Der «Backwaren Outlet» gibt nicht mehr ganz frischem Gebäck eine zweite Chance

Hinter dem Bahnhof SBB hat ein «Backwaren Outlet» eröffnet. Mit dem Weiterverkauf von ausrangierten Backwaren kämpfen die Betreiber gegen «Foodwasting».

Der «Backwaren Outlet» an der Güterstrasse ist eröffnet.

(Bild: Sebastian Wirz)

Hinter dem Bahnhof SBB hat ein «Backwaren Outlet» eröffnet. Mit dem Weiterverkauf von ausrangierten Backwaren kämpfen die Betreiber gegen «Foodwasting».

Was Berto Dünki mit seinem Team verkauft, hätte eigentlich alles das gleiche Schicksal erleiden müssen: «All das wäre Abfall!», sagt Dünki und zeigt auf die gut gefüllten Brotkörbe und die Vitrine seines Ladens. «Foodwasting» werde selten so sichtbar wie im «Backwaren Outlet». Hier landet, was bei regionalen Bäckereien nicht über die Theke gelangte.

Geschäftspartnerin Ursula Moser weist darauf hin, dass die Auslage deutlich voller sein könnte. Der Chauffeur, der jeden morgen in aller Herrgottsfrühe unterwegs sei, hole bisher erst bei einem Viertel der 20 beteiligten Bäckereien ausrangierte Waren ab.

Gemäss foodwaste.ch landet mehr als die Hälfte der in der Schweiz produzierten Brot- und Backwaren im Müll. Die Gründe dafür liegen bei Produktion und Gastronomie, zu einem grossen Teil aber auch bei den Konsumenten.

Gut aufgenommen von den Bäckereien

Oft werden Backwaren weggeschmissen, die problemlos geniessbar wären. Hier setzen die Betreiber des «Backwaren Outlets» an.



Der «Backwaren Outlet» an der Güterstrasse ist eröffnet.

Gegen aussen unauffällig: Der «Backwaren Outlet» an der Güterstrasse. (Bild: Sebastian Wirz)

Für ihr Projekt haben sich Moser und Dünki kleinere Bäckereien ausgewählt, oftmals Familienbetriebe. Das Feedback der Bäckereien sei bis auf eine Ausnahme positiv gewesen. Somit war schnell klar: Genügend Ware für den Weiterverkauf aufzutreiben, wird nie ein Problem sein.

Dies, obwohl die Weiterverkäufer im Grunde zur Konkurrenz der Bäckereien werden könnten. Doch das wollen Moser und Dünki verhindern. So habe man etwa die Anfrage einer Kita-Leiterin zurückgewiesen, ihr regelmässig Brot zu liefern. Sie sollte weiterhin das Brot bei ihrem regionalen Zulieferer bestellen. Der neue Laden an der Güterstrasse wolle den anderen Bäckereien nicht die Kundschaft strittig machen, betont Moser.

Spendensystem für das kleine Portemonnaie

Zu den Kunden des «Backwaren Outlet» gehören vor allem Gundeldinger Anwohner und Pendler. Diese fänden die Idee des Outlets super, manche würden gar anbieten, selber ehrenamtlich mitzuwirken.

Auf Freiwillige setzen Dünki und Moser aber nicht. Inklusive Chauffeur haben sie fünf Personen angestellt. Die Angestellten sollen stets Menschen sein, die ihren Lebensunterhalt bereits seit einiger Zeit nicht mehr selbst finanzieren können, und sie sollen sozialverträgliche Arbeitsbedingungen vorfinden.

Sozial ist auch das System, mit dem Menschen mit wenig Geld im «Backwaren Outlet» zu ihrem Gebäck kommen können. Am Kühlschrank kleben unzählige Post-its, auf denen kleinere Geldbeträge geschrieben stehen. «Wenn jemand etwas spenden möchte, kann er oder sie Geld bezahlen und den Betrag auf ein Post-it schreiben. Wenn nun ein Kunde kein Geld hat, kann er mit dem Post-it bezahlen», erklärt Moser.



Der «Backwaren Outlet» an der Güterstrasse ist eröffnet.

Farbige Ecke und Platz zum Sitzen: Hier sollen sich Ausstellungsobjekte abwechseln. (Bild: Sebastian Wirz)

In einer Ecke des mit Secondhand-Möbeln eingerichteten Lokals werden momentan Restposten des Vereins für Sozialpsychiatrie Baselland ausgestellt und verkauft. Später sollen auch andere Institutionen ihre Erzeugnisse verkaufen können.

Wie die Ausstellecke werden auch Sortiment und Öffnungszeiten variabel sein. Beides richtet sich nach den Waren, die das Outlet von den Bäckereien erhält. Mal gibt es mehr Dessert, mal mehr Sandwiches, mal mehr Gipfeli, mal mehr Vollkornbrote. «Und wenn wir um 14 Uhr nichts mehr haben, dann schliessen wir einfach», sagt Dünki.

Was aber passiert, wenn nach dem geplanten Ladenschluss um 18.30 Uhr nicht zu wenige, sondern zu viele Backwaren im Laden sind? «Dann gehen wir zur Tramhaltestelle hinter dem Bahnhof, und mancher Pendler nimmt gerne ein Brötchen, ein Sandwich oder ein Gipfeli mit auf den Heimweg», sagt Dünki.



Der «Backwaren Outlet» an der Güterstrasse ist eröffnet.

Der «Backwaren Outlet» an der Güterstrasse ist ab 06.30 Uhr und solange Backwaren da sind geöffnet. (Bild: Sebastian Wirz)

Konversation

  1. super idee fein umgesetzt
    sehr gut hier in basel, direkt am bahnhof fast frische belgte brötchen oder süssgebäck für die arbeitspause kaufen zu können.
    Ein brot für den zmittagstisch stark vergünstigt da kann die familie oder das schülerbudget rasch mal einige hundert franken sparen , und macht noch was vernünftiges für die umwelt.
    Ich wünsche den initianten dieses backwarenoutlets viel erfolg und danke.

    Danke Empfehlen (0 )
  2. Lieber Berto und liebe Ursula,
    Vielen Dank, dass ich bei Euch warten darf bis amigs mein Zug fährt! Und danke vielmals für das Weggli, dass ihr mir geschenkt habt!
    Wanja

    Danke Empfehlen (0 )
  3. ja, ich finde die oulet-bäckerei in basel super und hoffe,dass dieses pionier-projekt schule macht in der schweiz und ganz europa! brot war schon immer heilig und soll es auch bleiben!

    Danke Empfehlen (0 )
  4. Als ich ins BackwarenOutlet eintrete, glaube ich es kaum. Klar ist hier eine phantastische und weitsichtige Idee mit Menschen, für Menschen umgesetzt wird. Aber es ist so angenehm wohnlich. An was liegt es? Das Klavier, die Leute, welche gelassen und nicht im Kaufstripp miteinander reden und dann steht dann noch ein zwei Meter Hüne hinter dem Verkaufstresen. Der passt doch hier nicht rein. Dann noch seine tiefe Stimme, der würde eher mal hinter die Theke einer Hamburger Liederbar gehören. Bald erklärt er das Eine, bald das Andere. Jetzt erklärt er gleich, dass hier ein besonderer Dank an die Baselstädter und die Baselbieter Bäckermeister gehen muss, welche seit Jahren und viel Augenmass und Tradition ein Handwerk pflegen, das zu beachten ist. ‚Richtig‘, meint er, auf die Feststellung, dass er jetzt eben Werbung für seine Lieferanten mache, dann die Kundinnen gleich zuhauf in die Bäckereien abwandern. ‚Richtig, dann sollen dies die Kundinnen machen, BackwarenOutlet versteht sich nicht als Konkurrenz zu bestehenden Bäckereien, sondern als logische Ergänzung mit Rückkoppelungscharakter für die bestehenden Bäckereien. Bei uns wird auch mündlich aktiv Werbung für diesen Berufsstand und die Bäckereien vorgenommen.‘

    Bereits wird er weiter torpediert mit Fragen: Ob er denn eine Institution oder sowas im Hintergrund hat?. ‚Ursula Moser hat mich im Hintergrund, Berto Dünki hat Ursula Moser im Hintergrund. Nicht, dass wir uns wehren, jemanden im Hintergrund zu haben, doch im Moment hat sich leider noch niemanden darum gestritten. Wir warten drauf. Ausser unsere Vermieterin. Die Familie Baccara, die Vermieterin des Hauses, ist uns in vielen Bereichen sehr entgegengekommen. Diese Familie betreibt hier eine Art von Mäzenatentum, welche zu beachten ist. Also auch hier geht ein grosser Dank hin.‘

    Wörtlich mag mein Zitat nicht gewesen sein. Berto Dünki und Ursula Moser mögen mir verzeihen! Doch mögen sie gleichzeitig auch meinen Dank entgegennehmen, für solch viel Gutes, welche sie hier im kleinen BackwarenOutlet-Paradies mit den Aktivitäten ‚Handvoll Mensch und Sie‘ (kostenloser Geburtstagsbrunch für das Geburtstagskind und eine Handvoll Menschen) und dem Hineinstellen des Klaviers und der Post-It-Zettelwand und dem kostenlosen Nutzen des Projektecken MIT zusätzlichem Schaufenster (!) und ganz einfach für Gutes Tun am Menschen. Bereits habe ich zwischenzeitlich gehört, dass sich einige Menschen bei ihnen gemeldet haben, um das BackwarenOutlet zu unterstützen. Hoffentlich melden sich auch viele Menschen, welche bei BackwarenOutlet einkaufen, weil es rund die Hälfte kostet, weil es aktiver Kampf gegen das Foodwasting ist, weil es eine Huldigung der Werke von Baselbieter und Baselstädter Bäckersleut ist und weil es mir hier gefällt!

    Danke Empfehlen (0 )
  5. Dies ist eine ganz tolle Sache. Ein Sozialprojekt, das verschiedene Aspekte unserer Gesellschaft vereint und sich gegen den verschwenderischen und sorglosen Konsum wehrt und ihm etwas entgegen hält. Nämlich ein verantwortungsvolles Konsumieren von Lebensmitteln.
    Nicht der Profit steht im Vordergrund, sondern ein sinnvoller und umsichtiger Umgang mit unserer Ressource Nahrung.
    Bravo, macht weiter so. Ich wünsche euch viel Erfolg mit diesem Projekt

    Danke Empfehlen (0 )
  6. Hier landen Backwaren nicht im Abfall. Ich als ausgebildete Bäcker-Konditorin und als jemand der schon im Outlet Gast war, bin nicht überrascht, dass BackwarenOutlet hervorragende Leckerbissen in reichhaltigem Sortiment anbietet kann. Es werden in Bäckereien Tag für Tag hochwertige Lebensmittel produziert, dabei wertvolle Ressourcen verbraucht und die Produkte werden am Abend einfach weggeworfen. Toll, dass die Bäckersleut dies unterstützen und somit einen aktiven Beitrag leisten um einwandfreie Backwaren, die man noch Essen kann, nicht im Abfall landen zu lassen.

    Doch, es braucht nicht nur Mitarbeitende, es benötigt auch Kundinnen und Kunden. Auch solche, welche bereit sind für ganze Mitarbeiterteams, Schulklassen oder Nachbarschaften einzukaufen.

    Eine tolle Idee und ich wünsche dem engagierten und sehr netten Verkaufsteam, welches mit viel Motivation dem kulturellen Treff „BackwarenOutlet“ eine Persönlichkeit gibt, viel Erfolg.

    Danke Empfehlen (0 )
  7. Als 1. Herzliche Gratulation für die Eröffnung euer Ladens ..

    Dies ist eine grosse Bereicherung für die Einwohner dieses Quartiers.
    Sie bekommen zwei aussergewöhnliche Personen die sich stark sozial engagieren und tolle genüssliche Ware liefern.

    Viel Erfolg für diese engagierten Menschen

    Danke Empfehlen (0 )
  8. am Morgen war ich im BackwarenOutlet und bestellte einen espresso und einen Cafe Creme. Ich bekam zu meinem Erstaunen zwei kleine Tabletts mit je einem Gipfel und den Kaffee drauf und konnte sogar das Kleingebäck nach Zahl und Art nachbestellen und zahlte lediglich für zwei Kaffees und Kleingebäck à discretion sechs Franken !

    Danke Empfehlen (0 )
  9. Cooles Konzept, gratuliere! Endlich mal wieder eine echte Innovation im Food-Retail. Mein Highlight: die Post-it Wand. Habe das mal in einem Pizza-Shop in New York gesehen und dort hat’s echt super funktioniert!

    Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (10)

Nächster Artikel