Ein geführter Rundgang durch das Klybeckareal

Der Basler Kantonsbaumeister Beat Aeberhard vermittelt auf einem Rundgang durch das Klybeckareal einen Eindruck von den Chancen und Herausforderungen, welche die geplante Transformation vom Industriegebiet zum Stadtquartier birgt.

Backsteinbauten von «hoher architektonischer Qualität».

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Der Basler Kantonsbaumeister Beat Aeberhard vermittelt auf einem Rundgang durch das Klybeckareal einen Eindruck von den Chancen und Herausforderungen, welche die geplante Transformation vom Industriegebiet zum Stadtquartier birgt.

Erster Halt «Gleisharfe», verkündet Roger Ehret, der die Medienführung im Bus durch das Industrieareal Klybeck leitete, an der zahlreiche Medienleute und die Vertreter der drei Arealentwickler BASF, Novartis und Kanton Basel-Stadt Platz teilgenommen haben.

Mit «Gleisharfe» ist eine Art Rangierbahnhof gemeint, dort, wo sich das Areal im Osten an die Wiese schmiegt und mit einem spitzen Ausläufer bis zum Wiesenkreisel stösst. Züge fahren keine mehr durch diesen Teil des Areals, wo sich die ältesten Industriegebäude befinden. Lediglich ein paar angekohlte Tankwagen stehen herum – für Feuerwehrübungen, wie Aufschriften besagen.



Die ausgediente «Gleisharve» mit den Feuerwerhübungs-Waggons und den alten Backsteingebäuden im Hintergrund.

Die ausgediente «Gleisharfe» mit den Feuerwehrübungs-Waggons und den alten Backsteingebäuden im Hintergrund. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Zwischen den Geleisen spriessen Pflanzen, die schützenswert seien, wie Armin Kopf von der Stadtgärtnerei sagt. Er hat auf dem rund 300’000 Quadratmeter grossen Industrieareal viel Schützenswertes aus Fauna und Flora entdeckt. «20’000 Quadratmeter mit wertvoller Substanz», wie er sagt. Und 274 geschützte Bäume, also solche mit einem Stammumfang von mehr als 90 Zentimetern.

Industrieromantik in der Ostecke

Gleich nebenan dürfte das Herz von Dirk Schmid, Bauberater der Basler Denkmalpflege, höher schlagen. Hinter dieser «Gleisharfe» verbirgt sich der wohl idyllischste Teil des Areals mit den ältesten Industriegebäuden. So unter anderem zwei Giebelbauten aus der Frühzeit des Areals (1926/27) und etliche weitere, kleinere und mittlere Bauten mit Backsteinfassaden aus den 1940er- und 50er-Jahren.

«Es sind ehemalige Produktionsgebäude von hohem architektonischem Wert» sagt Schmid, was man auch als Laie gut nachvollziehen kann. Und wohl auch die vielen Beteiligten an der ersten Mitwirkungsveranstaltung für die Bevölkerung im vergangenen September den Wunsch äussern liess, dass möglichst viele dieser Gebäude erhalten bleiben sollen.



Produktionsgebäude aus den 1940er- und 50er-Jahren verströmen Industrieromantik.

Produktionsgebäude aus den 1940er- und 50er-Jahren verströmen Industrieromantik. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Gründer des Vereins Zukunft.Klybeck, die sich unter anderem als Sprachrohr für die Bevölkerung sehen, könnten sich vorstellen, dass in diesem Teil unter anderem ein Kulturzentrum entstehen könnte. Eine Gruppe von Sprayern hat bereits Zeichen gesetzt und bei einer Aktion vor rund drei Monaten ihre Spuren (und Spraydosen) hinterlassen.

Testplanung bis im Juni

Die Bevölkerung wird sich am 17. Juni zum zweiten Mal mit ihren Anliegen in den Planungsprozess einbringen können. Dann werden die Arealentwickler BASF, Novartis und Basel-Stadt die Resultate der Testplanung präsentieren, mit der vier renommierte Planerteams beauftragt wurden. Zusammen mit Landschaftsarchitekten und Verkehrsplanern entwickeln sie in einem Dialogverfahren Szenarien, wie sich die ehemaligen Industrieflächen zu einem gemischt genutzten Stadtquartier umgestalten lassen. Begleitet werden die Planungsteams von Behördenvertretern sowie von externen Fachleuten.

Auch die Basler Denkmalpflege befasst sich bereits intensiv mit dem Areal. Erstrebenswert sei, dass der Charakter des Industrieareals nicht ganz ausgelöscht werde, sagt Schmid. Unter konkretem Denkmalschutz steht noch keines der Gebäude, aber acht bis neun Gebäude seien ins Inventar der schützenswerten Bauten aufgenommen worden, sagt Schmid. Am Schluss könnten es auch mehr sein – je nachdem, ob der Zustand und die möglichen Altlasten eine «Schutzfähigkeit zuliessen.

Faszinierende Räume in der «Tageslichtfabrik»

Auf die Liste der schützenswerten Bauten dürfte es auch die «Tageslichtfabrik» K 90 an der Klybeckstrasse geschafft haben, dem nächsten Stopp auf der Rundfahrt. Das Gebäude der Suter & Suter Architekten aus den Jahren 1952-1957 ist seit 2013 stillgelegt und entkernt worden. Der Bau fällt von aussen durch die mächtigen diagonalen Metallverstrebungen auf, die 2011 zur Erdbebensicherung angebracht wurden.



Unter anderem eine möchtige Galerienhalle mit Ober- und Seitenlicht.

Eine mächtige Galerienhalle mit Ober- und Seitenlicht. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Faszinierend sind die Räumlichkeiten im Innern. Besonders der mächtige viergeschossige Galeriensaal, der mit seinen grossen Seiten- und Oberfenstern sehr viel Licht hineinlässt. Es dürfte eine grosse Herausforderung werden, für diese speziellen Räumlichkeiten neue Nutzungen zu finden.

Novartis-Hochhaus bleibt Novartis-Hochhaus

Dieses Problem stellt sich beim Novartis-Hochhaus, das beim Kopf der Dreirosenbrücke eine wichtige städtebauliche Wegmarke setzt, nicht. Der Bau aus den Jahren 1962-1967, der wie fast 50 Prozent aller Bauten auf dem Areal von Suter & Suter entworfen wurde, bleibt ein Novartis-Bau, wie auch die angrenzenden Gebäude am Rhein – als «Überlaufgefäss» für die Labors und Büros des Campus‘ auf der anderen Rheinseite, wie Markus Oser, Projektleiter von Mitplanerin Novartis, sagt.



Das Novartis-Hochhaus am Rhein bleibt Novartis-Hochhaus als «Überlaufgefäss» für den Campus auf der anderen Rheinseite

Das Novartis-Hochhaus am Rhein bleibt als «Überlaufgefäss» für den Campus auf der anderen Rheinseite erhalten. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Es mag bedauerlich sein, dass das Filetstück am Rhein nicht neu genutzt werden kann. Aber es wird bis zu einem gewissen Punkt ebenfalls Teil des neuen Stadtquartiers werden. «Wir werden das Areal bis zu den Hauseingängen hin für die Bevölkerung öffnen», sagt Oser. Dazu gehört auch die ausgedehnte Grünfläche, die den Weg zu diesem markanten Gebäude säumt. Und auch der direkte Zugang zum Rhein werde möglich sein.

Planungshorizont: 20 bis 30 Jahre

Bis dahin ist aber noch einiges an Geduld gefragt. Die Arealentwickler gehen von einem Planungshorizont von 20 bis 30 Jahren aus. Begrüssenswert wäre, wenn einige Arealteile bereits früher umgenutzt werden könnten. Von einer Zwischennutzung einzelner Bauten wollen die Verantwortlichen aber nichts wissen. «Die leeren Gebäude sind von der Wasser- und Stromversorgung abgekoppelt, auch Heizung gibt es keine», sagt Ferenc Dene, Projektverantwortlicher von BASF.

Dass noch einige Jahre bis zur Entstehung des neuen Quartiers vergehen werden, liegt auch an der Vergangenheit des Areals als Produktionsstandort der Chemieindustrie. Die lange Geschichte des Areals habe zur Folge, dass dort schon produziert worden sei, als die Umweltbestimmungen noch nicht so streng gewesen seien, sagt Livio Ulmann, der sich mit dem Problem Altlasten befasst. Er beteuert, dass man bei 600 Sondierungen aber keine bösen Überraschungen erlebt habe.



Blick vom Novartis-Hochhaus auf das Areal.

Blick vom Novartis-Hochhaus auf das Areal. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Konversation

  1. Die Gebäude und Böden sind wahrscheinlich stark mit Chemikalien belastet. Viele dieser Chemikalien alles andere als Gesund. Da wird wohl sehr aufwendig saniert werden müssen. Ich wäre ehrlich gesagt auch nicht sonderlich erstaunt wenn einzelne Gebäude gar nicht bewohnbar wären.

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