Die Senioren erkämpfen sich einen Teilsieg gegen den Kanton

Die Mieter an der Mülhauserstrasse 26 können einmal tief durchatmen: Die Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten hat drei Mietparteien eine Fristerstreckung gewährt.

Bis zum Herbst 2018 entstehen an der Mülhauserstrasse 26 moderne Wohnungen, die mehr Gewinn abwerfen.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Mieter an der Mülhauserstrasse 26 können einmal tief durchatmen: Die Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten hat drei Mietparteien eine Fristerstreckung gewährt.

Die 91-jährige Margrit Benninger darf noch zwei Jahre in der Mülhauserstrasse 26 wohnen bleiben. Mitte März hatte Immobilien Basel-Stadt sämtlichen 22 Mietparteien im Haus die Kündigung per Ende September 2017 ausgestellt. Die Bewohner wehrten sich: Unter Anleitung des Mieterverbandes Basel-Stadt reichten sie zivilrechtliche Klagen gegen die Kündigung ein. 

Das Einigungsverfahren vor der Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten ging am Dienstagmorgen über die Bühne. Nebst Benninger, die noch bis im September 2018 in ihrer Wohnung bleiben darf, sprach sich die Schlichtungskommission für eine einjährige Fristerstreckung zweier anderer Parteien aus. Die Einsprache einer vierten Partei wurde indes aus formellen Gründen abgewiesen.

Ein Rekurs gegen die Baueingabe ist noch hängig

Die Bewohner seien mässig zufrieden mit dem Urteil und würden sich überlegen, es anzufechten, sagt Beat Leuthardt, Leiter des Rechtsdienstes beim Mieterverband. Die Sanierung, der Grund der Kündigung, sei während der Verhandlung überhaupt nicht zur Sprache gekommen. Gegen die Baueingabe – es sollen Wände eingerissen und Toiletten versetzt werden – ist allerdings ein Rekurs hängig.

Für Leuthardt selbst ist es unverständlich, warum man im Falle der Seniorin Benninger nicht den vollen Rahmen – möglich wäre eine Fristerstreckung von vier Jahren – ausgeschöpft hat. «Angesichts der harten Praxis in Basel-Sadt bin ich aber trotzdem glücklich über den Ausgang des Verfahrens», sagt Leuthardt.



Auf Krawall gebürstet: Eliette Pillonel, Urs Wiget und Margrit Benninger kämpfen um ihre Wohnungen an der Mülhauserstrasse, in denen sie seit 48 Jahren leben.

Lehnten sich gegen die Kündigungen auf: Eliette Pillonel, Urs Wiget und Margrit Benninger kämpfen um ihre Wohnungen an der Mülhauserstrasse, in denen sie seit 48 Jahren leben. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Konversation

  1. Wenn jetzt alles zusammengezählt wird, was das alles kostet (inklusive Mietausfälle durch Verzögerung des Umbaus), dann wäre es wohl billiger gelommen, diese letzten Mieter im Trois Rois unterzubringen.
    Bei künftigen Projekten wäre es wohl sinnvoll, zuerst Ersatzwohnungen für eventuelle Einsprecher zu organisieren. Wobei, es gibt wohl immer mehr Leute in dieser Stadt, deren Geschäftsmodell darin besteht, sich gegen alles aufzulehnen, um sich dann auf Kosten anderer billig durchs Leben zu mogeln.

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    1. „zuerst Ersatzwohnungen“ klar, dass ist der vernünftige Weg, aber Sie können ja niemanden in eine Ersatzwohnung zwingen. Ob ich im Alter von 91 Jahren nochmals umziehen möchte mag ich zu bezweifeln. Ich frage mich zudem wie die Schlagzeile lautet wenn dann in 2 Jahren die Frist abgelaufen ist, dann ist die gute Frau nämlich 93. Wahrscheinlich wird eine Verlängerung um weitere 2 Jahre gefordert – dann wird sie bei Ihrem Auszug 95 sein. Ich hoffe ihre Gesundheit verschlechtert sich im Laufe dieser Zeit nicht, sonst wird das Umziehen noch mühsamer. Dieser Fall zeigt zudem auch exemplarisch warum es jahrelang Leerstände wegen Umbauten geben kann und was dem zugrunde liegt.

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  2. Die Mieter werden seit Beginn dieser Auseinandersetzung instrumentalisiert – einerseits von verschiedenen Exponenten der BastA, anderseits von solchen der Hausbesetzerszene. Klar, mit alten und sympathisch-naiven Mieterinnen und Mieter lassen sich gute wie einseitige Schlagzeilen provozieren. Zieht man indes in Betracht, dass insbesondere die langjährige Mieterschaft aufgrund der unterdurchschnittlich tiefen Mieten in dieser Liegenschaft über Jahrzehnte viele zehntausende von Franken Mietkosten gespart hat, ist das Lamento über die Kündigungen ziemlich überzogen.

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    1. «Unterdurchschnittlich tief» sind diese Mieten heute, im Jahr 2017.

      Vor 40 Jahren waren sie marktüblich (zudem bei einem Hypothekarzins von 5 oder 5.5 Prozent).

      Berücksichtigt man ausserdem, dass in diesen Jahrzehnten kaum investiert wurde und der Standard nachwievor dem damaligen Ausbaustandard entspricht, dann kann man auch heute nicht von «unterdurchschnittlich» sprechen.

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    2. @ Simcha: soweit, so recht. Doch gerade wenn der heutige Ausbau dem Standard vor Jahrzehnten entspricht, kann eine Renovierung so abwegig nicht sein. Wie umfassend diese sein soll, darüber bestimmt hierzulande die Eigentümerschaft – ob einem das passen mag oder nicht.

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