Ein Basler unter Beduinen und Mekka-Pilgern

Als Ibrahim ibn Abdallah wollte Johann Ludwig Burckhardt vor 200 Jahren das Innere Afrikas erforschen. Nun gedenkt Basel eines Entdeckers, der starb, bevor er seine Pläne verwirklichen konnte.

Der Basler Kaufmannssohn Johann Ludwig Burckhardt als indischer Kaufmann Ibrahim ibn Abdallah. (Bild: © Historisches Museum Basel)

Johann Ludwig Burckhardt wurde 1784 – wenige Jahre vor dem Ausbruch der Französischen Revolution – geboren. Sein Vater Johann Rudolf Burckhardt lehnte deren Ideen ab. Als 1798 in Basel die revolutionären Kräfte an die Macht kamen, beschloss er, Johann Ludwig nicht das Basler Gymnasium besuchen zu lassen. Stattdessen schickte er ihn in ein Internat in Neuenburg, das damals noch zu Preussen gehörte. Anschliessend liess er den Filius in Leipzig und Göttingen neben Sprachen und Geschichte Jurisprudenz studieren.

Nach Abschluss der Studien zog Johann Ludwig Burckhardt nach London, wo er die diplomatische Laufbahn einschlagen wollte. Nachdem entsprechende Bemühungen keinen Erfolg hatten, fand er eine Anstellung bei der British Association for Promoting the Discovery of the Interior Parts of Africa. In deren Auftrag sollte er sich in Kairo einer Karawane anschliessen und den Handelsweg nach Timbuktu erkunden.

Aus Burckhardt wird Scheich Ibrahim

Auf seine Forschungsreise bereitete sich Burckhardt gründlich vor. Dazu gehörte es auch, dass er Arabisch lernte. Und so wurde aus dem Basler Kaufmannssohn der indische Kaufmann Ibrahim ibn Abdallah.

Um diese Rolle überzeugend spielen zu können, vertiefte er in den Jahren 1809 und 1810 während eines längeren Aufenthalts im syrischen Aleppo seine Kenntnisse der arabischen Sprache und Kultur. In Aleppo übersetzte er zu Übungszwecken «Robinson Crusoe» ins Arabische und begann wertvolle Handschriften zu sammeln.

In Syrien kam Burckhardt erstmals in Kontakt mit Nomaden, deren Gastfreundschaft und Kultur ihn tief beeindruckten. Die Weiterreise nach Ägypten unternahm er auf dem Landweg. Dabei gelang es ihm, die Felsenstadt Petra zu finden, die seit der Zeit der Kreuzfahrer kein Europäer mehr gesehen hatte.

Tod in Kairo

Der Plan, sich in Kairo einer Karawane ins Innere von Afrika anzuschliessen, erwies sich als schwieriger, als ursprünglich gedacht. Burckhardt nutzte die Zeit daher für verschiedene Reisen, über die er seinen britischen Auftraggebern jeweils Berichte zukommen liess. So unternahm Burckhardt auch eine Pilgerfahrt nach Mekka.

1817 schien es endlich so weit – doch dann erkrankte Burckhardt Anfang Oktober an einer Darminfektion, der er am 15. Oktober erlag.

https://tageswoche.ch/politik/das-grab-des-basler-scheichs/

Aus Anlass des 200. Todestags von Johann Ludwig Burckhardt hat das Historische Museum Basel ein reich illustriertes Buch über Scheich Ibrahim veröffentlicht. Dabei handelt es sich im Kern um eine überarbeitete und erweiterte Fassung einer Schrift von Therese Wollmann, die 1984 zum 200. Geburtstag Burckhardts erschienen war.

Neben dem Werdegang Burckhardts und seiner Orientreise ist ein Kapitel seiner Kindheit im Haus zum Kirschgarten gewidmet, das heute Teil des Historischen Museums Basel ist. Erwähnung findet zudem das Burckhardtsche Landgut Erndthalde bei Gelterkinden, auf welchem die Familie die Sommermonate verbrachte.

Historisches Museum Basel: «Scheich Ibrahim – Der Basler Kaufmann Johann Ludwig Burckhardt (1784–1817) und seine Reise durch den Orient». Christoph Merian Verlag, Basel 2017. 84 Seiten, 20 Franken.

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