Eine verlorene Generation: Das Leben der Rohingya-Kinder im Flüchtlingslager

Hunderttausende von Rohingya sind vor der Gewalt in Myanmar ins benachbarte Bangladesch geflohen. In den Flüchtlingslagern von Kutupalong wachsen Kinder ohne Zukunftsperspektiven auf. Der Fotograf Florian Bachmann hat ihr Leben im Lager dokumentiert.

Samila floh mit ihrem 87-jährigen Mann aus einem Dorf an der Küste in Rakhine State, Myanmar. Der Kleine auf dem Bild war damals erst einige Tage alt. Ein weiteres Kind, damals fast zwei Jahre alt, starb auf der Flucht. Das Paar hat noch eine weitere Tochter und Samila ist bereits wieder schwanger. Obwohl in den Camps immer wieder Kinder bei Hausgeburten sterben, will Samila ihr Kind in ihrer Hütte zur Welt bringen. Zurzeit gibt es in Camp 5 in diesem Sektor 598 schwangere Frauen.
Kaleda, 18 Jahre alt, mit ihrer Tochter Jasmin, 9 Tage. Sie hat einen entzündeten Nabelbruch. Bei ihrer Flucht aus Moris Sabir in Myanmar wurde ihr Mann schwer misshandelt und trug bleibende Schäden an der Wirbelsäule davon, er wird nie mehr arbeiten können.
Im RTM Field Hospital sind die meisten Patienten Kinder unter fünf Jahren und Neugeborene. Hautentzündungen, Masern, Pilzerkrankungen, Atemwegserkrankungen und schwerer Durchfall sind die häufigsten Beschwerden. In einem anderen Teil des Lagers sollen Fälle von Polio festgestellt worden sein, berichtet der Arzt Rafid Karim. Vier von fünf der hier behandelten Kinder sind stark unterernährt. 
Shah Alem, 30 Jahre, mit seinem zwei Monate alten Sohn Nuime, der in ihrer Hütte auf die Welt kam. Die Familie hat noch zwei weitere Kinder, ein fünfjähriges Mädchen und einen dreijährigen Sohn. Sie flüchteten im August 2017 aus Shik Dar Para, als die burmesischen Truppen sich ihrem Dorf näherten. Shah Alem ist verzweifelt, er sieht das Lager als seine letzte Lebensstation und hat jede Hoffnung auf eine Rückkehr aufgegeben. Auch für seine Kinder hat er wenig Hoffnung, er denkt, sie werden die Lager nie verlassen dürfen.
Ein Mädchen mit ihrem Bruder auf der Strasse auf einem Höhenzug im Lager von Kutupalong Camp 17.
Jannat Ara, 11 Jahre (rechts) und ihre Schwester Anjuma Begun, 9 Jahre. Sie sind Waisen. Ihr Heimatdorf in Myanmar heisst Tom Bazar. Ihre Mutter starb bereits einige Monate vor dem Ausbruch der Gewalt im August 2017, der Vater wurde von der burmesischen Armee getötet, als sie flüchten wollten, Jannat wurde angeschossen.
Die Narben der Operation von Jannat Ara. Eine Kugel drang in ihren Oberschenkel ein, eine andere streifte das Bein unterhalb. Sie schleppte sich in den Wald, wo ihr Onkel auf sie wartete. Er trug sie drei Tage und drei Nächte bis über die Grenze nach Bangladesch. In Kutupalong wurde sie dann operiert. Sie und ihre Schwester sind schwer traumatisiert, sie leiden unter Alpträumen und Angstzuständen.
Mohammed Alom, 13 Jahre. Er arbeitet als Fischer an der Küste des Golfs von Bengalen in Cox’s Bazar, um ein bisschen Geld für seine Mutter und seine Geschwister zu verdienen. Sein Vater, mit dem er bereits in seinem Heimatdorf in Myanmar als Fischer gearbeitet hatte, wurde auf der Flucht getötet.
Zwei Kinder holen Trinkwasser aus einem Tank an der Hauptstrasse durch das Lager von Kutupalong. Die Behausung der Familie ist ungefähr eine Wegstunde entfernt.
Der Monsun wird die Lage noch schlimmer machen. Das Camp 5/G53 in Kutupalong.
Strassenszene im Camp 5/G53.
Registrierung für Essensausgabe für Neuankömmlinge in Kutupalong, Camp 5.
Kinder beim Koranunterricht in der Madrasa in Camp 5 von Kutupalong. 173 Kinder unter zehn Jahren werden dort zurzeit unterrichtet. Die Bambushütte in der der Unterricht stattfindet, dient auch als Moschee. Der Imam, Abdul Rashid, floh aus seinem Heimatort Dumse in Myanmar, wo er der dortigen Gemeinde als Imam vorstand. Er sagt, die Kinder den Koran und die Traditionen des Glaubens zu lehren, sei seine einzige Aufgabe, die ihm noch etwas bedeutet. 
Das Malnutrition Center for Children in Kutupalong Camp5/G53. In diesem Abschnitt des Lagers werden täglich etwa 25 Kinder in das Noternährungsprogramm aufgenommen. Behandelt werden Kinder unter 5 Jahren, die in die Kategorie SAM (Severe Acute Malnutrion – ernsthafte akute Unterernährung) fallen.
Anstehen für die Essensausgabe. 
Kurs für stillende Mütter im Malnutrion Center.
Die meiste Zeit müssen auch die Kinder arbeiten. Wasser muss oft von weit entfernten Brunnen geholt werden.
Ein kurzer Moment der Freude: Kinder beim Fussballspielen.

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