Dreikönigstag ist mehr als Kuchenessen

Weihnachten ist vorbei, die Geschenkli sind verteilt, die Christbäume entsorgt, die Lichterketten abgenommen. Für viele jedoch steigt am 6. Januar erst das grosse Fest.

Die Heiligen Drei Könige in Stans (Bild: Keystone)

Weihnachten ist vorbei, die Geschenkli sind verteilt, die Christbäume entsorgt, die Lichterketten abgenommen. Für viele jedoch steigt am 6. Januar erst das grosse Fest.

Am 6. Januar werden sie wieder aufgetischt, die Königskuchen. Es gibt sie zwar schon seit einigen Tagen zu kaufen, aber vor dem Dreikönigstag einen solchen Kuchen zu essen, gehört sich irgendwie nicht. Schliesslich macht jeder dieser Kuchen jemanden zum König oder zur Königin – und was ist eine Krönung noch wert, wenn sie alltäglich ist? Kommt hinzu, dass wir in unserer christlichen Kultur diesen Kuchen essen, weil damit die Heiligen Drei Könige geehrt werden, die via Stern von Bethlehem zum göttlichen Kind, das Maria zwei Wochen zuvor geboren hatte, geführt wurden. So die überlieferte Weihnachtsgeschichte im Matthäusevangelium. Und der Dreikönigstag ist nun mal der 6. Januar. Es gibt allerdings unter uns nicht wenige Menschen, denen dieses Datum mehr bedeutet als ein Königskuchen auf dem Zmorge-Tisch.

Verschiedene Kalender

In der Schweiz leben mehr als 130‘000 orthodoxe Christen. Für die meisten von ihnen – für die serbisch- und die russisch-Orthodoxen – ist der 6. Januar Heilig Abend, sie feiern morgen die Geburt Jesu und übermorgen Weihnachten. Das hat damit zu tun, dass die Östlichen Orthodoxen Kirchen (Russland, Serbien, Jerusalem und die Klöster vom Berg Athos) sich immer nach dem julianischen Kalender richten, während unsere Zeitrechnung sich seit 1582 am Gregorianischen Kalender orientiert. Und da die serbisch-orthodoxen Christen die grösse Gruppe der hier lebenden Orthodoxen ausmachen, wird am 6. und 7. Januar in manchen Häusern richtig gross gefeiert. Mit Geschenken und Festessen. Und natürlich mit Gottesdiensten. Besonders an Heilig Abend, sagt Milutin Nikulic, Pfarrer der Serbisch-Orthodoxen Kirchgemeinde Basel, sei die Kirche voll. 

Aber nicht nur für Orthodoxe Christen ist der Dreikönigstag ein bedeutender Feiertag: In diversen europäischen Ländern und auch in einigen Kantonen der Schweiz wird am Dreikönigstag nicht gearbeitet. Das gleiche gilt in einigen deutschen Bundesländern wie etwa bei unseren Nachbarn in Baden-Würtemberg. In Deutschland wird übrigens immer noch der Brauch der Sternsinger gepflegt: Kinder gehen in Gewändern der Heiligen Drei Könige von Haus zu Haus, bringen den Segen und sammeln Spenden für Notleidende. Und das katholische Spanien hält es trotz des Gregorianischen Kalenders mit den Geschenken wie die Orthodoxen: Bescherung ist am Dreikönigstag. Weil die Spanier davon ausgehen, dass sich die Göttlichkeit Jesu nicht durch dessen Geburt offenbarte, sondern durch die Ehrerbietung der Heiligen Drei Könige.

Während also ein beträchtlicher Teil der Welt feiert, sitzen wir in Basel im Büro und mampfen in der Pause ein Stück Königskuchen. Und doch – ein bisschen feierlicher als an einem gewöhnlichen Tag geht es am Abend in der Clara-Kirche zu und her: Dort findet ab 18 Uhr 30 ein Dreikönigsapero für die «Menschen ohne Namen» statt – «für diejenigen, die nie an die Aperos eingeladen werden, die in diesen Tagen für all die wichtigen Personen aus Wirtschaft und Politik ausgerichtet werden», präzisiert Xaver Pfister, Kommunikationsbeautragter der katholischen Kirche Basel-Stadt.

Und wir von der Tageswoche haben den Dreikönigstag zum Anlass genommen, Ihnen in der gedruckten Zeitung etwas zum Thema Monarchie zu lesen zu geben.

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