Die Sonne bestimmt den Beat

Weg vom stinkenden Benzingenerator – hin zum solarbetriebenen DJ-Pult im Velo-Anhänger. Was als Master-Arbeit gedacht war, hat sich zum Ecodesign-Projekt entwickelt, welches zeigen soll, dass man Open-Air-Partys auch umweltfreundlich gestalten kann. Zum Beispiel am Samstag im Basler Kannenfeldpark.

Ein mobiles Sonnenkraftwerk sorgt für den Sound. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Weg vom stinkenden Benzingenerator – hin zum solarbetriebenen DJ-Pult im Velo-Anhänger. Was als Master-Arbeit gedacht war, hat sich zum Ecodesign-Projekt entwickelt, welches zeigen soll, dass man Open-Air-Partys auch umweltfreundlich gestalten kann. Zum Beispiel am Samstag im Basler Kannenfeldpark.

Open-Air-Partys auf der grünen Wiese, wie sie immer wieder in den Langen Erlen stattfinden: Solche Happenings verbindet man mit lauten Benzingeneratoren, die mit dem Auto verbotenerweise zum Veranstaltungsort transportiert werden und eine Gefahr fürs Grundwasser darstellen.

Das muss nicht sein, sagte sich Fabian Müller vor sechs Jahren während seines Studiums am Hyperwerk. Für seine Masterarbeit entwickelte der Basler ein kleines mobiles Solarkraftwerk, das mit eigens dafür designten Veloanhägern transportiert wird und den Strom für die DJ-Soundanlage liefert. Das Projekt wurde 2009 mit dem Energiepreis «Faktor 4» prämiert.

Fünf Veloanhänger braucht Müller, um Solarkraftwerk, DJ-Equipment und Partyzelt zu transportieren. Gefahren wird mit E-Bikes, um den Kraftauwand der Velofahrer auf ein Minimum zu reduzieren. «Wir mussten bei der Auswahl des Equipments auf die Qualität, effiziente Technologien, aber auch auf das Gewicht achten. Jeder Fahrer transportiert in seinem Anhänger rund 80 Kilo.» 

Lustvolle Aufklärung

Nomatark heisst der Verein, den Müller für die Bewirtschaftung seiner Erfindung gründete. Das Kernteam, das sich meist ehrenamtlich einsetzt, besteht aus zehn Freunden. «Ziel unserer Arbeit ist, dass wir das Thema Nachhaltigkeit und Energie auf eine lustvolle Art und Weise vermitteln wollen – ohne mahnenden Zeigefinger. Es freut uns, wenn junge Besucher realisieren, dass der Strom von unserem Solarkraftwerk stammt und vor Ort aus Sonnenenergie umgewandelt wurde.»

Erlebnisorientierte Kommunikation von Nachhaltigkeitsthemen käme bei jungen Menschen gut an, sagt Müller. Aus diesem Grund habe Nomatark auch eine mobile Solarwerkstatt entwickelt, bei der ganze Schulklassen mit praktischen Experimenten das Thema Energie begreifen sollen. «Unter anderem haben wir einen Velogenerator gebaut, der durch Muskelkraft einen Vergleich verschiedener Leuchtmittel ermöglicht.» Den kann man am Samstagvormittag im Basler Kannenfeldpark testen.

Neben der Sensibilisierung erfolgt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema, welche spielerisch mit Solarbausätzen, einem Watt-Schatten-Werfer, einem Solarkocher und einem Energie-Memory erfolgt.

Gönner gesucht

«Für die Realisierung des Projektes hat es sehr viel Herzblut und private Investitionen gebraucht», sagt Müller. Da es aber um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema gehe, habe Nomatark im Laufe der Zeit auch Unterstützung von Stiftungen und wissenschaftlichen Partnern erhalten, die sich für das Thema Nachhaltigkeit einsetzen.

Um aber gerade auch laufende Kosten wie die Wartung der Velos und des Equipments, die Lagerung und die Administration des Projektes zu decken, braucht Müller mehr Geld. «Wir sind auf der Suche nach Gönnern», sagt er. 

Wie es klingt, wenn Sonnenenergie Strom für eine Party umwandelt, kann man im Rahmen der Basler Umwelttage Basel am Samstagnachmittag im Kannenfeldpark erleben. Müller möchte künftig noch mehr Party- und Musikfestival-Besucher mit dem Projekt vertraut machen. «Wir planen eine ganze Festivaltour, damit wir im Sommer 2016 mit unserem solarbetriebenem Partyequipment ein breites Publikum erreichen können.»


«Sonnenklänge im Kannenfeldpark» startet am Samstag, 6. Juni, um 14 Uhr. Bereits ab 10 Uhr können die jüngeren Besucher im Basler Kannenfeldpark in der mobilen Solarwerkstatt in die Pedale des Velogenerators treten. 

Konversation

  1. Es gibt junge Leute, die schmieren ihre nichts sagenden, stupiden Parolen auf renovierte Hauswände und verhalten sich wie Hunde in Menschengestalt, die überall markieren müssen.
    Und es gibt junge Leute, die Ihren Lebensstil mit sinnvollen Entwicklungen selbst sichern wollen. Und vor diesen habe ich allergrössten Respekt. Den im Artikel beschriebenen Entwicklern würde ich es von Herzen gönnen, sie bekämen von anonymer Daigseite ein paar Milliönchen, um ihre praktisch bereits bewährten Ideen definitiv wirtschaftlich umzusetzen.
    Leider ist aber eine Open-Air-Party kulturell längst nicht

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