«Be Aware and Share»: Berührende Doku über junge Basler Flüchtlingshelfer

Seit letztem Herbst helfen Mitglieder des Basler Vereins «Be Aware and Share» Flüchtlingen. Am Sonntag hat der gleichnamige Dokumentarfilm erstmals gezeigt, wie dieses Engagement die Menschen verändert.

(Bild: Screenshot «2nd Screening»)

Seit letztem Herbst helfen Mitglieder des Basler Vereins «Be Aware and Share» Flüchtlingen. Am Sonntag hat der gleichnamige Dokumentarfilm erstmals gezeigt, wie dieses Engagement die Menschen verändert.

Ein Dorf im kroatisch-ungarischen Grenzgebiet, Oktober 2015. Fahles Licht beleuchtet eine leere Strasse. Plötzlich kommt Leben auf, ein Flüchtlingstreck setzt sich in Bewegung. Aus dem Off eine Stimme: «Humanity», Menschlichkeit. Im kleinen Saal des Theater Basel ist es totenstill, als diese Bilder über die Leinwand flimmern, dann, als die Lichter angehen: Applaus, Umarmungen.

Die Menschen im Kinosaal haben gerade die Premiere der Dokumentation gesehen, die «Be aware and share» heisst – so wie der Basler Verein, um den es im Film geht. «Be Aware and Share» – oder kurz BAAS – wurde vergangenen September gegründet, mit dem Ziel, einen Van mit Hilfsgütern vollzupacken, nach Osteuropa zu fahren, nach Ungarn, Serbien oder Slowenien, und jenen Menschen mit dem Nötigsten zu helfen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben alles hinter sich gelassen haben.

Aus der Idee wuchs nicht zuletzt dank der Durchschlagskraft der sozialen Medien ein vielköpfiges Team. Seine Mitglieder haben ihre bürgerlichen Leben mehr oder weniger stehen und liegen gelassen, um die Tonnen von Nahrung und Kleidung – innert Tagen gespendet – dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wurden, und selbst vor Ort anzupacken. Zwei junge Basler Filmemacher, Omid Taslimi und Lasse Linder, haben die Gruppe dabei begeleitet.

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Ihr Film zeigt in eindrücklichen und berührenden, nie aber belehrenden Bildern, wie aus einer Idee und dem Bedürfnis zu helfen, eine Bewegung entsteht, angetrieben allein von Menschlichkeit. Wie junge, privilegierte Menschen zu einer Familie zusammenwachsen, Menschen, die Entbehrungen auf sich nehmen, auf dem Boden schlafen und frieren, allein aus der Überzeugung, das Richtige zu tun.

Mit dem Abschluss des Filmprojekts ist die Mission von BAAS längst nicht erfüllt. Jano, Mara, David, Steffen, und wie sie alle heissen, haben sich in neue Menschen verwandelt. So auch Baschi, Baschi Seelhofer, 28-jährig und geistiger Vater von BAAS. Er ist kaum noch zu vergleichen mit dem jungen Mann, der er noch vor einem halben Jahr war. Damals arbeitete er für die Gemeinde Münchenstein auf dem Sozialamt, führte ein geregeltes Leben, hatte Lohn und eine Wohnung. Dann gründete er BAAS. Und jetzt, in diesem Moment, ist er erneut unterwegs, mit neun Mitstreitern in Richtung Griechenland. Job und Wohnung hat er gekündigt.

Erneut unterwegs

Am Montag kurz nach Mitternacht, direkt nach Vorführung des Films, ist die Crew im Konvoi losgefahren, drei Fahrzeuge vollbepackt mit Medikamenten, Kleidung, Nahrung, 30 Feldbetten. Im italienischen Ancona nehmen sie am Abend die Fähre nach Patras, von wo es über Land weitergeht nach Athen. Dort wartet eine weitere Fähre, die neun Stunden braucht, um die Gruppe nach Chios zu bringen, die Ferieninsel in Sichtweite zum türkischen Festland. Geplante Ankunft: Mittwochfrüh.

Für ein Jahr will er bleiben, sein Team wechselt. Jeder ist willkommen, der mindestens drei Wochen bleiben kann und will. Sie erstellen ein Rettungsteam, das Tag und Nacht in Bereitschaft ist, um die Erstversorgung von Gestrandeten zu garantieren, in wechselnder Zusammensetzung werden sie der Küste entlang patrouillieren und eine mobile Küche betreiben. Derzeit stranden auf Chios täglich etwa 500 Flüchtlinge.

Baschi Seelhofer und seine Crew beim Aufbruch nach Griechenland kurz nach der Filmpremiere.

Baschi Seelhofer und seine Crew beim Aufbruch nach Griechenland kurz nach der Filmpremiere.

Finanziert wird das Projekt einerseits durch Spenden, andererseits durch Paten, die den Unterhalt der Einsatzcrew mit monatlichen Beiträgen unterstützen.

Am Ende des Films, kurz vor den Standing Ovations, hält die Kamera wieder auf diese fahl beleuchtete Strasse in einem kroatischen Dorf. Den Flüchtlingstreck sieht man nun von hinten. «Wir können die Welt nicht verändern», sagt Baschi Seelhofer, «aber wir holen das Maximum aus unseren Möglichkeiten. Und es ist eine schöne Arbeit.»

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6. März 2016, kultkino atelier, 11 Uhr.
Der Film wird in einer Auflage von 500 Stück schon bald als DVD für Schulen erhältlich sein.
 

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