5 Tipps für den grünen Daumen

Es spriesst an allen Ecken – Zeit zum Gärtnern. Praktisch alles, was man dazu braucht, kriegt man in und um Basel umsonst. Tilla Künzli vom Gemeinschaftsgarten Landhof sagt, woher.

Tilla Künzli weiss, wo man Saatgut, Erde und Töpfe umsonst erhält. (Bild: Alain Appel)

Frühlingszeit ist Gärtnerzeit. Tilla Künzli vom Gemeinschaftsgarten Landhof gab uns fünf Tipps, wie man die heimische Saat im Nu zum Spriessen bringt.

Früher als in anderen Jahren grünt es wieder. Die Lust aufs Bepflanzen packt auch viele Hobbygärtner. Eine von ihnen ist Tilla Künzli, Mitinitiantin des Gemeinschaftsgartens Landhof. Sie gab uns auf ihrem üppig begrünten Balkon Tipps, was es für den berühmten «grünen Daumen» braucht. Erstaunlicherweise kriegt man alle Zutaten dazu umsonst – wenn man weiss, woher. 

Tontöpfe, Steine, Scherben

Materialien findet man in der Nähe – und meist gratis. Töpfe gibts umsonst im Gemeinschaftsgarten Landhof. Die Initianten erhielten zu ihrer Eröffnung 2011 ein riesiges Arsenal an Töpfen von einem Gärtnergeschäft, das den Betrieb aufgab. Hat der Topf kein Abflussloch, tun es auch ein paar Steine oder Scherben, damit die Pflanze nicht vom Stauwasser ertränkt wird. Erde erhält man aus dem öffentlichen Kompost in allen Quartieren Basels. Der Mitgliedsbeitrag kostet pro Jahr 20 Franken, dafür gibts unbegrenzt Erde. 

Rat und Saat

Saatgut und Setzlinge aus der Region mögen das hiesige Klima – und man erhält sie gratis. Gerade Pro Spezie Rara freut sich, wenn man beim Erhalt von bedrohten Populationen hilft. Was es für die jeweilige Saat zu beachten gibt und wann man sie am besten setzt, wissen die dortigen Experten. Wer seine Pflanzen gerne verspeist, pflanzt am besten Tomaten, Gurken und Kürbisse an. Diese sind pflegeleicht, brauchen aber Sonne. Auch Kräuter sind sehr leicht zu ziehen.

Balkon, Fenstersims, Wand

Hat man keinen Balkon oder Garten, muss man noch lange nicht auf Plastikpflanzen ausweichen. Auf Fenstersimsen und an jeder Mauer lassen sich Pflanzen bestens anbauen. Bei wenig Platz lohnt sich Kreativität. Salatbäume und Wandgärten können alle bauen, die ihre Daumen nicht nur grün sondern auch blaugehämmert mögen.

Vorsicht beim Platzieren! Nicht alle Pflanzen lieben es heiss und nass. Tomaten etwa mögen kein Wasser auf den Blättern; man sollte sie unter einem Dach halten und vorsichtig unter den Blättern giessen.

Hegen und Pflegen

Setzlinge zieht man mit Saattöpfchen, die man einfach aus Zeitungspapier herstellen kann. Fährt man für ein paar Tage weg, muss aus den Pflanzen kein Dörrgemüse werden. Man stecke eine gefüllte Petflasche umgekehrt in die Topferde, so kriegt die Pflanze gleichmässig Wasser zugeführt. Tüftler können sich auch eine gewieftere Vorrichtung bauen.

Gärtchendenken

Haben die Pflänzchen die ersten Wochen überstanden und vereinzelte Giessversäumnisse gnädig verziehen, ziehen sie in einen grösseren Topf um. Denn die Pflanze braucht mit zunehmender Grösse genug Platz für ihre Wurzeln. Zum Umtopfen dreht man das Töpfchen vorsichtig um und nimmt die Pflanze langsam heraus. Danach krault man die Wurzel mit der Hand, um sie zu lockern. Sie greift dann am besten in ihrem neuen Zuhause, speziell, wenn man nach dem Umtopfen gleich wässert.

Auch Pflanzen tut der kulturelle Austausch gut. Pflanzen in Mischkulturen sind gesünder als solche, die in ihrem Gärtchen alleine sind. Ähnlich wie bei Menschen leben bestimmte Pflanzen besser zusammen und andere weniger gut. Erstaunlicherweise vertragen sich zum Beispiel Zwiebeln und Erdbeeren super. 

Weitere Informationen und Tipps

Gärtnernetzwerke Basel
Urban Agriculture Basel ist ein grosses Netzwerk von Gartenprojekten.
Im Gemeinschaftsgarten Landhof gärtnert man jeden Mittwoch und Samstag von 14 bis 17 Uhr in Gesellschaft anderer Grün-Enthusiasten mit einer professionellen Gärtnerin. Am 3. Mai findet hier ein Frühlingsfest statt.

Saatgut
Pro Specie Rara
, die schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren, bietet gratis Saatgut an.
Auf einem Ausflug nach Binzen (D) erhält man in der Demeter Gärtnerei Berg Saatgut und Tipps von Profis. Die Anfahrt dauert mit Auto eine Viertelstunde. Auch im Garten am Hirtenweg beim Hörnli kann man Saatgut erwerben.
Empfehlenswert für Hobbygärtner sind auch Wildpflanzenmärkte, zum Beispiel jener auf dem Basler Andreasplatz Basel, der vom 26. April bis am 10. Mai stattfindet.

Im Onlinemarkt Sativa gibts eine Riesenauswahl an Biosaatgut. Auch bei der biologischen Samengärtnerei Zollinger kann man jede Menge Saatgut online bestellen.
«Freie Tomaten für alle!», hat sich Stadt-Tomaten auf die Fahnen geschrieben.

Erde
Bei der Kompostberatung Basel kann man Erde abholen kommen. Infos unter: 061 377 89 81. Öffnungszeiten: Mo 14 bis 16 Uhr, Di 7.15 bis 12 Uhr, Mi 10 bis 12; E-Mail: kompostberatung@bs.ch

Do it yourself
Bei einem Salatbaum wächst Salat aus dem Stamm. Mit einem Hochbeet kann man den Garten an die Wand stellen. Auf der englischsprachigen Seite «greenupgrader.com» gibt es jede Menge weiterer Do-it-yourself-Tipps.

Konversation

  1. Hopfen? Was für eine gute Idee. Wird sofort angeschafft. Bald wird ja am Voltaplatz eine Brauerei gebaut, da passt das super:-) Und das Buch habe ich auch bestellt. Danke für die vielen guten Tipps!

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  2. Liebe Miss Balkonien

    vielen Dank für diese Erklärungen und Tipps! Tatsächlich ist meine Clematis eine mit schönen grossen Blüten, die offenbar viel anfälliger sind auf diesen Pilz als die mit den kleineren Blüten. In Zukunft werde ich beim Pflanzenkauf auf jeden Fall auf solche Dinge achten! Für den Moment aber werde ich meinen Zuchtschönheiten mit den von Ihnen empfohlenen Wildblumen zu helfen versuchen. Schauplatz des Geschehens ist ein gedeckter Westbalkon in meinem Heimquartier – immerhin scheint der aber so naturnah zu sein, dass die verschiedenen Käfer ihre Eier in die Töpfe legen und so die Engerlinge zu mir bringen!
    Es grüsst aus dem grünenden St. Johann
    Miss St. Johann

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  3. Liebe Miss St. Johann
    Versuchen Sie es mit Clematis alpina. Sie hat zwar kleine Blüten, ist aber wunderschön und ein einheimisches Gewächs. Auch Geissblatt gibt es in diversen einheimischen Versionen mit teils spektakulären Beeren. Mein liebster „Klettermax“ ist der Hopfen. Diesem können höchstens Schnecken gefährlich werden. Das wohl einzige Tier, das es auf dem Balkon nicht gibt.
    Kaufen Sie sich eine Flora Helvetica und staunen Sie, was für Schönheiten es natürlicherweise in der Schweiz gibt.
    Gedeckte Balkone sind wirklich schwierig und richtig Erfolg habe ich nur, wenn die Pflanzen nicht an der Hauswand stehen. Allerdings: Meiner Erfahrung nach braucht alles seine Zeit. Die Pflanzen und die Besucher (Tiere, Pilze, Vögel und was es sonst noch so gibt). Drei bis fünf Jahre Geduld und alles pendelt sich ein. Wenn man es ertragen kann, lohnt es sich sehr. Es gibt keine Pflanzen ohne die „Besucher“. Sie gehören dazu und sind bei näherer Betrachtung ganz ganz spannend.
    Liebe Grüsse und viel Erfolg

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  4. Liebe Miss St. Johann
    Ich kann Ihnen gerne aus (leider) gedeckt-Balkonien Tipps geben: Wildpflanzen pflegen bei Schädlingsbefall den Nützlingen zu rufen. Auf meinem Balkon beobachte ich allerhand Getier, das man nicht wirklich kennt. Zum Beispiel die Staubhafte. Sie frisst Spinnmilben. Es gibt unzählige Insekten, die den anderen das Leben sehr schwer machen. Es gibt auch Käfer, die Mehltau essen. Leider tun sich gezüchtete Pflanzen schwer damit, die Nützlinge anzulocken. Nicht umsonst haben sie dafür meistens grössere Blüten und verlieren, zur Freude aller „Hausfrauen“ nur wenige Blätter. Doch alles was übermässig zum Vorteil angezüchtet wurde, geht auf Kosten von etwas anderem. Zuerst anscheinend auf Kosten der Begabung, sich Schutz zu Hilfe zu rufen. Pflanzen Sie also um die gefährdeten Pflänzchen wilde Sachen. Zum Beispiel Kamille, Klatschmohn, Kornraden, Kornblumen, Margeriten, Gänseblümchen, jede Art von Glockenblumen und so weiter. Diese werden dann zwar ebenfalls befallen, locken jedoch Nützlinge an, welche sich dann auch auf Rosen und Clematis und dem Geissblatt gütlich tun werden. Auf der gedeckten Terrasse muss man aber viel viel viel Geduld haben und ich übe mich immer noch darin. Wenn Sie Engerlinge haben, haben Sie aber sicher ein Gärtchen.
    Wilde Grüsse aus Balkonien

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  5. Danke, das ist schon mal sehr hilfreich! Könnte man das noch mit einigen Tipps und Tricks in Sachen Schädlinge und Krankheiten ergänzen? Hatte dieses Jahr schon Mehltau (Rose in Gefahr), Spinnmilben (Jasmin Totalschaden), Clematis-Welke (Clematis Totalschaden) und Engerlinge, die sich aber (hoffentlich) als freundliche Rosenkäfer entpuppen werden. Und das Geissblatt wird auch bald schon wieder seinen jährlichen Mehltautod sterben. Wo und wie bekomme ich Hilfe, die Schäden zu identifizieren und das richtige Gegenmittel zu finden?

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