Basler Professoren müssen Nebenbeschäftigungen offenlegen

Viele Professoren sind nebenbei als Berater tätig oder sitzen in Gremien von Unternehmen. Jetzt will die Universität Basel mehr Transparenz schaffen und die Nebenbeschäftigungen offenlegen.

Neben ihrer Arbeit an der Universität betätigen sich viele Professoren in Verwaltungsräten oder als Berater. Diese Nebentätigkeiten müssen sie jetzt offenlegen. (Bild: Nigel Treblin / SDA )

Viele Professoren sind nebenbei als Berater tätig oder sitzen in Gremien von Unternehmen. Jetzt will die Universität Basel mehr Transparenz schaffen und die Nebenbeschäftigungen offenlegen.

Mit ihrem Entscheid reagiert die Universität auf eine Forderung, die in der Öffentlichkeit seit einigen Jahren immer wieder gestellt wird: Universitätsprofessoren sollen ihre Interessenbindungen transparent machen. Neben ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit sitzen viele Dozierende in Beratungsgremien oder Verwaltungsräten.

Die Nebeneinkünfte sind oft lukrativ und erhöhen das Renommee der Forscher. Zugleich befürchten Kritiker aber eine Einschränkung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit.

Die Universität Bern veröffentlichte bereits im vergangenen Jahr die Interessenbindungen ihrer Professoren. Jetzt hat sich auch die Uni Basel zu diesem Schritt entschieden, wie der Lokal-TV-Sender «Telebasel» am Dienstagabend berichtete.

Christoph Tschumi, Verwaltungsdirektor der Universität, spricht von einem «Gebot der Stunde». Er selber hat sich in Absprache mit dem Rektorat für diesen Schritt entschieden: «Die Universität sollte gegenüber der Öffentlichkeit diese Nebenbeschäftigungen offenlegen, um volle Transparenz bezüglich der Interessenbindungen unserer Professorinnen und Professoren zu schaffen.»

Widerstand nicht ausgeschlossen

Universitätsintern werden diese Nebentätigkeiten seit Längerem erfasst. Mit der Erhebung des vergangenen Jahres sollen diese jetzt auch in der Öffentlichkeit transparent gemacht werden. Über die Höhe der Einkünfte müssen die Professoren jedoch auch künftig keine Auskunft geben. Und die Betroffenen könnten sich gegen die Offenlegung wehren, wenn sie daraus Nachteile zu befürchten haben.

Doch Widerstände erwartet Tschumi keine. «Ich sehe auch kein vernünftiges Argument, das dagegen spricht.» Die Interessenbindungen sollen noch vor den Sommerferien veröffentlicht werden.

Konversation

  1. Eigentlich ist diese Forderung ebenso trivial wie selbstverständlich:

    In jedem anständigen wissenschaftlichen Journal müssen die Autoren im Artikel genau offenlegen, wo sie arbeiten und von wo und wem ihre dort publizierte Arbeit finanziert worden ist.

    Da ein Professor im öffentlichen Dienst steht und ordentlich bezahlt wird, kann ich nicht einsehen, dass er daneben privat als Berater überhaupt Geld verdienen darf. Schliesslich kann er die Beratungsarbeiten nur dank seines bezahlten Amtes und mit Hilfe seiner Labors, Assis und Doktoranden ausführen.
    Die Situation kann man grob mit dem der persönlich bezahlten Politikern vergleichen! Da herrscht Korruptionsverdacht.

    Vor Jahren beanspruchten wir in der Industrie einen deutschen Experten von Weltrang. Während sich in jenem Streitfall eine Kanzlei in Zürich pro Stunde mit 500.- „entschädigen“ liess, durfte der Experte, weil er Professor an einer deutschen Uni war, genau 100 Euronen verrechnen, die er seiner Uni abzuliefern hatte. Auch die eng kalkulierten Spesen musste er der Uni vorlegen, damit ja kein Korruptionsverdacht aufkommen konnte, denn er hatte ja sein Gutachten im Namen der Uni unterschrieben.

    Klar, wir sind hier in der Schweiz, und wir sind nicht so kleinlich…

    Die Wirtschaft soll natürlich für ihre eingekauften Beratungen bezahlen, und das Geld soll 100% dem Institut zukommen.
    Die Unabhängigkeit und Freiheit der Lehre und Forschung war einst eine Säule der universitären Forschung.

    Aber das Gegenteil passiert:
    Viele Professoren kassieren fürstlich und diskret, während ihre jungen Forscher viel zu viel ihrer Zeit für ihr eigenes Fundraising vergeuden, das ein guter Institutsleiter dank seinem Namen viel besser tun könnte.
    So kauft sich die Wirtschaft billige Sklaven ein – das Ziel erreicht.

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  2. Nachdem die ProfessorInnen öffentlich dargelegt haben, wo sie anderweitig noch engagiert sind, könnte man in der nächsten Konsequenz auch die Interessenbindungen der Uniratsmitglieder veröffentlichen.
    Denn während die Profs in ihren Departementen und Fakultäten vieles bestimmen dürfen, werden die grossen Rahmenbedingungen (Budgets) weiter oben, auf Stufe Rektorat + Unirat gesteckt. Und gerade dort, wo die Uni sich mit „Wirtschaft, Politik und Gesellschaft“ zu verknüpfen sucht, wird’s interessant, wer eigentlich das Sagen hat, und wessen Brot diese essen.

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    1. Das sehe ich genau so.
      Ferner geht es ja nicht darum, die Verbindungen zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft trennen zu wollen, das wäre naiv.
      Mit mehr Transparenz könnten wir, die paar noch gläubigen Demokraten, wenigstens das Kräftespiel besser verstehen, und gelegentlich „nein danke!“ rufen – oder wieder mehr Vertrauen in die Politik in den Gängen der Macht bekommen.

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  3. Ja und hilft die neue Transparenz dabei, aus dem universitären Dilemma „Bildung versus Ausbildung“ herauszukommen? Vermutlich nicht. Aber schön, haben wir darüber gesprochen…

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