Feinstaub-Grenzwerte in Basel überschritten

In den vergangenen sieben Tagen wurde der Feinstaub-Grenzwert in der Region mehrmals überschritten. Doch Massnahmen wie im Tessin sind laut den Behörden aus mehreren Gründen nicht nötig.

Trotz mehr Feinstaub sind Tempo 80 und Feuerverbot im Freien in Basel zurzeit kein Thema: Damit Massnahmen ergriffen werden, müssen an mehreren Orten mindestens 100 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen werden.

(Bild: Nils Fisch)

In den vergangenen sieben Tagen wurde der Feinstaub-Grenzwert in der Region mehrmals überschritten. Doch Massnahmen wie im Tessin sind laut den Behörden aus mehreren Gründen nicht nötig.

Die Kältewochen bescherten der Region nicht nur Eis und Schnee, sondern auch reichlich Feinstaub. Die Messstation beim St.-Johanns-Platz zeigte etwa am 28. Januar 73 Mikrogramm pro Kubikmeter an. Damit wurde der Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm überschritten. Auch bei der A2 Hard und in Sissach durchbrach die Feinstaub-Konzentration letzte Woche diese Schwelle.



Der Tagesgrenzwert für Feinstaub wurde in den Vergangenen sieben Tagen regelmässig überschritten.

Der Tagesgrenzwert für Feinstaub wurde in den vergangenen sieben Tagen regelmässig überschritten. (Bild: Screenshot)

Während die Ozonbelastung im Sommer ein Thema ist, betrifft Feinstaub die Wintermonate. «In den Hochdruckgebieten wird der Luftaustausch nach oben verhindert», erklärt Markus Camenzind, Leiter Abteilung Luftqualität beim Lufthygieneamt beider Basel. «In dieser Situation können sich viele Schadstoffe anreichern». Dazu trägt bei, dass bei der klirrenden Kälte die Heizungen auf Hochtouren laufen. Weitere Feinstaubquellen finden sich im Strassenverkehr, hier sind es vor allem die Dieselfahrzeuge.

Cheminée-Heizer müssen noch nichts befürchten

Nach einer alarmierenden Feinstaubphase 2006 wurde von den Vorstehern der Umweltämter eine Regelung verabschiedet: Bei einem Messwert von 75 Mikrogramm muss die Bevölkerung informiert werden. Somit schrammte der Messwert im St. Johann nur knapp an dieser Schwelle vorbei.

Sollte sie tatsächlich einmal überschritten werden, wird nach Regionen informiert. Basel müsste sich beispielsweise mit Baselland, Aargau und Solothurn absprechen. Erst ab 100 Mikrogramm ergreifen aber die einzelnen Kantone konkrete Massnahmen. Eine solche wäre etwa die Einführung von Tempo 80. «Diese würde aber Basel-Stadt ohnehin nicht betreffen, da erst auf Baselbieter Boden mit Tempo 100 gefahren werden kann», sagt Camenzind. Weitere Folgen wären ein Heizverbot mit Komfortheizungen wie Cheminées und Schwedenöfen. Auch das Feuern im Freien sowie Feuerwerk wäre dann zeitweise untersagt.

Wetterprognosen sind mitentscheidend

Der Kanton Tessin, der zurzeit unter Feinstaub leidet, hat am Montag bereits solche Massnahmen ergriffen: Auf manchen Autobahnstrecken wurden dort Tempobeschränkungen verordnet. Im Süden des Kantons durfte zudem in öffentlichen Gebäuden nicht über 20 Grad geheizt werden.

Solcherlei ist zumindest jetzt in Basel kein Thema: Damit diese Massnahmen ab 100 Mikrogramm überhaupt bei den Kantonsregierungen beantragt werden können, reicht es laut Camenzind nicht, wenn nur eine Messstation diesen Wert anzeigt – ein einzelner «Ausreisser» bleibt ohne Folgen. Zudem sind die Wetterprognosen ausschlaggebend. Die Massnahmen treten nur dann in Kraft, wenn kein Wechsel in Sicht ist. Da nach dem Wetterumschlag vom Wochenende wieder wärmere Temperaturen und Regen angesagt sind, bleibt wohl Basel von Tessiner Verhältnissen verschont.

Aufatmen kann die Region aber noch nicht: «Der Winter ist noch lang – noch bis im März könnte eine solche kalte Hochdruckphase durchaus nochmals eintreten», sagt Camenzind.

Auffällig dabei ist, dass das Lufthygieneamt ausgerechnet diesen Monat erfreuliche Nachrichten verkündet hat: Beim Feinstaub sind 2016 die geringsten Luftbelastungen seit Messbeginn in den Achtzigerjahren erfasst worden. Auch die Tagesgrenzwerte wurden nicht so oft überschritten wie im Vorjahr.

Konversation

  1. Kann mir mal jemand erklären wieso im Elsass seit 13.02.2017 die Höchstgeschwindigkeit wegen Feinstaubbelastung um 20 kmh gesenkt wurde, und hier in Basel ist das absolut kein Thema? Pennt die Luftschutzbehörde, sind die Franzosen zu Heikel oder ist der Zoll so effizient dass er sogar den Feinstaub nicht in die Schweiz lässt?!?

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    1. Lieber Herr Fadieze

      Laut http://luft-bs-so.ch/messdaten/datenarchiv/abfrage wurden die Feinstaubgrenzwerte seit Anfang Februar nicht mehr überschritten im Kanton Basel-Stadt (und zB bei der A2 in Basel-Land auch nicht), wie ein kurzer Check ergeben hat.

      Ohne jetzt die genauen Verhältnisse im Elsass zu kennen, lässt sich sicher sagen: Die Feinstaub-Belastung kann örtlich sehr unterschiedlich sein und wird auch durch Immissionen vor Ort massgeblich beeinflusst (weshalb Sofortmassnahmen auch etwas nützen). Siehe etwa https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/luft/fachinformationen/luftqualitaet-in-der-schweiz/feinstaub.html

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  2. Da kann Basel machen was es will. Die Autobahn, die ja vorallem dem sinnlosen Güterverkehr zwischen den „befreundeten“ Staaten D und I nützt, ist dem Bund unterstellt. Auch wenn sich der Bund entschliessen würde, etwas zu tun, käme der Aufschrei aus Brüssel, da z.B. mit einem Tropfensystem bei der Landesgrenze je nach Wetterlage die LKWs bis Frankfurt hoch stauen würden. Die Verlagerung auf die Bahn klappt ja seit längerem nicht, da diese zwei Staaten ihren Verpflichtungen nicht nachkommen WOLLEN, weil sie auf weitere Schweizer Gelder spekulieren.

    Man kann schon wieder die virtuellen Stadtmauern hochziehen, das sei den grünen Träumern unbenommen. Dann aber bitte mal einen zünftigen Aufschrei bei Schweinereien wie der Lindan-Vergiftung von Sandkästen durch ungeschützte Deponien in Huningue, auch wenn die ganze Chose mittlerweile einem sogennannt guten Steuerzahler auf CH-Seite gehört.

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  3. Spannend. Elektromobilität fördern und gleichzeitig Parkplätze und Parkhäuser abbauen. Das geht nicht auf.

    LKWs verbieten…wie werden schwerste Lasten bei Baustellen beliefert resp weggefahren. Durch Helikopter?
    Oder folgt ein Verbot vom Baustellen?

    Joester einmal mehr: populistische und null durchdachte Ideen. SVP-Gedankengänge auf links gedreht. Geben sies zu: Sie sind eine satirische Kunstfigur! Ich kaufe Ihnen Ihre Ideen nicht mehr als ernst gemeint ab, so plump und unüberlegt ist sonst nur Herrliberg.

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    1. Lieber Georg

      Mein vorletzter Kommentar hat offenbar gewirkt, immerhin mässigen Sie Ihren Ton, trotz kleiner Beleidigung (satirische Kunstfigur).

      Es ist wohl klar, dass genügend Parkplätze für Elektromobile vorhanden sein müssen.

      Zu meinem „populistischen“ Massnahmenkatalog kann ich nur sagen, dass es sich dabei um ein reines Copypaste der Vorschläge der Deutschen SPD und der Grünen handelt. Verfolgen Sie doch bitte einmal die Feinstaubdiskussion in den Deutschen Städten, welche zugegebenermassen von Linksparteien dominiert werden. Sie werden alle meine obengenannten, „populistischen“ Vorschläge wieder finden und sie sind sogar bereits (zum Teil) umgesetzt. Des Weiteren finden Sie das gleiche auf EU- Ebene.

      Betreffend „LKW-Verbot“ muss ich fairerweise zugeben, dass man nicht über ein eingentliches Verbot diskutiert, sondern um eine weitere, zusätzliche Maut für LKWs für Fahrten in Städte.

      Am Ende geht es um die Gesundheit und um Lebensqualität. Soviel zu Populismus, null durchdachte Ideen und Satire.

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  4. @Simcha
    Auch Allergiker profitieren von einer Reduktion des Feinstaubes, da Feinstaub allergische Reaktionen verstärken kann.
    Übrigens finde ich die Argumentation etwas schwierig. Dass es Luftbelastungen gibt, gegen die man nichts machen kann (zB. Pollen) heisst doch nicht, dass man nichts machen soll, dort wo es eben möglich ist.
    Eigenverantwortung? Natürlich, meine Mutter zB. die bloss noch 40% Lungenkapazität hat, bleibt zuhause. Geht gar nicht anders.
    Trotzdem sollte man doch darum bemüht sein, Schadstoffe möglichst gering zu halten. Oder was spricht dagegen?

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  5. Was ist eigentlich mit den vielen Allergikern da draussen?

    Haben die auch Anspruch auf „angeordnete Massnahmen“, oder ist ist da auch ein wenig Eigenverantwortung gefragt (Stichwort: „Ich exponiere mich nicht, wenn ich weiss, dass ich gefährdet bin)?

    Oder muss „die Grosse Nanny“ tatsächlich überall eingreifen?

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  6. @Esther

    Ich habe nie das Gegenteil behauptet und Ihre Meinung habe ich auch nicht in Frage gestellt. Grenzwerte beinhalten Messfehler und sind bewusst tief angesetzt, weit tiefer als es Bewiese für deren Gesundheitsschädlichkeit gibt. So wird der Schutz der Bevölkerung gewährleistet. Das heisst nicht, dass bei einer Überschreitung die Hälfte aller Menschen tot umfallen. Auch nicht, dass alle in einen Aktionismus verfallen müssen. Alles gut. Keine Panik. Okay?

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  7. In Innenräumen haben geschwächte Personen Möglichkeiten, die Belastung mit geeigneten Massnahmen zu reduzieren.
    Im Aussenraum sind sie darauf angewiesen, dass bei Überschreitung der Grenzwerte solche Massnahmen angeordnet werden.
    Und es ist richtig, dass dies gemacht wird.
    Meine persönliche Meinung, okay?

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