Die humorloseste Humordebatte aller Zeiten: Was bisher geschah

Tschäppät, Steinegger, Rocchi: Die Schweizer verklagen ihre Komiker. Und führen dabei eine ziemlich fruchtlose Debatte über das Wesen von guter Satire.

Tschäppät, Steinegger, Rocchi: Die Schweizer verklagen ihre Komiker. Und führen dabei eine ziemlich fruchtlose Debatte über das Wesen von guter Satire.

Der vorerst letzte Akt des Schweizer Satire-Streits betrifft einen der Kläger: David Klein, der den Komiker Massimo Rocchi wegen mutmasslichen antisemitischen Äusserungen angeklagt hat, muss sich nun ebenfalls mit einem Strafverfahren auseinandersetzen. Wie «20 Minuten» und «Tele Züri» berichten, ist die Basler Staatsanwaltschaft aktiv geworden und hat ein Verfahren gegen Klein eröffnet, der auf seiner Website regelmässig gegen Muslime hetzte. Unter anderem bezeichnete der Basler Musiker Muslime als die «Nazis von heute».

Wie es soweit kommen konnte: Die Zusammenfassung per Storify. Einen Direktlink zur Zusammenfassung finden Sie hier.

Konversation

  1. Ja, kann sein, dass ich das Wort „Chuzpe“ durch eines ersetzen könnte, dass etwas genauer ist. Tut mir leid, falls Ihnen da meine Wortwahl nicht ganz korrekt vorkommt. Aber man versteht mich schon richtig, oder?
    Man kann ja nicht von jedem verlangen, dass sein Deutsch so gut und präzise ist wie das von Massimo Rocchi, oder? Ich jedenfalls würde mich weder auf die Bühne noch in eine TV-Talkshow wagen.

    Sie, auf jeden Fall, kriegen irgendwann schon noch den „Fleissig-Texte-Zitier-Award“, wenn das auch der Diskussion nicht umbedingt viel bringt.

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  2. 1. Da hat nichts geglüht. Da hat sich einer in einer Fremdsprache verlaufen.

    2. Die «neue Causa Klein» dauert schon Jahre.

    3. Ein erklärter Rassist vergreift sich nicht im Ton, sondern schlägt auf alles ein, das er nicht als seiner Ethnie und seinen eigenen Zielen zugehörig verdächtigt.

    4. Hätten Sie sich mit dem Islam (nein: mit dem Koran) ein wenig beschäftigt, dann wüssten Sie, dass die Auslegung der Schrift etwas anderes ist, als die Schrift selbst.

    5. Ihr Kommentar zeigt ihre Nähe zur «Causa Klein». Mag jeder darüber denken was er will.

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  3. In dieser „Humordebatte“ werden Vergleiche bemüht, die ich für unzulässig halte und die die Diskussion verwässern.
    Tschäppät und Steinegger gehören nämlich nicht zum gleichen „Fall“ wie Rocchi und Klein und ich staune, wie viele Leute dies nicht wahr nehmen können oder wollen.
    Tschäppät und Steinegger haben einfach Kabarett gemacht, das politisch nicht korrekt ist. Man kann es gut oder schlecht finden, aber darf es auf keinen Fall ernst nehmen. Denn es ist immer klar erkennbar ein Versuch gewesen, humorvoll zu sein. Dass Tschäppät „nebenher“ auch noch Politk macht, spielt eine untergeordnete Rolle und natürlich beschädigt er seine Glaubwürdigkeit als Politiker mit solch schlechter Comedy. Klar wird ausserdem: Der Mann hat natürlich ein narzisstisches Problem…

    Anders liegt der Fall bei Rocchi und Klein, die „es“ ernst gemeint haben. Dabei spielt es dann keine Rolle, dass Rocchi Kabarettist ist von Beruf. Sein Interview in der „Sternstunde“, die keine war, war ganz sicher nicht als Kabarettnummer gedacht und das war jedem Zuseher jederzeit völlig klar.

    Ein paar Wohlmeinende plädieren hier nun dafür, Rocchi zu verzeihen, dass er sich in einer Fremdsprache verbal vergaloppiert habe. Das ist aber Quatsch. Denn Rocchi hat seit vielen Jahren die Chuzpe, als deutschsprachiger Kabarettist auf zu treten. Er masst es sich an, mutet es sich zu, mutet es dem Publikum zu, dass er gut genug Deutsch könne, um einen Abend AUSSCHLIESSLICH mit Sprachwitz zu bestreiten. Auch hat er „die Eier“, in eine Gesprächssendung im TV zu gehen, die das Wort „Philosophie“ im Titel und als Anspruch vor sich her trägt.
    Also, Rocchi kann wirklich verdammt gut Deutsch und will damit ernst genommen werden. Da kann von „Fremdsprache“ einfach nicht mehr die Rede sein.

    Nun wird hier hämisch gefragt, wo dann all die Leute geblieben sind, die David Klein unterstützt haben, als er Rocchi anzeigte.
    Ja, das ist ein Problem. Ich meine nach wie vor: David Klein hat recht gehabt, Rocchi an zu zeigen.
    Aber natürlich bin ich jetzt schockiert über Kleins rassistische Aussagen auf Facebook. Von denen wusste ich nichts, denn ich bin nicht auf Facebook.

    David Kleins Glaubwürdigkeit hat natürlich ganz, ganz gewaltig gelitten seit bekannt wurde, wie pauschal und herabwürdigend er dort über „die Muslime“ urteilte. Sehr schade. Hätte er geschrieben: „Die Taliban und Al Khaida sind die Nazis unserer Zeit“, dann wäre ich voll damit einverstanden gewesen. Aber so …

    Dennoch: In der Sache Rocchi hat David Klein recht. Rocchi hat sich rassistisch geäussert und ist nun zu feige,dazu Stellung zu nehmen.

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  4. «Chuzpe [xʊtspə], auch Chutzpe (aus dem jiddischen חוצפה [chùtzpe] von hebräisch חצפה [chuzpà] für „Frechheit, Anmaßung, Dreistigkeit, Unverschämtheit“ entlehnt) ist eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit.

    Im Hebräischen enthält der Begriff eine negative Bewertung für jemanden, der die Grenzen von Höflichkeit und/oder Anstand aus egoistischen Motiven überschreitet.

    Im Jiddischen und in den meisten europäischen Sprachen schwingt Anerkennung für eine Form sozialer Unerschrockenheit mit. Hier spricht man insbesondere von Chuzpe, wenn jemand in einer eigentlich verlorenen Situation mit Dreistigkeit noch etwas für sich herauszuschlagen versucht.» (Wikipedia)

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  5. «Massimo Rocchi (* 11. März 1957 in Cesena, Italien) ist ein italienisch-schweizerischer Schauspieler und Komiker, der in Basel lebt.»

    «Die ersten Programme waren rein pantomimisch, bevor er sich zum sprechenden Pantomimen und zum Sprachakrobaten entwickelte. Immer noch spielt er nicht nur mit der Sprache sondern beherrscht auch die Körpersprache. Massimo Rocchi karikiert in seinen Bühnenshows gerne Nationalitätenklischees sowie sprachliche Eigenheiten und Absurditäten. Er benutzt dabei Deutsch (Hochsprache und Schweizer Dialekt), Französisch, Spanisch und Italienisch; oft wechselt er die Sprache innerhalb eines Programms.» (Wikipedia)

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  6. «Das ist also bei Freud sehr nah – ich entschuldige mich, aber ich sage das – an jüdischem Humor gibt es immer Zinsen, die jemand verdienen will. Der Jude macht auf Humor, um zu zeigen, dass er Jude ist und dass er Humor hat und dass er nahe bei Gott ist. Der Komiker nicht. Der Komiker will nicht gewinnen. Der Komiker ist Opfer. Der Komiker bleibt Opfer.» (Rocchi)

    «In seinem Buch „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“ (in dem er auch für den hier beschriebenen Humor den Begriff „Judenwitz“ verwendet) schreibt Sigmund Freud:

    Die Witze, die von Fremden über Juden gemacht werden, sind zu allermeist brutale Schwänke, in denen der Witz durch die Tatsache erspart wird, dass der Jude den Fremden als komische Figur gilt. Auch die Judenwitze, die von Juden herrühren, geben dies zu, aber sie kennen ihre wirklichen Fehler wie deren Zusammenhang mit ihren Vorzügen, und der Anteil der eigenen Person an dem zu Tadelnden schafft die sonst schwierig herzustellende subjektive Bedingung der Witzarbeit.» (Wikipedia)

    Rocchi ist nicht Freud, aber ein Fremdsprachenvirtuose ist er offensichtlich auch nicht, und ich sehe nach wie vor keine Beleidigungsabsicht. Dass er sich als «Komiker» durchs Leben schlagen kann, ja dafür kann er nichts, dafür sind seine Deutschschweizer Kunden verantwortlich, die so ein bisschen tolpatschiges Tessinerdeutsch für witzig halten.

    «Grock» übrigens war als Komiker ein Weltstar.

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  7. wir haben Ihre Kommentare gekürzt, weil sie gegen unseren Community-Leitfaden verstossen haben, den Sie hier nachlesen können: http://www.tageswoche.ch/de/pages/about/3919/community-leitfaden.htm Wir legen Wert auf eine respektvolle Diskussion. Aus Ihrem Kommentar ging nicht hervor, dass er als Satire gemeint gewesen sein könnte. Gerade im Internet, wo die Diskutierenden auf den Text beschränkt sind, sind Ironie und Polemik oft problematisch, da sie nicht auf Anhieb erkennbar sind. In diesem Sinne wünschen wir eine spannende Debatte.

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  8. Einerseits soll Satire alles dürfen und die Meinungsfreiheit über allem stehen. Andererseits werden hier Statements gekürzt/zensuriert, die sich mit dem Inhalt und den Aussagen des Korans befassen.

    Der Koran ist Kern der ganzen Islam-Debatte. Es muss im Sinne der Meinungsfreiheit aushaltbar sein, dieses Buch als Hetzschrift bezeichnen zu dürfen, die Ungläubigen mit dem Tode bedroht und zur weltweiten Islamisierung aufruft.

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  9. 1. Nix verlaufen, verrannt. Und nein, das ist in seinem Job keine Fremdsprache mehr.

    2. Ich schrieb „neue…“ und die begann mit der Anzeige der Stattsanwaltschaft dieser Woche.

    3. Ich habe Rocchi nicht als Rassisten bezeichnet.

    4. Sie lesen wohl bei einer Betriebsanleitung auch zwischen den Zeilen?

    5. Ich bin gegen jede Form von Faschismus.

    (Von der Redaktion gekürzt. Bitte vermeiden Sie hasserfüllte Sprache und Beleidigungen von Religionen. Danke.)

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