Dunkin’ Donuts in Basel: Rosa ist nur der Zuckerguss

Zur Eröffnung der ersten Dunkin’-Donuts-Filiale der Schweiz in Basel standen die Menschen Schlange. KFC will bald nachstossen. Doch Branchenkenner räumen amerikanischen Fast-Food-Ketten schlechte Erfolgschancen ein.

Rätselhafter Zeitgeist: Menschen stehen vor der neuen Basler Dunkin'-Donuts-Filiale an.

(Bild: Jonas Grieder)

Zur Eröffnung der ersten Dunkin’-Donuts-Filiale der Schweiz in Basel standen die Menschen Schlange. KFC will bald nachstossen. Doch Branchenkenner räumen amerikanischen Fast-Food-Ketten schlechte Erfolgschancen ein.

Es ist das vielleicht bizarrste Kulturphänomen unserer Zeit: Lässt sich irgendwo eine Weltmarke nieder, schlägt eine irritierend grosse Anzahl Menschen vor den Pforten ihr Lager auf, um vor allen anderen im Laden zu stehen. In Basel geschah das letztmals, als der Apple Store an der Freien Strasse aufging. Und nun also auch, als Dunkin’ Donuts die angekündigte Schweiz-Offensive in Basel einläutete.

Die drei Jungunternehmer hinter Dunkin’ Donuts Schweiz dürften abends eher mit Schampus als mit dem hauseigenen Filterkaffee angestossen haben: Zahlreiche Medien veröffentlichten Bilder der Warteschlange. Bessere Promo geht nicht. Dass die Macher der frittierten Teigkringel die Leute mit einer Gratisaktion geködert hatten – die ersten Käufer erhielten eine Jahresration Donuts kostenlos – ging dabei unter. 

Der Start ist Dunkin’ Donuts geglückt, doch leuchtend rosa sind nur die zuckerüberzogenen Backwaren, die Zukunft ist es eher nicht. Bis 2022 will die US-Kette 30 Filialen in der ganzen Schweiz eröffnen. Spruchreif sind erst mal drei, und die Geldgeber dürften genau hinschauen, wie sich diese entwickeln, bevor sie weitere Millionen in die Hand nehmen.

1990 standen noch Tausende Menschen im ersten McDonald’s hinter dem frisch gelüfteten Eisernen Vorhang in Moskau an, um in die grosse Freiheit zu beissen. Heute versprechen die einstigen Kulturexportschlager aus den USA vor allem einen erhöhten Cholesterinspiegel, Karies und ein steigendes Diabetesrisiko.

In den USA kämpfen fast all die Klassiker, von McDonald’s über Dunkin’ Donuts bis zu Kentucky Fried Chicken sinkenden Marktanteilen. In der Schweiz ist das nicht anders. Die Besucherzahlen des Branchenführers McDonald’s waren 2014 rückläufig, der Umsatz blieb nur dank einem weiteren Filialausbau (auf mittlerweile 160) stabil. Burger King Schweiz veröffentlicht keine Zahlen, dürfte aber mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben.

«Donuts haben gegen Kafi und Gipfeli keine Chance.»
Leo Egloff, Gastroberater 

Leo Egloff hat die Systemgastronomie der Verpflegungskette Marché aufgebaut und war in der Konzernleitung von Mövenpick. Heute berät er Gastrofirmen in der Schweiz. Egloff sagt: «Dunkin’ Donuts wird in Ruhe dahinsterben. Darauf hat in der Schweiz keiner gewartet. Vielleicht finden das die Jungen im ersten Moment originell, doch gegen Kafi und Gipfeli haben Donuts mittelfristig keine Chance.» 

Auch Kentucky Fried Chicken (KFC) plant den Eintritt in den Schweizer Markt. Man sei in verschiedenen Städten die Lage am sondieren, teilten die US-Hähnchenpanierer, die ihre Produkte gerne kübelweise an den Konsumenten bringen, unlängst mit. Erst 2004 hatte sich KFC genau wie Pizza Hut noch wegen Erfolglosigkeit aus der Schweiz zurückgezogen. 

Wie verzweifelt ist McDonald’s?

Egloff glaubt auch jetzt nicht an einen Erfolg von KFC: «Die Leute, die das planen, kennen offenbar den Schweizer Markt nicht. Die Konsumenten hier wollen Qualität, sie wollen frische, eigene Produkte und nichts, das vom Band kommt.» 

Erkannt hat das Vorreiter McDonald’s, der in der Schweiz seit einigen Jahren auf Racletteburger, Buletten im Bürli und ähnlich eidgenössisch angehauchte neue Produkte setzt. Ob damit der Niedergang gestoppt werden kann, bleibt fraglich. Egloff meint: «Das ist eine Verzweiflungstat. Damit werden die Prinzipien der Systemgastronomie – überall dasselbe in derselben Qualität – gebrochen.»

«Die Ansprüche der Gäste an Fast-Food-Angebote wachsen stetig.»
Astrid Haida, Gastrosuisse 

Dazu kommt, dass im Fast-Food-Segment neue Anbieter Raum gewinnen, die mit Eigenkreationen und ohne vorbelastetes Image einer US-Billigmarke authentischer auftreten können. Hier sieht Egloff Chancen für neue Restaurants: «Wer kreativ ist, eine hohe Qualität garantieren kann, wer vom Kaufmännischen eine Ahnung hat, aber auch von der Gastronomie, dem stehen in der Schweiz die Türen offen. Es gibt einige Schweizer, die machen das sackstark.»

Ähnlich beurteilt das der Branchenverband Gastrosuisse. Zwar essen immer mehr Schweizer in Schnellrestaurants – der Anteil stieg von 16,6 Prozent 2012 auf 17,9 Prozent 2014 –, profitieren würden aber eher nicht die globalen Multis, sagt Gastrosuisse-Sprecherin Astrid Haida: «Tatsache ist, dass die Ansprüche der Gäste an Fast-Food-Angebote stetig wachsen. Gesunde und vollwertige Lebensmittel, bei denen Herkunft und Herstellung nachvollzogen werden können, sind auch im Fast-Food-Bereich immer mehr gefragt.»

Für bewährte ausländische Fast-Food-Restaurants sei es schwierig, im gesättigten Schweizer Markt Fuss zu fassen: «Zahlreiche neue Fast-Food-Konzepte, die den Bedürfnissen der Gäste nach gesundem Essen Rechnung tragen, bringen Bewegung in den Fast-Food-Markt und erhöhen den Konkurrenzdruck.» Gemindert werden die Erfolgsaussichten durch einen grundsätzlich rückläufigen Markt. Von Jahr zu Jahr würden die Schweizer weniger Geld für auswärtiges Essen ausgeben.

«Die Besucherfrequenz ist stark gesunken.»
Maurus Ebneter, Wirteverband 

Dieselbe Beobachtung hat auch Maurus Ebneter gemacht, Sprecher des Basler Wirteverbands: «Die Besucherfrequenz an gewöhnlichen Tagen ist stark gesunken. Das ist nur an Toplagen anders, aber dort sind die Mietpreise kaum bezahlbar.» Den neuen Fast-Food-Importen räumt er gleichwohl Chancen ein. «Wer seinen Betrieb professionell führt und mit einem klaren Konzept operiert, hat in Basel Chancen.»

(Bild: Gastrosuisse)

(Bild: Gastrosuisse)

Konversation

  1. Meiner Meinung nach hat Dunkin´Donuts eine gute Chance in der Schweiz. Natürlich kann man sich schnell einen Donut an der Tankstelle oder in der Migros besorgen, jedoch sind sie nicht mit den Dunkin´Donuts vergleichbar. Nicht nur vom Aussehen her, sondern auch vom Geschmack her, gibt es Unterschiede zwischen den herkömmlichen Donuts und den Dunkin´Donuts. Ein grosser Minuspunkt für die Fast-Food-Kette ist der Preis. Der wird viele Jugendliche nicht erwerbstätige davon abschrecken sich dort einen Donut zu kaufen. Und dann geht es mit ihnen ab nach Deutschland in einen anderen, vielleicht sogar den gleichen Fast-Food-Laden.

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  2. Vor kurzem blieb mein Blick an einem Werbeplakat hängen, auf dem ein Stück Engadiner Nusstorte mit einem Loch in der Mitte abgebildet war. Mit dem Resultat dass ich mir dachte: Hmmmmmm!, in so etwas könnte ich auch wieder mal herzhaft reinbeissen. (Und sie bräuchte noch nicht mal zuerst gelocht werden, die Nusstorte…)

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  3. Ein gelegentliches „guilty pleasure“ in Kringelform ist innerhalb der permanenten Verblödungsmaschinerie, durch die wir von der Foodindustrie getrieben werden, nun wirklich kein Grund mehr für Sodbrennen. Wer den branding-geilen Pulk aus traurigen Konsumenten verachtet (und das tu`ich mit Genuss), darf all die anderen Gründe für unser karzinogenes Fressverhalten nicht vergessen: Von Fertigsaucen, mit denen man Holzbretter laminieren könnte, über einen durchschnittlichen Salzkonsum, wie er zum Pökeln von Heringen aufgefahren wird, bis hin zu Sommerhits von Bell („tsch-tsch!!!) – wir habern uns auch ohne Glitterstreusel auf frittiertem Teig mit Vollgas in den Tod.

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  4. Die Amerikanisierung unseres Lebensstils nimmt schon länger und immer mehr Einzug.
    Sei es in Sachen Fast(Junk)-Food, Neoliberalismus, in dem nur noch das Geld zählt.
    Über die Tech Giganten wie Google, Apple etc. witd zwar immer wieder gelästert, aber kaum kommt ein neues Handy auf den Markt, stehen wir Schlange um ja dabei zu sein. Jetzt stehen sie schon Schlange wegen einem Donut…
    In der Politik sind wir auch seit Jahren daran die Amis zu kopieren.
    Die Tea Party gibts ja auch bei uns und wäre es möglich in der Schweiz einen Milliardär als Präsidenten zu wählen, wäre das Trump Double auch bereit.
    Der Rassismus der in den Staaten nie aufgehört hat zu existieren und in den letzten Jahren wieder des öfteren in Erscheinung trat, ist ja auch bei uns ein Thema.
    Die Faszination der Tellerwäsch Karriere scheint immer noch in vielen Köpfen zu spucken, obwohl es sicherlich viel mehr am Schluss ohne oder kaputenTeller dastehen als mit.
    Aber es ist doch so schön zu träumen, vor allem wenn wir die Helden sind im Traum.

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  5. Seit einigen Monaten weile ich auf der fernen Britischen Insel, in Gloucester. Hier sind Ketten wie KFC sehr beliebt. Was ich hier beobachte ist ein Verlust von jeglicher Verhältnismässigekeit, was gesund ist, was nicht. Jamie Oliver versucht zwar Gegensteuer zu geben, aber dieser Fastfood-kult richtet, so wie ich das sehe, grossen Schaden an. Essen ist ein unglaublich wichtiger Bestandteil unserer Kultur und diese übersalzten, malträtierten Hühnerbeide haben nun wirklich überhaupt nichts in der Schweiz verloren…

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    1. KFC ist übrigens die erfolgreichste Kette in China – weil sie es ihren Franchise Unternehmern erlaubt auf den lokalen Geschmack einzugehen. Deshalb sind die Gerichte von KFC (je nach Gebiet in diesem Riesenreich) sehr unterschiedlich. Und da die Chinesen sehr wählerisch sind beim Essen (Qualität ist wichtig) und da das Essen in solchen Ketten-Restaurants dort (verglichen mit andern lokalen Restaurants und den Garküchen) teuer ist, beschränkt sich das Angebot bei KFC nicht auf Poulet.

      Vielleicht gilt dies (mit dem lokalen Geschmack) auch für Gloucester, England. Und vielleicht hat man dann eben eher Pech gehabt wenn man sich dort in ein KFC begibt.

      Vielleicht sollten Sie KFC in Chengdu, Sichuan, China mal probieren!

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  6. Nach zwei Jahren wollen sie Gewinne schreiben. Bis in einem Jahr merken sie, dass dieses Ziel nicht erreichbar sein wird. Kurz danach werden sie einen Nachmieter für ihre Räumlichkeiten suchen.

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  7. Due Mc Donaldisierung nimmt seinen Lauf. Unsere Innenstädt werden homogen und langweilig. Weniger Platz für Differenzen.

    Es würd mich freuen, wenn diese Fast Food Ketten keinen Anklang finden!

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  8. Hat es Pizza Hut vor einigen Jahren nicht auch mal in Basel versucht?
    Einmal probiert, eher unterdurchschnittliche Qualität mit eher höheren Preis – nie wieder hin gegangen. So wie mir ist es vermutlich auch anderen gegangen, die gibt es glaube ich nicht mehr in Basel.

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