Der neueste Transfer des FCB spielt sitzend

Der FC Basel steigt in den boomenden Markt des elektronischen Sports ein und nimmt mit dem Zürcher Luca Boller den derzeit besten Schweizer Fussball-Simulationsspieler unter Vertrag. Damit, sagt der Club, böten sich «völlig neue Möglichkeiten, sich einem jüngeren Zielpublikum als Marke zu präsentieren».

Luca Boller: Der 22-jährige Zürcher ist der erste professionelle Gamer, den der FC Basel beschäftigt.

(Bild: fcb.ch)

Der FC Basel steigt in den boomenden Markt des elektronischen Sports ein und nimmt mit dem Zürcher Luca Boller den derzeit besten Schweizer Fussball-Simulationsspieler unter Vertrag. Damit, sagt der Club, böten sich «völlig neue Möglichkeiten, sich einem jüngeren Zielpublikum als Marke zu präsentieren».

Das Communiqué ist ausführlicher als bei jeder Neuverpflichtung eines Spielers in der realen Fussballwelt des FC Basel. Der Club steigt in die E-Sport-Branche ein, gründet ein eigenes Team für die Fussballsimulation «Fifa» und stellt an diesem Freitag an der Mustermesse einen 22-jährigen Zürcher vor.

Luca Boller, ein gelernter Bankkaufmann, gilt als einer der besten Gamer hierzulande und stand bisher bei der deutschen E-Sports-Management-Agentur bPartGaming unter Vertrag. Boller «wechselt per sofort» zum FC Basel, wie es im Fachjargon formuliert ist.

» Die Mitteilung des FC Basel zu seinem E-Sport-Engagement und was Luca Boller dazu sagt

Für den konservativen Teil des Fussballpublikums mag das noch gewöhnungsbedürftig sein, im Schatten des realen Spiels hat sich die virtuelle Fussballwelt aber längst aufgemacht, einen eigenen Markt zu bilden. Und der boomt schier unaufhaltsam, vor allem in Asien, aber auch in Europa. Mit E-Sport wurden in Deutschland 2016 rund 50 Millionen Euro umgesetzt und bis 2020 wird mit 150 Millionen gerechnet.

E-Sport: Lukrativ und auf dem Weg zu Olympia

Es gibt Clubs wie Schalke 04 oder der VfL Wolfsburg, die längst auf den rollenden Zug aufgesprungen sind, andere sind zurückhaltender oder ablehnend wie Borussia Dortmund. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: «Das ist vielleicht modern. Ich finde das komplett scheisse. Es hat sich in der Vergangenheit bewährt, dass wir nicht alles das machen, was der FC Schalke 04 macht.»

Ungeachtet dessen floriert der Markt. Rund um das Fantasy-Rollenspiel «League of Legends», an dem sich der FC Basel nicht beteiligen will, hat der US-Spieleentwickler Riot Games eine hochprofessionelle Liga mit Veranstaltungen in vollbesetzten Fussballstadien hochgezogen. Bei der interaktiven Weltmeisterschaft der Fifa werden im August 1,7 Millionen Euro Preisgeld ausgeschüttet, und an den Asien-Spielen 2022 wird E-Sport eine offizielle Disziplin sein.

FCB-Marketingchef: Die Augen nicht verschliessen

Beim FC Basel hat man 2016 damit begonnen, das Thema E-Sport zu prüfen – und für nützlich empfunden. In einem Interview mit der «bz Basel» sagte Marketing-Direktor Martin Blaser im Januar: «Man kann die Augen vor diesem Markt nicht verschliessen.»

Diese Woche ist bekannt geworden, dass Vermarktungsexperte Blaser den FCB in Richtung InfrontRingier verlassen wird. Zur Einstellung von Luca Boller und dem Aufbau eines Teams sagt Blaser: «E-Sports ist ein spannendes Thema, das einem Fussballclub völlig neue Möglichkeiten bietet, sich einem jüngeren Zielpublikum als Marke zu präsentieren.»

Boller, schon als Jugendlicher einer der besten Gamer mit der von EA Sports entwickelten Fussballsimulation «Fifa» und 20-facher Schweizer Meister, wird seinen neuen Arbeitsgeber unter dem Pseudonym «FC Basel 1893 LuBo» und der Rückennummer 77 vertreten und an diesem Freitag von 17 bis 19 Uhr an der Mustermesse am Stand des FC Basel (Halle 2.2) mit der Playstation 4 sein Können demonstrieren.

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Wie ist das Leben als Profi-Gamer? Luca Boller im Porträt auf «redbull.com»: 40’000 Franken verdient – mit Fifa zocken

Und wie muss man sich so ein Spiel vorstellen? Ein Beispiel-Video:

Konversation

  1. Interessant. Nachdem ich letztes Jahr Mitglied eines Fussballvereins und nicht einer „Fussballmarke“ geworden bin, wird sich weisen, ob diese Mitgliedschaft lange währt.
    Aber der Zuwachs aus der Zielgruppe der Unter-16-Jährigen würde das ja locker auffangen.

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  2. Cool – gibt es da auch die virtuellen Chaoten, die in der Muttenzerkurve zuhause sind ? Wäre ja cool wenn man sich da auch virtuell vor dem Stadion mit den gegnerischen Hooligans kloppen könnte. Und SBB Waggons zertrümmern etc.

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