Am Voltaplatz soll ein Neubau für Studenten und sozial Schwache entstehen

Nach jahrelanger Verzögerung nimmt das Neubauprojekt am Voltaplatz langsam Gestalt an. Entstehen soll preisgünstiger Wohnraum für Studierende, Wohngemeinschaften und sozial Schwache. Parkplätze soll es für die neue Siedlung nicht geben.

Immobilien Basel-Stadt plant am Voltaplatz ein neues Wohn- und Geschäftshaus.

(Bild: Google Street View)

Eigentlich sollten die Häuser, die der Immobilien Basel-Stadt (IBS) gehören, längst abgerissen werden. Doch der Neubau am Voltaplatz verzögerte sich. Die Häuser an der Kreuzung Volta- und Elsässerstrasse stehen noch, die Postfiliale, eine Wechselstube und zahlreiche Mieter sind jedoch längst ausgezogen. Als Zwischennutzer hat das Depot Basel im Parterre ein neues, zeitlich befristetes Domizil gefunden. Zudem vermietet die Studentische Wohnungsvermittlung (WoVe) als Zwischennutzerin mehrere Wohnungen weiter. Rund 500 Franken inklusive Nebenkosten kostet ein WG-Zimmer am Voltaplatz.

Zu den wenigen ursprünglichen Mietern gehört das kurdische Ehepaar Kül. Für eine 3-Zimmer-Wohnung bezahlt es rund 1300 Franken. Dass sie wohl bald vom Voltaplatz wegziehen müssen, weiss Familie Kül seit Langem, doch über den aktuellen Planungsstand ist sie nicht informiert.

Bezahlbare statt Luxuswohnungen über der alten Post

Sicher ist: Mit dem Neubauprojekt am Voltaplatz geht es vorwärts. Aus Rücksichtnahme auf Novartis bauen die IWB ihr neues Holzheizkraftwerk nicht neben der bestehenden Fernwärmezentrale an der Voltastrasse, sondern bei der nahen Kehrichtverbrennungsanlage. Damit war ein Hindernis für die weitere Planung aus dem Weg geräumt.

Weitere Eckpfeiler für die Entwicklung des Areals Volta Ost hat der Grosse Rat letztes Jahr festgelegt. So wird auf die Erweiterung des Voltaschulhauses verzichtet. Stattdessen ist auf dem heutigen Coop-Areal an der Elsässerstrasse ein Neubau vorgesehen. Im November wurde zudem bekannt, dass die alten Häuser an der Wasserstrasse erhalten bleiben.

Nicht hingegen die 1949 erbaute Eckliegenschaft am Voltaplatz mit der ehemaligen Postfiliale. Anders als bei dem in Privatbesitz befindlichen Gebäude der ehemaligen Post beim St.-Johanns-Tor sollen dort keine Luxuswohnungen gebaut werden, sondern es soll günstiger Wohnraum entstehen. Im Grossratsbeschluss ist neben Räumen mit Publikumsnutzung – also Läden, Gastronomie, Ateliers, Praxen und einer Kindertagesstätte – auch von Quartierwohnungen die Rede. Namentlich nennt der Beschluss auch Wohnungen für Sozialhilfeempfänger, Grosswohnungen für Wohngemeinschaften und Zimmer für studentisches Wohnen.

Die nachstehende Darstellung aus dem Ratschlag des Grossen Rates orientiert sich an den verschiedenen Teilbereichendes Areals, die auch auf dem Bebauungsplan farbig ausgewiesen sind. Auf dem Teilbereich-Ost befinden sich das Primarschulhaus Volta («Voltaschulhaus»), das Öltanklager der Industriellen Werke Basel IWB («IWB») und die Voltahalle. Im Mittelteil FHKW findet sich das Fernheizkraftwerk der IWB. Im Teilbereich-West bestehtbereits heute eine Wohnbebauung mit Solitärgebäuden. Im Süden des Areals befindet sich der kleinste Perimeter W 21-25, der die WohnhäuserWasserstrasse 21, 23 und 25 umfasst.

Die nachstehende Darstellung aus dem Ratschlag des Grossen Rates orientiert sich an den verschiedenen Teilbereichen des Areals, die auch auf dem Bebauungsplan farbig ausgewiesen sind. Auf dem Teilbereich Ost befinden sich das Primarschulhaus Volta («Voltaschulhaus»), das Öltanklager der Industriellen Werke Basel IWB («IWB») und die Voltahalle. Im Mittelteil FHKW befindet sich das Fernheizkraftwerk der IWB. Im Teilbereich West besteht bereits heute eine Wohnbebauung mit Solitärgebäuden. Im Süden des Areals befindet sich der kleinste Perimeter W 21–25, der die Wohnhäuser Wasserstrasse 21, 23 und 25 umfasst. (Bild: Ratschlag Grosser Rat)

Heute befinden sich zwischen und neben den Wohnbauten zahlreiche Parkplätze. In der neuen Überbauung sollen diese weichen, denn die neue Siedlung ist völlig autofrei konzipiert. In Basel-Stadt besteht keine Pflicht, bei Neubauten eine gewisse Anzahl Parkplätze zu erstellen. In anderen Kantonen ist dies vorgeschrieben.

Aufhorchen lässt auch der Umstand, dass IBS für die Realisierung des Projekts das Zürcher Architektur- und Planungsbüro Archipel beratend beigezogen hat. Die Gründer von Archipel, Andreas Hofer und Andreas Wirz, waren Initianten der Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk 1 in Zürich. Unter diesem Namen ist Ende der 1990er Jahre in einem Industriegebiet neben dem ehemaligen Fussballstadion Hardturm eine Siedlung mit 130 Wohnungen entstanden. Speziell daran war, dass erstmals in einem Neubau grosse Wohnungen speziell für Wohngemeinschaften konzipiert wurden. Mittlerweile hat Kraftwerk 1 in der Schweiz mehrere Nachfolger gefunden, die sich ebenfalls alternativen oder eher unkonventionellen Wohnformen verschrieben haben.

Kleinere Zimmer für billigeres Wohnen

Archipel hat nun auch die Grundlagen des Wettbewerbsprogramms für die Neubausiedlung am Voltaplatz erarbeitet. Auf Geheiss von Immobilien Basel-Stadt durften sich die Zürcher Planer nicht zum Vorhaben äussern, denn zurzeit läuft das Varianzverfahren, in dem bestimmt wird, welches Architekturbüro ein Bauprojekt ausarbeiten darf. Aus dem gleichen Grund wie Archipel wollte sich der ebenfalls in den Projektablauf involvierte WoVe-Geschäftsführer Chaim Howald nicht zum Projekt äussern. Er freut sich natürlich, dass in Basel zusätzlicher Wohnraum für Studierende entsteht.

Damit die rund 100 Zimmer für Studenten und die anderen Wohnungen erschwinglich bleiben, sind die Grundrisse eher klein bemessen. So wird beispielsweise eine 4,5-Zimmer-Wohnung nur 95 Quadratmeter umfassen, erläutert IBS-Sprecherin Barbara Neidhart. Sonst waren es häufig 115. Zur Kostensenkung soll auch die gemeinsame Nutzung von Wohnnebenfunktionen (8er-WG statt acht 1-Zimmer-Wohnungen) beitragen. Wie hoch die zukünftigen Mietzinse sein werden, kann Neidhart noch nicht sagen. Ganz sicher wird aber eine 3-Zimmer-Wohnung mehr kosten als die 1300 Franken, die Familie Kül heute bezahlt. Dafür werden die neuen Wohnungen auch wesentlich mehr Komfort aufweisen als heute.

Neuer Wohnraum für Studierende in Muttenz und in der Erlenmatt
Bis die Siedlung am Voltaplatz mit ihren rund 100 Zimmern für Studierende bezugsbereit ist, dürfte es noch mindestens vier Jahre dauern. Das Studierendenhaus im Neubaugebiet Erlenmatt Ost wird bereits 2018 bezugsbereit sein. Die Universität Basel, die WoVe, die Wohnstiftung für Studierende und die Stiftung Habitat erstellen an der Signalstrasse preisgünstigen Wohnraum für 84 junge Leute in Ausbildung. Der Neubau umfasst WG-Wohnungen mit fünf bis sechs Zimmern. Im gleichen Gebäude einstehen drei Atelierwohnungen sowie Gewerberäume. Bereits letztes Jahr sind durch den Umbau der ehemaligen Rennbahnklinik in Muttenz 60 Wohnungen für Studierende entstanden. Allerdings ist das nur ein Tropfen auf den heissen Stein. «Erschwinglichen Wohnraum für Studierende gibt es in Basel nach wie vor viel zu wenig», erklärt WoVe-Geschäftsführer Chaim Howald.

Konversation

  1. Tiefgarage mit 300-400 Plätzen schaffen und dafür 150 Parkplätze im Bereich Wasserstrasse/Landskron-/Watt-/Murbacherstrasse streichen. Das wär mal was Innovatives.

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  2. Na das ist ja mal ein Schritt in die richtige Richtung:-) Wobei es mir auch hier nicht so ganz in den Kopf geht, warum man billigen Wohnraum abreissen muss, um billigen Wohnraum zu schaffen. Es sei denn, und das scheint in diesem Fall möglich zu sein, es entsteht tatsächlich mehr Wohnraum als gegenwärtig vorhanden ist?
    Andere Frage: was passiert mit den vielen Bäumen, die jetzt in der Parzelle West stehen? Ersatzlos gefällt? Anders als bei den Parkplätzen soll das doch nicht möglich sein?

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  3. Liebe TaWo
    Das heisst nicht sozial Schwache. Das sind ökonomisch Schwache!

    Eure Formulierung ist eigentlich eine Beleidigung. Und sowas wäre dann zum Beispiel sozial schwach.

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    1. Wie recht Sie haben. Das habe ich mir so noch nicht überlegt. Allerdings haben die oekonomisch Schwachen gerade dadurch viele Hürden sich sozial zu integrieren, weil hier alles wertgeschöpft ist.

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  4. Auch viele kleine Schritte ergeben grosse Schritte. Ganz nach dem Motto: Auch Kleinvieh macht Mist.

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  5. Deutlich kleinere Zimmerchen bei nur etwas weniger Miete? Das kenne ich noch aus dem letzten Jahrhundert: Gastarbeiter-Wohnungen sahen üblicherweise so aus.

    Oh du fröhliche alte Zeit!

    Am Ende hüpfen da noch mehr Taler heraus als bei den neuen Schicki-Micki-Glaskästen. Ruhig muss es ja nicht sein, nur „verkehrsgünstig gelegen“.

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