Das «Da Gianni» muss einem luxuriösen Neubau Platz machen

Eine Zürcher Immobilienfirma will an der Elsässerstrasse im St. Johann 18 Eigentumswohnungen realisieren. Die bestehende Liegenschaft, in der das Restaurant «Da Gianni» sein Domizil hat, soll abgerissen werden. Das wollen sich die Restaurantbetreiber nicht bieten lassen.

Das «Da Gianni» im St. Johann bangt um seine Zukunft.

 

(Bild: Hans-Jörg Walter )

Eine Zürcher Immobilienfirma will an der Elsässerstrasse im St. Johann 18 Eigentumswohnungen realisieren. Die bestehende Liegenschaft, in der das Restaurant «Da Gianni» sein Domizil hat, soll abgerissen werden. Das wollen sich die Restaurantbetreiber nicht bieten lassen.

Das italienische Restaurant «Da Gianni» ist eine Institution im St. Johann. Seit 20 Jahren erfreut sich die Quartierbeiz an der Elsässerstrasse 1 grosser Beliebtheit. Egal ob mittags oder abends: Das «Da Gianni» ist immer gut besucht. Nun müssen die Besitzer Salvatore Cali und Martin Moser um die Zukunft ihres Lokals bangen.

Die Altbauliegenschaft, in der sie eingemietet sind, soll einem Neubau weichen. Im aktuellen Kantonsblatt wurde ein Abbruchs- und Neubaugesuch für die 537 Quadratmeter grosse Parzelle publiziert (Elsässerstrasse 1 und 3 sowie St. Johanns-Platz). Geplant sind 18 luxuriöse Eigentumswohnungen, eine Gewerbefläche im Erdgeschoss und eine Autoeinstellhalle. Kostenpunkt: 13 Millionen Franken.

Das Baugesuch hat die Swiss Finance & Property Investment AG aus Zürich eingereicht. Sie will das Areal von den jetzigen Besitzern «mit einem befristeten Rücktrittsrecht» erwerben. «Wir befinden uns noch in einem sehr frühen Stadium, viele Fragen sind noch offen. Aber die Fertigstellung des Neubaus ist für 2019 vorgesehen», sagt Joachim Schütz, Mediensprecher der Immobilienfirma. 

Abbruchgesetz machts möglich

Baizer Martin Moser weiss seit ein paar Monaten, dass es sein Restaurant nicht mehr geben soll. Vom jetzigen Liegenschaftsbesitzer, einer Privatperson aus Binningen, hat er bereits die Kündigung erhalten. Diese haben er und sein Geschäftspartner erfolgreich angefochten.

Nun droht aber erneut die Kündigung, weil das Baugesuch inzwischen eingereicht wurde. Moser kündigt Widerstand gegen eine erneute Kündigung an: «So schnell wird man uns nicht losbekommen. Wenn wir wieder die Kündigung erhalten, werden wir wieder Rekurs einreichen», sagt er kämpferisch. 

Gute Chancen für den Neubau trotz erwartbaren Einsprachen

Vor Kurzem sei die Immobilienfirma bei ihm aufgetaucht, um ihn über die Pläne zu informieren. «Sie sagten, dass sie die Liegenschaft nur erwerben werden, wenn sie die Baubewilligung für den Neubau erhalten – deshalb das befristete Rücktrittsrecht. Ob dies der Fall sein wird, bleibt abzuwarten», sagt Moser.

So soll der Neubau an der Elsässerstrasse 1 aussehen.

So soll der Neubau an der Elsässerstrasse 1 aussehen. (Bild: www.punkthaus.net)

Gegen das Neubauprojekt dürften einige Einsprachen eingehen. Trotzdem stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Kanton die Baubewilligung erteilt. Mit dem Wohnraumfördergesetz, das im September 2013 in Basel an der Urne angenommen wurde, ist das Abbruchgesetz gelockert worden. Demnach wird der Abbruch von ­bestehenden Bauten immer dann ­bewilligt, wenn mindestens wieder gleich viel Wohnraum entsteht.

Beim Neubauprojekt an der Elsässersträsse mit den 18 Eigentumswohnungen wäre dies der Fall: Es würden sogar mehr Wohnungen entstehen als bisher. So weit möchte Moser allerdings gar nicht denken. «Ich glaube, unsere Chancen stehen nicht schlecht. Irgendwann wird fertig sein – aber nicht jetzt.»

Konversation

  1. ich verstehe es nicht! das haus prägt meiner meinung nach den platz sehr!
    was kann man denn noch tun? demo?
    schreiben an denkmalschutzbehörde?

    was ist mit bezahlbarem wohnraum?
    (läuft vieles wie auf ehemal. kinderspitalareal…)

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  2. Es hat genug Alkspunten, aber Eigentumswohnungen an dieser „Superlage“…? Oder Eigentumswohnungen am Wasgenring. Ich frage mich immer wieder wie die Leute auf sowas kommen.

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  3. Kürzlich war ich zu Besuch in Basel. Zweimal haben während diesen Tagen Freunde und ich zusammen bei Da Gianni gegessen. Wunderbar. Ein urbaner Ort von grosser Anziehungskraft.
    Das haus ist Bestandteil dieser Urbanität.

    Pascal Pfister weist auf eine abgelehnte Initiative der SP Basel hin, durch welche solche „Handänderungen“ verhindert respektive notwendige Verkäufe (siehe Beitrag 1 von Georg) in eine Stiftung überführt hätte.

    Wer hier seine Trauer über den Verlust kundtut, der über kurz oder (Prozess)-lang entstehen wird, hat hoffentlich für jene Initiative gestimmt.
    Wenn nicht:
    Petitionen reichen da niemals. Man hat es mit dem grossen Geld zu tun, das heisst, mit renditesuchenden „Investoren“, deren einziges Ziel eben die Durchsetzung ihrer Renditenvorstellungen ist, koste das eigentlich, was es wolle.
    Das ist doch alles bekannt.
    Und es hat, um das deutlich festzuhalten, mit den Novartis-Campus-Bauten oder den Roche-Türmen und anderen städtebaulich interessanten Umbauten der Stadt nichts zu tun. Hier geht es bloss um billig zu erhaschende Rendite, und dies erst noch auf gar nicht geklärten Hauseigentümer-Fragen, wenn ich die diesbezüglichen Ausführungen im Artikel richtig verstanden habe..
    Dass eine Stadt kein geschlossener Baukubus sein soll, ist eigentlich auch klar, weil eine Stadt immer wieder Geschichte, also auch Baugeschichte, widerspiegelt.

    Daraus folgt, ziemlich offensichtlich: Es stimmt in diesem Fall die Rechtslage mit nachgewiesenen Stadtbedürfnissen nicht überein.
    Ich bin, wie Georg, ein Befürworter von Städteumbau.
    Meiner Ansicht nach ist an diesem Ort in der Stadt Basel aber kein Umbau notwendig. Offensichtlich sind viele in Basel lebende Leute auch dieser Ansicht.
    Also kann man – muss man – eine Lösung suchen. Am besten nicht bloss für diesen Einzelfall, sondern für eben diese etwas spezielle Situation, welche es in Basel vermutlich noch die eine oder andere geben dürfte (mir kommt da zum Beispiel das Brausebad in den Sinn).
    Vielleicht nimmt man die erwähnte SP-Initiative noch einmal in die (stadtpolitsche und stadtrechtliche) Hand.

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    1. Nur weil Sie ab und zu dort essen soll nicht umgebaut werden dürfen? Fragen wir doch nicht den Invenstor, sondern fragen wir lieber den Verkäufer. Ihr seit es doch, die grenzenloses als Zukunftsmodell verkauft. Das gilt auch für Geld.

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  4. Die SP kann sich ihre „Pflästerlipolitik“ sparen..

    Das neue Wohnraumfördergesetz welches das Abbruchschutzgesetz im Sommer 2014 ersetzte – unter anderem von SP-Politiker*innen durchgesetzt- wird nun genau bei solchen aufwertenden Entwicklungen für kleine Leute mit ihrem eingeschränktem juristischen und demokratischen Mitspracherecht zum Stolperstein..

    Zur besagten Gesetztesänderung:
    Das Abbruchschutzgesetz hatte „Milieuschutz“ -günstiger Wohnraum muss durch weiterhin günstigen Wohnraum ersetzt werden-, das WRFG hat lediglich die Regelung „Wohnfläche muss ersetzt werden“ -egal ob sie neu zu Luxuskonditionen vertickt wird..

    ..me munklet: WRFG-Fürsprecher*innen der SP profititerten selbst,privat durch diese Gesetztesänderung (Jurist*innen welche Investor*innen vertreten undso..)

    Überlegung; das Problem liegt darin wie die Stadt begriffen wird:
    Die Stadt ist kein Unternehmen, kein Wirtschaftsraum der optimiert werden will, die Stadt ist ein Gemeinwesen!

    Unter dieser Wahrnehmung der Stadt sollte horizontal und bedürfnissorientiert von der gesamten! Bevölkerung über den Lebensraum entschieden werden!

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  5. Solange diese Misere mit dem Negativzins andauert zu mso mehr werden wir damit konfrontiert dass Leute mit Geld Alternativen suchen umes anzulegen. Da sind Immobilien ein gefundenes Fressen.
    Dass sich Zürcher Immobilien Haie einen Deut darum kümmern was damit geschieht, resp. was das für das Stadtbild bedeutet dürfte ja klar sein.
    Die verkaufende Gesellschaft, Familie oder was auch immer will einfach den gröstmöglichen Erlös.
    Etwas anderes in der heutigen Zeit zu erwarten ist schlicht naiv.
    Wie heisst das Sprichwort: Der Pestalozzi ist gestorben.

    Ich werde diese Beiz sehr vermissen, viele Jahre habe ich das gute Essen, den guten Wein und die tolle und familiäre Bedienung genossen.
    PS: kann mir jemand sagen warum man das Haus neu gestrichen hat, da man es abreißen will?
    Warum braucht es in dieser Gegend Luxuswohnungen?
    Es geht um nichts anderes um Geld zu vermehren.

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  6. Die „Generation Döner-Bude“ wirds verschmerzen. Und wenn dann am Platz noch eine Buvette aufgestellt wird, dann läuft das Stadtleben wieder in die richtige Richtung. Hauptsache es hat genug Platz für den Wegwerfgrill.

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  7. da bin ich der gleichen meinung
    war halt eine gute gelegenheit darauf hinzuweisen, dass wir für mehr günstigen wohnraum halt auch auf dinge verzichten müssen.
    das dilemma hat sich ja z b bei der stadtrandentwicklung contra schrebergärten gezeigt

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