Basler im Elsass: Wo sollen die Kinder zur Schule?

Immer mehr Basler leben im grenznahen Elsass. Manche schicken ihre Kinder nach Basel oder Weil am Rhein in die Schule.

Manche Schweizer, die im Elsass wohnen, wollen ihre Kinder nicht dort zur Schule schicken. Aber welche Alternativen gibt es? (Bild: Nils Fisch)

Ein Leser fragte uns vor einigen Wochen:

Angeblich möchten Schweizer, die ins Elsass ziehen, ihre Kinder trotzdem in Basel-Stadt in die Schule schicken. Stimmt das? Wer übernimmt die Kosten?

Gute Frage, dachten wir, nimmt doch der Anteil an Schweizern im Elsass stetig zu. Aber die Frage ist nicht leicht zu beantworten, wie sich herausstellen sollte.

Eine Anfrage beim Erziehungsdepartement (ED) Basel-Stadt ergibt: An Basler Schulen gibt es kaum Schülerinnen und Schüler mit Wohnsitz in Frankreich. Auf Primar- und Sekundarstufe I sind es laut ED nur zwei bis drei pro Jahr. Auf Gymnasialstufe gibt es gar keinen solchen Fall.

Das liegt wohl daran, dass die Schulkosten in Basel sehr hoch sind, wenn die Eltern im Ausland wohnen. Ein Schüler in der Primarschule kostet die Eltern 13’500 Franken pro Jahr – am Gymnasium gar 20’000 Franken.

Ein interessanter Hinweis

Wo schicken also Basler Eltern im Elsass ihre Kinder zur Schule? Eine Fachperson des ED gibt einen interessanten Hinweis:

Kürzlich wurde mir von einer Mutter gesagt, dass Kinder aus Frankreich vermehrt die Volksschule in Lörrach oder Weil besuchen (in D kostenlos) aufgrund der Deutschsprachigkeit, und dass Deutschland jetzt keine solchen Kinder mehr will.

Wir fragen in Weil am Rhein nach. An der Rheinschule und Karl-Tschamber-Schule ist das Phänomen nicht bekannt. Es gibt dort kaum respektive gar keine Schülerinnen und Schüler aus Frankreich. Aber wenn solche kämen, könnten sie tatsächlich kostenlos die Schule besuchen, erklärt der Schulleiter der Rheinschule, Bernhard Nopper.

Beim Amt für Soziales, Schulen und Sport in Weil kennt man die Schülerzahlen aus dem Ausland genau. So gab es Ende dieses Schuljahres in Weil am Rhein 54 Schülerinnen und Schüler mit Wohnsitz in Frankreich – und übrigens 17 mit Wohnsitz in der Schweiz.

Die meisten der Kinder aus Frankreich – nämlich 25 – gingen ins bilinguale Gymnasium, schreibt Annette Huber. «Das liegt am Profil dieser Schule.»

Sind das nun Basler Eltern, die im Elsass wohnen und ihre Kinder in Weil zur Schule schicken? Wir wissen es nicht. Das Weiler Amt erfasst nur den Wohnsitz, nicht die Nationalität.

«Keine solchen Zahlen»

Wir recherchieren weiter. Irgendwo müssen diese Eltern doch erfasst sein. Beim Schweizer Konsulat in Strassburg kann man uns nicht weiterhelfen. «Solche Zahlen haben wir nicht.»

Was das Konsulat aber weiss: 2016 waren 23’536 Schweizerinnen und Schweizer in der Region Grand Est gemeldet. Rund 16’000 davon im Département Haut-Rhin, also im grenznahen Elsass. Diese Zahl nannte das Konsulat vor einigen Monaten gegenüber der «bz Basel».

Der Verein Elsass-Freunde Basel kann die Frage nach den Schülern ebenfalls nicht beantworten. Auch die französischen Gemeinden wissen nichts. Im Bürgermeisteramt von Saint-Louis heisst es, man führe keine Statistik darüber, wie viele Einwohner ihre Kinder im Ausland zur Schule schicken. Wir sollen doch bei den deutschen und Schweizer Schulen nachfragen.

Die Leserfrage lässt sich nicht abschliessend beantworten. Wohl gibt es ein paar Schweizer im Elsass, die ihre Kinder in Basel zur Schule schicken – vielleicht auch auf Privatschulen. Wahrscheinlich gehen die meisten Kinder von Baslern im Elsass auch dort zur Schule.

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Konversation

  1. Die wichtigere Frage wäre: Warum müssen Basler Familien, mit schulpflichtigen Kindern, aus Basel wegziehen? Aber da müsste man sich vielleicht mit den Gründen der Wohnungsnot in Basel auseinandersetzen. Da konsequent jede Erneuerung behindert wird, müssen halt immer mehr gutverdienende aus Basel flüchten. Aber die TaWo ist wohl auch eher das Sprachrohr der Hausbesetzer, als von Familienvätern die gute, grosse, moderne Wohnungen suchen.

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  2. Egoisten, Profitieren.
    Nur wir Idioten ohne Geld, wohnen noch hier.
    Eine wahre Schande.
    Liebe TAWO bleibt dran, dies ist ein Sumpf…

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  3. Liebe TaWo
    Die Kinder wohnen offiziell bei einer Tante oder einem Onkel und gehen ganz offiziell in Basel zur Schule. Das taucht in der Statistik nicht auf.
    Dies ist nur zu erkennen, wenn die Schülerinnen und Schüler mal zu spät kommen, weil der Dreier oder Achter Verspätung haben, die Telefonnummer der Eltern mit 0033 beginnt.
    Auch meist nur im Notfall erkennbar.

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  4. Auch in Saint Louis gibt es am Lycée Mermoz zweisprachige Klassen. Einige Fächer werden auf Deutsch, einige auf Französisch erteilt. Am Ende kann das Abi-Bacc bestanden werden, also ein Diplom, welches in Deutschland und Frankreich automatisch annerkannt ist. Es berechtigt natürlich ebenfalls zum Studium in Basel, und einige Studierende an der Uni kommen vom Lycée Mermoz. Warum also Kinder nicht ganz einfach in Frankreich zur Schule senden?

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