FCB-Campus: Arbeiter stossen auf Altlasten

Der Boden der Sportanlagen St. Jakob ist mit Schwermetallen verseucht. Die Bauarbeiten am FCB-Campus sind gestoppt.

Grundsteinlegung für den Nachwuchs-Campus des FC Basel im August 2011: Noch ahnte niemand, dass der Boden mit Schwermetallen verseucht ist. (Bild: Sacha Grossenbacher)

Der Boden der Sportanlagen St. Jakob ist mit Schwermetallen verseucht. Die Bauarbeiten am FCB-Campus sind gestoppt.

Noch im August sagte FCB-Ehrenpräsidentin Gigi Oeri, sie sei glücklich, dass einer ihrer grössten Träume bald in Erfüllung gehe. Inzwischen dürfte die Präsidentin der Stiftung Nachwuchs-Campus Basel nicht mehr so ruhig schlafen. Denn auf der Baustelle des FCB-Campus, einem Trainingszentrum für Nachwuchsfussballer, stiessen Bauarbeiter auf Altlasten. Der herbeigerufene Geologe fand in einer ersten Analyse alten Bauschutt und Schwermetalle. Sofort schaltete die Campus-Stiftung das Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) ein.

Noch ist unklar, wie stark der Boden tatsächlich verseucht ist. Ein erstes geologisches Gutachen halten die Verantwortlichen unter Verschluss. Doch solange die Stiftung keine gründliche Analyse vorlegt, kann sie nicht weiterbauen. «Sobald diese Analyse vorliegt, werden wir entscheiden, welche Sanierungsmassnahmen nötig sind», erklärt Adrian Auckenthaler, Ressortleiter Gewässer und Altlasten beim Amt für Umweltschutz und Energie. Im schlimmsten Fall müssten Teile des Bodens auf einer Deponie entsorgt werden.

Überraschender Fund

Der Fund hat selbst die Experten des Kantons überrascht: Denn das Gebiet der Brüglinger Ebene, das in der Grundwasserschutzzone liegt, ist im Kataster des Kantons als unbelastet eingetragen. Das Land gehört seit über zweihundert Jahren Christoph Merian respektive dessen Stiftung und wurde früher nur landwirtschaftlich genutzt, wie der Mediensprecher der Stiftung, Toni Schürmann, erklärt. Schwemmland sei das Gebiet lange Zeit gewesen, also Land, das immer wieder von der Birs überschwemmt wurde und deshalb auch denkbar ungeeignet war für einen industriellen Betrieb. In den 1920er-Jahren habe die Christoph Merian Stiftung (CMS) mit dem Kanton Basel-Stadt einen ersten Baurechtsvertrag abgeschlossen. Dieser nutzt das Gebiet seither für Sportanlagen.

Die Stadt als Sünderin

Der Kanton Basel-Stadt steht denn jetzt auch im Verdacht, für die Altlasten verantwortlich zu sein. In den 1980er-Jahren baute die Stadt nämlich dort, wo jetzt der Campus entsteht, Garderoben. Und alles deutet darauf hin, dass die Stadt damals das Gelände mit Bauschutt aufschütten liess, der jetzt dreissig Jahre später bei den Bauarbeiten wieder zum Vorschein kam. Das städtische Finanzdepartement wollte dazu noch keine Stellung nehmen, bevor nicht das Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie entschieden hat, wie diese Altlasten zu sanieren sind.

Benno Kaiser, Geschäftsführer der Campus-Stiftung, betont, dass der Boden durch den Bauschutt nur minimal belastet sei. «Die gemessenen Anteile an Schwermetall liegen noch weit unterhalb der Grenzwerte», sagt er. Trotzdem habe die Stiftung den Fund dem Kanton gemeldet, weil das Gebiet als Grundwasserschutzzone sensibel sei.

Tatsächlich betrieb die Gemeinde Birsfelden in unmittelbarer Nähe zwanzig Jahre lang ein Pumpwerk. Die regelmässigen Untersuchungen des Trinkwassers hätten kein einziges Mal Anlass zur Sorge gegeben, erklärt der Birsfelder Brunnmeister Rolf Rhyn. «Das Trinkwasser des Pumpwerks war immer einwandfrei», sagt er. Inzwischen steht das Pumpwerk nicht mehr: Es musste dem FCB-Campus weichen.

Birsfelden baut jetzt ein paar Hundert Meter birsaufwärts ein neues Pumpwerk. Trotzdem droht Ärger: Werden in der Umgebung einer Trinkwasserfassung Altlasten gefunden, muss diese saniert werden, auch dann, wenn sich im Wasser nur kleinste Spuren der Altlasten nachweisen lassen. Und selbst dann, wenn die Grenzwerte für Trinkwasser noch weit unterschritten werden.

Wer zahlt die Zusatzkosten?

Erst wenn der Kanton Baselland die konkrete Sanierungsmassnahme verfügt, lässt sich beziffern, wie viel teurer der Neubau deswegen zu stehen kommt. Zuerst müssen jetzt aber die Geologen eine umfassende Analyse abliefern. Gestützt darauf, wird das Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie über die Massnahmen entscheiden. Dann werden sich die CMS als Landeigentümerin, der Kanton Basel-Stadt als mutmasslicher Verursacher und die Campus-Stiftung als Bauherrin an einen Tisch setzen und darüber verhandeln müssen, wer wie viel dieser Zusatzkosten übernimmt.

Trotz dieser schlechten Neuigkeiten soll Gigi Oeri den Campus wie geplant im Jahr 2013 eröffnen können. «Gemäss heutigem Kenntnisstand gibt es keine Verzögerungen beim Bau des Campus», sagt Geschäftsführer Kaiser. Doch um den Zeitplan einzuhalten, dürfen keine weiteren Überraschungen mehr zu Tage treten.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 17.02.12

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