen- beziehungsweise Gassenfest gefeiert.

Das Bedürfnis nach Begegnungsorten

Das besagte Wochenende ist für das Komitee Kulturstadt jetzt aber gerade Beweis dafür, dass es notwendig ist, sich gegen eine Belebungs-Bremse zu wehren. «Die konzentrierte Sammelaktion setzt ein Ausrufezeichen hinter das Bedürfnis nach Begegnung im öffentlichen Raum und das Potezial der Altstadt Kleinbasel», schreiben die Petenten in einer Medienmitteilung. Das Sommerwochenende soll keine Ausnahme, sondern Vorbild sein für die Belebung der Kleinbasler Gassen in Rheinnähe, die nach der Verkehrsberuhigung zum Teil «sonderbar funktionslos» geworden seien.

Konkret enthält die Petition die Forderung, die Boulevardgastronomie in der gesamten Kleinbasler Altstadt zwischen Kaserne und Waisenhaus zuzulassen. Zahlreiche Einsprachen von Anwohnern verhinderten zum Beispiel, dass das Restaurant Fischerstube beim Arbeitsamt eine mobile Aussenstation installieren konnte. Und als weitere Forderung enthält sie eine Verlängerung und Vereinheitlichung der Betriebszeiten.

Konversation

  1. Man möchte der Rheingasse wünschen, dass sie komplett mit Spiegeln ausgekleidet wird.

    Aber das würde natürlich nicht viel nützen: Sie können sich selbst ja gar nicht sehen.

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    1. Ich möchte feststellen, dass ich nicht grundsätzlich gegen ALLES bin. Aber alles mit Augenmass bitte und unter Beachtung des sozialen Interaktionsverhaltens! Auch ist interessant, wie viele, die die Rheingasse nur „nutzen“ (wollen), immer genau wissen, was die Bewohner zu tun und zu denken haben, sie selber sind aber nicht Teil der Bewohner, sie kommen nur her…
      Ich bin sicher, dass in ein paar Jahren wieder eine andere Meile, die grad „aktualisiert“ wird, die selben Probleme stellt, die wir schon andernorts und mit Zwischen-Nutzungen hatten.

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  2. Also die Rheingasse ist überhaupt kein „toter“ Ort! Sie war eine belebte Durchgangsstrasse ins Kleinbasel und ist es auch heute noch! Denn fast keineR hält
    sich an die neue Verkehrsordnung. Ist doch geil, einen gemütlichen Boulevard an einer belebten Durchgangsstrasse zu haben! 😉

    Es gibt keine Probleme mit Begegnungsorten in Basel. Die Leute, die aus allen Teilen in und um die Stadt kommen, suchen die Aufregungen unter freiem Himmel, also ausserhalb der herkömmlichen „räumlichen“ Gastronomie.
    Dabei haben sie zum Teil auch die Freiheit, ihre Konsumation bei den billigsten Verkaufsstellen zu holen und sich „draussen“ einfach dazuzusetzen. Das nenne ich „Halskragen“-Konsumation. Die Wirte haben davon nichts.

    Zudem möchte ich alle die begeisterten Leute mal erleben, wenn sie den Job in ihrer Arbeitszeit machen müssten, den sie so gerne in ihrer Freizeit in Anspruch nehmen!
    Es fällt auf, dass wie beim Einkaufen ennet der Grenze gedacht wird.

    Selbstverständlich ist die Stadtreinigung dazu da, all den Konsum-Abfall nachher „gratis“ zu entsorgen.
    Es ist bedenklich, wenn Linke sich dazu hergeben, die Ökonomisierung des öffentlichen Allmend-Raumes voranzutreiben. Ahem…

    Es ist ein bedenkenswerter Unterschied, wenn eine Szene aus dem eigenen (Quartier) heraus wächst, hin zur Methode, in der Stadt immer wieder neue „Meilen“ zu proklamieren, die dann (profitabel) ähm attraktiv und unterhaltenswert werden sollen. Sogar bis zu den Touristen.

    Zuletzt erstaunt es mich immer wieder, wie die xyz-Liberalen GLAUBEN, man müsse nur alle Regeln aussetzen, es würde sich dann schon irgendwie spontan alles von selbst regeln. Wo wird denn das alles gelernt? Ahem. Wozu sind denn Regeln da? Damit nicht immer nur ein paar wenige „Gescheite“ abräumen können…

    Wir können täglich lesen, was es heisst, überall zu liberalisieren und „frei zu geben“. Die Gesetze der Ökonomie sind nicht die Gesetze des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Diese wachsen langsam und in einem Lernprozess, an dem sich
    möglichst viele beteiligen sollten.
    Ich habe viele Jahre zu allen möglichen Morgen- und Abendzeiten im St. Johann den Baselstab und Werbung ausgetragen und dabei vieles gesehen – nicht nur die Rheingasse.

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    1. Peter, Mann wird älter, gell, ist nicht polemisch gemeint. Ja, es braucht Regeln, das ist auch das Ziel der Petition. Angleichung der Öffnungszeiten. Oder findest Du es logisch wenn in derselben Strassenkreuzung unterschiedliche Zeiten gelten für die Aufenthaltsdauer draussen? Das ist in der Rheingasse aber so.
      Selbstverständlich braucht es den Diskurs, auch unter Mitwirkung der Bewohner, wie eine Strasse belebt werden soll. Aber die Menschen dieser Stadt haben auch die Freiheit sich anderswo zu bewegen, und die Altstadt ist nun mal ein Zentrum, gewerblich wie auch gastronomisch, und das nicht erst seit heute, das war vor 500 Jahren auch nicht anders. Was mich erstaunt, ist die Tatsache, dass Kritiker die Vergangenheit der Rheingasse etwas schön reden. Das Image war früher geprägt – Ja, auch von Schlägereien gerade um den schwarzen Bären herum, mit den ‚Glatzen‘, dazu Drogen, Milieu, abends ein Unort, sagten Manche. Das Verruchte mag seinen gewissen Reiz haben, für Bahnerth & Kons, aber für die Meisten gabs keinen Grund, da seine Freizeit zu verbringen. Zumal der Autoverkehr (an dessen akkustischen Vorteile sich die Anwohner selbstverständlich gern gewöhnt haben) die Strasse grundsätzlich mit mehr Lebensqualität ausstattet im Vergleich zu früher. Ich behaupte auch: Eine gastronomische Bespielung setzt auch eine gewisse soziale Kontrolle von Seiten des Wirtes in Gang, und die Stimmung ist nun doch sehr positiv abends, friedlich, entspannt, auch freudig. Oder nimmst Du dies anders wahr? Oder blendest Du einfach frühere Wahrnehmungen aus? Ich lade Dich zu einem Bier ein, dann können wir dies an Ort und Stelle analysieren.

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  3. Es wäre interessant, die Wohnorte der Unterschreibenden zu erfahren. Wie viele davon leben wohl an einer Strasse, bei der allabendlich bis in alle Nacht gefeiert wird? (Und bevor die altbekannte Leier kommt: Ich habe mein ganzes Leben in der Stadt gelebt und teilweise an recht lärmigen Orten. Aber eine Festmeile unter der Wohnung ist ein ganz anders Kaliber als jeder „normale“ Stadtlärm.)

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  4. Komisch, es ist doch schon unglaublich viel los in einem einzigen Basler Sommer… komme ja gar nicht nach mit dem Überangebot…

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