Das Kostüm an der Kunstauktion

Kostüme sind teuer, können aber auch ganz schön was einbringen, wie die legendären Filzkostüme der Clique Alti Richtig, die von Joseph Beuys signiert wurden.

Das legendäre Filzkostüm der «Alti Richtig». (Bild: Galerie Kornfeld)

Kostüme sind teuer, können aber auch ganz schön was einbringen, wie die legendären Filzkostüme der Clique Alti Richtig, die von Joseph Beuys signiert wurden.

Nicht immer treiben die Fasnachtskosten die Betroffenen an den Rand des Ruins. Es gibt auch Beispiele dafür, dass sich die Investition in ein Kostüm durchaus lohnen kann. Zugegeben, wir wissen nur von einem, allerdings einem sehr ausgefallenen und augenfälligen. Im Jahr 1978 spielte die Clique Alti Richtig den damals vielerorts als Skandal empfundenen Ankauf der Installation «Feuerstätte» von Joseph Beuys aus – ein Sujetvorschlag, der übrigens von zwei jungen Architekten mit Namen Jacques Herzog und Pierre de Meuron eingebracht worden war.

Als Kostüme liessen sich die Cliquenmitglieder nach Beuys’schem Vorbild Anzüge aus grau-braunem Filzstoff fertigen. Daraus entwickelte sich eine der Legenden, auf welche die Basler Fasnachtswelt heute noch stolz ist. Beuys persönlich liess sich zu einem Besuch der Fasnacht überreden. Und im Rahmen eines Happenings schuf er aus Requisiten und einigen Kostümen die «Feuerstätte II», das heute als Original zur bedeutenden Beuys-Sammlung des Kunstmuseums Basel gehört.

Wertvermehrende Signatur

Die meisten der in der «Feuerstätte II» integrierten Kostüme mussten aber nachträglich nachgeschneidert werden. Denn viele der Cliquenmitglieder mochten ihre Anzüge nicht hergeben: Beuys hatte die Kostüme nämlich signiert und sie damit zu Quasi-Originalen veredelt – ein Akt, der sich als ausgesprochen wertvermehrend herausstellte, wie man einem Auktionskatalog der Berner Galerie Kornfeld entnehmen kann.

Dort findet sich als Katalognummer 746 ein «Filzkostüm für die Basler Fasnacht 1978 (…) nach Joseph Beuys» – «Sauber in der Erhaltung, mit Spuren des Gebrauchs während zweier Fasnachtstagen, am linken Bein von der Trommel durchgescheuert» zu einem Schätzpreis von 20 000 Franken! Geht man davon aus, dass die ursprünglichen Herstellungskosten vielleicht 300 Franken betragen haben, dürfte dieser Gewinn viele der nachfolgenden Fasnachtskosten spielend gedeckt haben.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 15.02.13

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