BaZ-Kritiker lancieren neue Plattform für Medienopfer

Eine Gruppe um SP-Nationalrat Beat Jans gründet eine Plattform für Medienopfer. Damit soll die Abwärtsspirale eines destruktiven Journalismus gebrochen werden.

Wenn persönlichkeitsverletzende Berichte in der Zeitung stehen, wissen viele Opfer nicht, wie damit umzugehen ist. Die Plattform «Fairmedia» will dabei helfen.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Eine Gruppe um SP-Nationalrat Beat Jans gründet eine Plattform für Medienopfer. Damit soll die Abwärtsspirale eines destruktiven Journalismus gebrochen werden.

Als die Übernahme der «Basler Zeitung» bekannt wurde, stand der Autor Guy Krneta an vorderster Front gegen die «Blocher-Zeitung». Nun ist Krneta Mitgründer einer Plattform für Medienopfer. Am Donnerstagabend stellen er und seine Mitstreiter das Projekt «Fairmedia» vor (17.30 Uhr, Literaturhaus Basel).

Krneta will damit Menschen helfen, «die unerwartet attackiert werden und vielleicht nicht täglich mit der Presse zu tun haben». Für sie sei die Gefahr gross, dass sie falsch reagierten, und sich gerade dadurch weiter angreifbar machten.

In diesem Sinne handle es sich um eine Anlaufstelle für die Region Nordwestschweiz, die in erster Linie berät. So finden sich denn auch der Medienanwalt Ludwig Schmid und der Therapeut und Coach Roger Marquardt unter den Mitgründern.

Politisch-missgünstigen Journalismus verhindern

Initiator ist der SP-Nationalrat Beat Jans. Er beobachtet in der Region eine aggressiver werdende Medienlandschaft. «Persönlichkeitsrechte werden immer häufiger verletzt. Die Betroffenen wissen sich häufig nicht zu wehren oder es stellt sich Resignation bei ihnen ein.» Diese Abwärtsspirale eines «destruktiven Journalismus» gelte es zu brechen.

Der SP-Politiker, der in der Vergangenheit kaum von der BaZ angegangen wurde, steht mit der neuen Plattform in Verdacht, ein Instrument gegen politisch-missgünstigen Journalismus aufzubauen. Jans wehrt ab: «Es ist eine überparteiliche Plattform. Leider haben wir trotz grosser Bemühungen noch keine bürgerlichen Politiker für den Vorstand gefunden, im Patronatskomitee sind aber faktisch alle Parteien vertreten.» Falls Sebastian Frehner (SVP) einen Mitgliedsantrag stellen würde, werde er mit offenen Armen empfangen, sagt Jans.

Liste der «Opfer» ist lang

Krneta ist sich der Problematik bewusst, dass die Plattform für politische Zwecke missbraucht werden könnte. «Es wird eine Triage geben müssen: Welche Fälle unterstützen wir? In welchen Fällen sind mediale Vorwürfe berechtigt und journalistische Methoden im Rahmen des Üblichen?»

In der Vergangenheit sahen sich Regierungsrat Hans-Peter Wessels («Schwedenreisli»), die BastA!-Grossrätin Sibel Arslan (Schuldenskandal) sowie Finanzdirektorin Eva Herzog in der bürgerlichen Presse überbordender Kritik ausgesetzt.

Gegen Rassismus und Sexismus vorgehen

Krneta nennt auch Fälle, in denen Privatpersonen oder Gruppierungen Ziele persönlichkeitsverletzender oder diskriminierender Berichte waren. Neben dem Coaching von Menschen ohne Medienerfahrung, will Fairmedia auch gegen Rassismus, Sexismus und Ausländerfeindlichkeit aktiv werden. Die Öffentlichkeit werde in solchen Fällen über Interventionen und Vorstösse informiert, schreiben die Plattform-Gründer.

Schutz vor den Medien – das bieten heute bereits der Presserat, die Unabhängige Beschwerdeinstanz (UBI) sowie die Gerichte, die Persönlichkeitsrechte schützen. Fairmedia biete aber mehr, erklärt Krneta. «Im Gegensatz zu Presserat oder UBI sind wir in der Lage, auch politisch aktiv zu werden und uns beispielsweise für ein ‹Recht auf Vergessen› bei Online-Publikationen einzusetzen – mit politischen Vorstössen etwa.»

Mit «Recht auf Vergessen» ist das Löschen von Online-Inhalten gemeint, das Opfer von persönlichkeitsverletzender Berichterstattung einfordern.

Konversation

  1. Besten Dank den Gründern und Gründerinnen dieser Plattform – sie ist als politische Ergänzung des Presserats, der UBI und der Gerichte im Einzugsgebiet der BaZ leider bitter nötig.

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  2. «Der SP-Politiker, der in der Vergangenheit kaum von der BaZ angegangen wurde, steht mit der neuen Plattform in Verdacht, ein Instrument gegen politisch-missgünstigen Journalismus aufzubauen.» : wieso «steht» Beat Jans «im Verdacht»? Jeremias Schulthess bleibt jede Quelle schuldig, was ein Indiz dafür sein kann, dass er selber es ist, der Beat Jans «unter den Verdacht» stellt – und zusammen mit der TaWo der neuen Plattform grad das erste Opfer unanständigen Journalismus präsentiert?
    hansueli w. moser-ehinger

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