«Back to Basel»: Mission erfüllt

Nach vier Monaten auf See war es am Freitagabend endlich so weit: Die zwölf Crewmitglieder von «Back to Basel» landeten mit ihren beiden Katamaranen sicher am Kleinbasler Ufer, wo sie von einer stattlichen Delegation in Empfang genommen wurden. Skipper Matthias Jeker blickt mit uns zurück auf die Reise.

(Bild: Nils Fisch)

Nach vier Monaten auf See war es am Freitagabend endlich so weit: Die zwölf Crewmitglieder von «Back to Basel» landeten mit ihren beiden Katamaranen sicher am Kleinbasler Ufer, wo sie von einer stattlichen Delegation in Empfang genommen wurden. Skipper Matthias Jeker blickt mit uns zurück auf die Reise.

Zwei Katamarane, zwölf Abenteurer, eine Mission: «Back to Basel» lautete das Ziel einer jungen Segelcrew. Ein Ziel, das am Freitagabend um 16.15 Uhr eingelöst wurde. Rund vier Monate waren die beiden Schiffe unterwegs, eine Landratte, wer sich da über die 15 Minuten Verspätung bei der Ankunft beklagt.

Apropos Landratten: Es war ein stattliches Empfangskomitee, das sich unter der Dreirosenbrücke auf Kleinbasler Seite versammelt hatte. Familien, Verwandte, Bekannte und einige neugierige Spaziergänger begrüssten die Heimkehrer mit Transparenten und warmen Getränken. Die Temperaturen an diesem Abend hatten nichts mehr mit den Verhältnissen gemein, die bei uns beim Betrachten der Bilder Neidgefühle aufkommen liessen.

Wir haben Matthias Jeker getroffen, einen der leitenden Skipper, und mit ihm beim Willkommensschämpis in der Kajüte unter Deck auf die Reise zurückgeschaut.

Matthias Jeker, wenn Sie die Reise in einem Satz beschreiben müssten, wie würde der lauten?

Ich hatte vor der Reise gemischte Erwartungen, aber dass es so gut werden würde, hätte ich nicht gedacht. 

An welchen Moment können Sie sich besonders gut erinnern? 

Vor der portugiesischen Küste hatten wir erst eine nicht enden wollende Flaute und plötzlich segelten wir beinahe im Sturmwind. Mich hat insgesamt beeindruckt, wie schnell der Wind von einem Extrem ins andere kippen kann.

Matthias Jeker erklärt der Crew, was sie erwartet:

 

Kurz vor Gibraltar ist euch ein wichtiges Segel gerissen. Wie seid ihr mit solchen «Krisenmomenten» umgegangen?

Wir haben immer einen Ausweg gefunden, der uns sinnvoller erschien als aufzugeben. In diesem Fall haben wir uns eine Nähmaschine besorgt und das Segel einfach wieder zusammengenäht. Ab dem Moment konnte reissen was wollte, wir waren gewappnet.

Ihr habt die Crew zwischen den beiden Schiffen immer wieder durchmischt. Gab es dafür einen bestimmten Grund?

Von früheren Reisen wussten wir, dass sich schnell geschlossene Gruppen bilden, und wir wollten jede Verhärtung zwischen den Crews vermeiden. Am Anfang haben wir darum oft rotiert, wenn wir merkten, dass das Teamleben stehen bleibt. Aber in den letzten Wochen haben sich dann doch zwei Gruppen eingependelt, die für alle gut funktionierten.

Für das Crew-Klima habt ihr auch regelmässig «Feedbackrunden» abgehalten. 

Wenn zwölf Menschen gemeinsam unterwegs sind, ist es wichtig, dass man sich koordiniert austauscht. Sonst wird schnell aneinander vorbei kommuniziert, was zu Uneinigkeiten führen kann. An den Feedbackrunden haben wir als Team eine Standortbestimmung vorgenommen und jede und jeder konnte sagen, was er sich wünscht oder was ihn stört.

Sie hatten als Skipper besonders viel Verantwortung zu tragen. Haben Sie auch mal gedacht: Jetzt reichts, ich will zurück nach Basel?

Vor der Reise hatte ich tatsächlich Angst vor diesem Moment, aber er kam nie. Es gab vielleicht zwei halbe Momente, in denen ich mich genervt habe. Aber daran kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern.

Euer Blog wurde regelmässig aufgefrischt. Wie ging euch die Berichterstattung von der Hand?

Am Anfang haben wir überlegt, diesen Blog gar nicht zu betreiben und die Reise für uns als Team zu erleben. Aber dann entschieden wir uns doch dafür – auch damit nicht jeder Einzelne andauernd SMS nach Hause schicken musste (lacht). Schlussendlich waren es dann zwei Personen, die für den Blog die Verantwortung übernahmen, aber mehr als die Hälfte der Crew hat daran mitgeschrieben.

Gab es vor der Veröffentlichung eine schiffsinterne Zensur?

Ja, die gab es. Es waren aber trotzdem immer persönliche Berichte, die vielleicht hie und da mit gemeinsamen Eindrücken ergänzt wurden.

Gibt es auf so engem Raum so etwas wie Privatsphäre?

Jeder hat seine eigene Art, sich zurückzuziehen. Wenn jemand in der Koje lag oder Musik hörte, dann wurde er dabei nicht gestört. Und wenn wir in einem Hafen vor Anker lagen, konnte man natürlich alleine an Land gehen, um etwas Abstand zu gewinnen. Wir hatten nie Streit, weil wir uns zu nahe gekommen wären.

Würden Sie diese Reise noch einmal machen?

Unbedingt.
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Am Samstag und Sonntag den 13./14. Dezember können die beiden Katamarane im Werftzelt bestaunt werden.
Ort: Klybeckquai, Uferstrasse 84.

Die gesamte Reise im Überblick samt Stopps und Blogposts dazu finden sich auf dieser Karte:

Konversation

  1. Auf meinem Bildli oben links sieht man RMS Queen Mary 2 der Cunard Line im Hafen von Rotterdam. Bevor ich zu den bequemeren Kreuzfahrten gewechselt habe, habe ich in den 70er-Jahren des letzten Jahrhundert den Prüfungstörn für den B-Schein von Cartagena in Spanien, die Strasse von Gibraltar, entlang der marokkanischen Küste bis zu den Kanarischen Inseln gemacht. Sicher ein „Klacks“ gegenüber dem Törn, welcher hier beschrieben wurde. Lehrreich in mancher Beziehung war es aber doch. Manchen jungen Leuten würde eine solche Reise gut tun. Man wird auf See extrem bescheiden. Man stellt fest wie „klein“ der Mensch eigentlich ist…

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