«Für ein Zentrumsspital ist es wichtig, genügend Fallzahlen zu haben»

Das Universitätsspital Basel muss wachsen, um seine Funktion als Zentrums- und Ausbildungsspital gut erfüllen zu können. Und das tut es denn auch, wie die Spitalverantwortlichen an der Jahresmedienkonferenz bekannt gaben.

Alle Kurven im Universitätsspital Basel zeigen nach oben.

(Bild: Keystone /Montage: Nils Fisch)

Das Universitätsspital Basel muss wachsen, um seine Funktion als Zentrums- und Ausbildungsspital gut erfüllen zu können. Und das tut es denn auch, wie die Spitalverantwortlichen an der Jahresmedienkonferenz bekannt gaben.

Das Universitätsspital Basel hat ein «starkes Geschäftsjahr» hinter sich, freut sich Robert-Jan Bumbacher, Verwaltungsratspräsident des Universitätsspitals Basel. Tatsächlich deuten alle Zahlen auf Wachstum hin.

Ein paar Kennzahlen:

  • Der Umsatz stieg 2016 von 1,033 auf 1,074 Milliarden Franken.
  • Der konsolidierte Gewinn hat sich mit 13 Millionen Franken fast verdoppelt (2015: 6,9 Millionen Franken).
  • Die für einen Quervergleich wichtige Ebitda-Marge (Gewinnmarge vor Abschreibungen, Steuern und Zinsen) stieg von 5,7 auf 6,7 Prozent.
  • Die Zahl der stationären Fälle stieg um 4,6 Prozent auf 36’893. Besonders stark zugenommen haben dabei die Zuweisungen aus dem Aargau (plus 13,7 Prozent) und dem Baselbiet (plus 9,5 Prozent). Nur noch 48,1 Prozent der Fälle stammen aus dem Standortkanton.
  • Die Zahl der ambulanten Kontakte stieg von 538’535 auf 551’365. Die verrechenbaren Tarmed-Taxpunkte nahmen um 10 Prozent zu.
  • Das Eigenkapital stieg um 3 Prozent auf 540 Millionen Franken.

Zum guten Jahresabschluss trug bei, dass der Aufwand weniger stark gestiegen ist als der Ertrag. Ausserdem wurden höhere Tarife vergütet als im Vorjahr. Dennoch rechnet das Basler Spital mit einem Basispreis von 10’650 Franken nach eigenen Angaben mit der tiefsten Baserate aller Universitätsspitäler in der Schweiz ab.

Viele Fallzahlen steigern die Qualität

Warum aber freut sich ein Spital, das ja mit kranken und verletzten Menschen zu tun hat und zugleich für steigende Krankenkassenprämien mitverantwortlich ist, über ein starkes Wachstum in allen Bereichen?

«Für ein Zentrumsspital ist es wichtig, genügend Fallzahlen zu haben», sagte Spitaldirektor Werner Kübler an der Jahresmedienkonferenz. Besonders wichtig sei dies im Hinblick auf eine intensive Spezialisierung in der Spitzenmedizin und den Wettbewerb der grossen Universitätskliniken in der Schweiz. Finanzchef Martin Gerber doppelte nach, dass sich ein Mehr an Fällen auch wirtschaftlich rechnen würde und nicht zuletzt auch zur Qualitätssteigerung beitrage.

Viele Fallzahlen erhöhen den Druck

Das Wachstum bringt das Spital aber auch unter Druck. Roland Bingisser, Chefarzt des Notfallzentrums, sagte, dass seine Station mit dem gleichen Personal einen Zuwachs um fast 2’500 Patientinnen und Patienten bewältigen muss. Insgesamt waren es 53’000 Notfälle im Jahr 2016. Dazu kommt, dass der Anteil der in der Notfall-Triage separierten sehr schweren und schweren Fälle in den vergangenen Jahren stets zugenommen hat – mehr alte und schwerkranke Patientinnen und Patienten, wie er präzisierte.

Das Wachstum bringt das Spital auch im Hinblick auf die Zukunftsplanung – Stichwort Spitalabkommen zwischen den beiden Basel und Neubau Klinikum 2 – unter Druck. «Wir wollen wachsen, aber unsere Infrastrukturen setzen uns auch Grenzen», sagte Spitaldirektor Kübler. Das Beste, was das Spital selber tun könne, seien Bemühungen, die Aufenthaltsdauer der Patientinnen und Patienten zu senken. Von 2015 auf 2016 sank diese von durchschnittlich 6,1 auf 6 Tage aber nur leicht.

Gespannter Blick auf die Bruderholz-Initiative

Gespannt blicken die Spitalverantwortlichen auf die Abstimmung im Baselbiet über die sogenannte Bruderholz-Initiative am 21. Mai. Die Initiative verlangt, dass die Spitäler auf dem Bruderholz und in Laufen auch künftig eine erweiterte Grundversorgung anbieten. Sie stellt sich damit gegen das Spitalabkommen beider Basel. Das hätte natürlich Auswirkungen auf die Zukunft der Basler Unikliniken.

Die Spitalverantwortlichen gaben sich an der Jahresmedienkonferenz zurückhaltend. Man respektiere natürlich den zu erwartenden Entscheid der Stimmbevölkerung, sagte Verwaltungsratspräsident Bumbacher. Aber als Partner in der Spitalplanung würde man ein Ja zur Initiative und damit ein Nein zu den Plänen der beiden Regierungen sehr bedauern.

Konversation

  1. Fette Gewinnmaximierung auf dem Buckel der AssistenzärztInnen. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass auf vielen Stationen die Ärzte weit über das gesetzlich erlaubte hinaus arbeiten: Vielerorts sind Zwöf-Stünder die Normalität, ohne dass die Überstunden kompensiert werden.

    Möchte man mal einen Tag wohlverdient Ferien nehmen, wird man unter sozialen Druck gesetzt: „Du kannst gerne einen Tag frei machen, aaaaber… deine Kollegen müssen dann halt deine Arbeit auch noch miterledigen.“

    Solche ÄrztInnen machen erwiesenermassen mehr Fehler und pissen an. Nicht ohne Grund hat das Unispital bei Patienten und dem Fachpersonal einen schlechten Ruf. Solch eine Arbeitsumgebung tun sich nur Leute an, die verbissen masochistisch Karriere machen wollen. Das spürt man dann aber auch.

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