Ein Zirkus von und für Kinder

Auf dem Bruderholz lebt eine Kinderschar die Faszination Zirkus und präsentiert demnächst ihr Können. Die TagesWoche besuchte sie bei den letzten Vorbereitungen zur Premiere am 2. August.

Im QCB arbeiten Teenager mit bis zu sechsjährigen Kindern an den gemeinsamen Nummern. (Bild: Livio Stöckli)

Auf dem Bruderholz lebt eine Kinderschar die Faszination Zirkus und präsentiert demnächst ihr Können. Die TagesWoche besuchte sie bei den letzten Vorbereitungen zur Premiere am 2. August.

Ein Zirkus ist für Kinder nach wie vor etwas Wunderbares. Unter dem hohen Zeltdach lassen sie sich in die phantastischen Welten entführen, wo man unglaubliche Tricks mit Körper und Tieren bestaunt und über schrecklich-komische Clowns lacht. Manche werden die anfängliche Angst vor Clowns nie mehr los – andere wollen am liebsten ewig im Zirkus bleiben.

Weil das nicht geht, verwandelt man halt den eigenen Garten in eine Manege und versucht sein Publikum (Mamis, Papis und Schulfreunde) mit Handständen, Purzelbäumen und Jonglierversuchen zu beeindrucken. Ungefähr so dürfte auch der Quartier Circus Bruderholz (QCB) vor 35 Jahren entstanden sein, der ab nächstem Freitag auf der Wiese beim Wasserturm sein aktuelles Programm «VariArt» präsentiert.

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Der QBC hat sich seither längst zu einem Verein entwickelt und verfügt über ein Zwei-Mast-Zelt mit Platz für bis zu 700 Person. Auch dieses Jahr zeigen dort gut 50 Kinder ihre Kunststücke. Dabei verwandeln sie im diesjährigen Programm das «Stärnlizält» in ein gespenstisches Kunstmuseum und hauchen prominenten Kunstwerken neues Leben ein.

Martina Stöckli ist die Direktorin des QCB. Die 16-Jährige ist bereits seit vier Jahren in dieser Funktion tätig und zieht die Fäden für die laufenden Vorbereitungen. Geduldig erklärt sie die Infrastruktur des frisch eingerichteten Zirkusareals. «Das Zirkuszelt haben wir in einem Tag aufgestellt. Nun müssen wir es noch dekorieren», sagt Stöckli. Auch sonst bleibt noch viel handwerkliche Arbeit zu tun: Von den Essensständen bis zu den Kostümen muss alles in ein paar Tagen fertig sein.

Nebenbei geht es für die QCB-Artisten noch um den letzten Feinschliff ihrer Show. Auf dem Vorplatz der Tituskirche haben ein paar Mädchen Sportmatten ausgelegt. Sie perfektionieren gerade ihre Flick-Flacks. Auch Stöckli muss nach dem Treffen noch zum Training. Sie ist neben ihrem Direktorinnen-Amt nämlich auch Artistin. Diese Doppelfunktion belaste sie aber keineswegs, versichert sie. «Ich habe das ganze Jahr über zwei Stunden Training pro Woche. Und als Direktorin habe ich ja vor allem kurz vor Premiere viel zu tun.»

Von und für Kinder

Ein wenig Unterstützung erhält Stöckli dabei von ein paar «Oldies». Das sind Ehemalige, die dem Kinderzirkus treu bleiben, auch wenn sie altersbedingt nicht mehr aktiv mitmachen dürfen. Nach 18 ist nämlich Schluss mit Showtime. Dann muss man beim QCB seinen Platz dem Nachwuchs überlassen. Nach der eigenen Aktivzeit kann ein «Oldie» noch als Götti für die ganz Kleinen mitwirken, zwecks Sicherheit die Trainings der Kinder beaufsichtigen oder sich zum Beispiel als Präsident oder Kassier um den Verein kümmern.

Der QCB soll ansonsten ein reiner Kinderzirkus bleiben. Nur wo es nicht anders geht, mischen Erwachsene dezent mit. Für das ganze Programm, die Tricks, das Proben und die ganze Organisation sind die 6- bis 18-jährigen Kinder selber verantwortlich, inklusive Trainingslager. Dieser Philosophie blieb man beim QCB treu – auch als in den letzten Jahren drei ehemalige QCB-ler plötzlich erfolgreiche Berufs-Artisten wurden. Etwa Anja Wyttenbach, die es bis zum weltberühmten «Cirque du Soleil» schaffte.

Eine Talentschmiede, in der Kinder von einem Trainer zu Höchstleistungen getrieben werden, will man beim QCB nicht sein. Vielmehr sollen die Kinder dieselbe Freiheit haben, ihren Zirkus so zu gestalten, wie es die QCB-Gründerväter vor 35 Jahren als Kinder vorlebten. So ist der Sprung auf den Profizug für ambitionierte Kinder zwar offensichtlich nicht verbaut, aber der Zirkus bleibt eine Freude für alle.

Plätze sind begehrt

Stöckli gehört zu denen, die für ihre Zukunft andere Pläne haben, als Artistin zu werden. Der QCB bleibt für sie ein «tolles Hobby». Hier trifft sie ihre Freunde, kann neue Tricks erfinden und darf erst noch auf der Bühne stehen. «Ist das Lampenfieber erst mal verflogen, strahle ich nur noch», sagt sie. Genau so soll es sein.

Trotz diesem Freiheitsprinzip beim QCB kann aber nicht jedes Kind mitmachen. «Dafür haben wir leider schlicht zu wenig Platz», sagt Stöckli. Nach der Saison könne man sich aber im Rahmen von zwei Aufnahme-Trainings in verschiedenen Disziplinen ausprobieren. Da kämen jeweils bis zu 200 Kinder, sagt Stöckli. Wer danach die heiss begehrten Plätze im Kinderzirkus besetzen kann, entscheiden die Kinder der QCB-Direktion: «Das ist unheimlich schwierig», sagt Stöckli, «in der Regel diskutieren wir bis spät in die Nacht.» Die Kandidaten müssen talentiert sein; vor allem aber lernbereit, motiviert und QCB-Fan. 

Gefragt, worauf Stöckli in ihrer Zeit beim QCB besonders stolz ist, sagt sie denn auch nicht, «dass ich mit zwölf Direktorin wurde», sondern: «dass ich dabei bin». Noch zwei Saisons bleibt das so. Danach gehört aber auch Stöckli zu den «Oldies» und wird das Zirkusleben nur noch begleitend miterleben können. Wer mit seinen Kindern beim Wasserturm ins «Stärnlizält» schauen will, kann sich insofern schon darauf gefasst machen: diesen Platz will sich dann vermutlich Ihr eigenes Kind ergattern.

Konversation

Nächster Artikel