Für neun Gartenbeizen ist in Basel bereits um 20 Uhr Schluss

In Basel-Stadt dürfen die meisten Restaurants mit Aussenbewirtung bis 22 Uhr offen haben. Dient der Hinterhof jedoch als «Rückzugsmöglichkeit für Anwohnerinnen und Anwohner», können die Öffnungszeiten eingeschränkt werden.

Der «Platanenhof» an der Klybeckstrasse darf in seinem Garten auch nach 20 Uhr Gäste bewirten.

(Bild: Stefan Bohrer)

In Basel-Stadt dürfen die meisten Restaurants mit Aussenbewirtung bis 22 Uhr offen haben. Dient der Hinterhof jedoch als «Rückzugsmöglichkeit für Anwohnerinnen und Anwohner», können die Öffnungszeiten eingeschränkt werden.

Das Restaurant Le Bienvenue hatte ein kurzes Gastspiel im St. Johann: Nach nur knapp acht Monaten sucht das Lokal an der Elsässerstrasse 17, in dem früher das «Rhyschänzli» domiziliert war, wieder einen neuen Betreiber. Der Liegenschaftsbesitzer M.M. ist zuversichtlich, dass an dieser Adresse schon bald wieder erfolgreich gewirtet werden kann – auch wenn die Umstände nicht einfach seien: «Man muss eine gute Kombination finden, wie die Räumlichkeiten authentisch bewirtet werden können. Dass der Garten – nach Reklamationen eines Anwohners – nur bis 20 Uhr genutzt werden kann, erschwert die Situation zusätzlich», sagte er der TagesWoche.

Mehrere Leser kritisieren, dass eine Gartenbeiz nur bis 20 Uhr geöffnet sein darf. So schrieb Roland Stucki: «Acht Uhr ist doch keine Zeit. Das allgemeine Interesse, den Garten länger offen zu halten, ist sicherlich von sehr vielen Personen gegeben. Es geht doch nicht, dass eine einzelne Person alles blockiert.» 

Dass ein Gastrolokal den Betrieb draussen bereits um 20 Uhr schliessen muss, kommt laut Matthias Nabholz, Leiter des Amts für Umwelt und Energie (AUE) selten vor. In Basel-Stadt gebe es rund 900 Gastgewerbebetriebe, 500 davon würden ihre Gäste draussen bewirten. In den meisten Fällen werde der Restaurationsbetrieb in Hinterhöfen bis 22 Uhr bewilligt, sagt er. 

Jeder Fall wird einzeln angeschaut

Dient der Hinterhof jedoch als «Rückzugsmöglichkeit für Anwohnerinnen und Anwohner», kann die Verwaltung die Öffnungszeiten eingrenzen: «Nur in neun Fällen von Gartenrestaurants in geschlossenen Innenhöfen mit Anwohnerinnen und Anwohnern ist der Betrieb beschränkt bis 20 Uhr.» Zu den Lokalen, die bereits sehr früh draussen schliessen müssen, zählen das «Fortuna» im Gundeli, das «Acero» an der Rheingasse und die kürzlich eröffnete Bar Nebel (ehemals Salon) an der Sperrstrasse.

Kommt es zu Lärmklagen von Anwohnerinnen und Anwohnern, kann neu über die Öffnungszeiten entschieden werden. «Dabei werden immer beide Seiten angehört und wenn möglich wird eine einvernehmliche Lösung gesucht», so Nabholz. Er betont, dass jeder Fall einzeln angeschaut werde:

«Wesentlich ist, dass jede Beurteilung eine Einzelfallprüfung sein muss. Dies ist schon heute nicht nur Pflicht, sondern auch gelebte Praxis der Behörden. Sowohl das kantonale Gastgewerbegesetz als auch das eidgenössische Umweltrecht schreiben eine solche Einzelfallprüfung vor. Bei dieser Prüfung müssen die Behörden den Charakter des Lärms beurteilen, den Zeitpunkt und die Häufigkeit seines Auftretens, die Lärmempfindlichkeit der Umgebung, eine allfällige Lärmvorbelastung sowie die Lärmintensität.»

Erst einmal ist es laut dem AUE-Leiter vorgekommen, dass die kantonale Baurekurskommission aufgrund von Anwohnereinsprachen die Zustimmung zu einer Aussenbewirtung in einem Innenhof komplett verweigert hat.

Konversation

    1. http://www.aue.bs.ch/laerm/gastronomielaerm.html

      „In Basel gibt es derzeit rund 900 Gastgewerbebetriebe, Tendenz steigend. Es handelt sich um Cafés, Speiserestaurants, Pubs, Bars, Klubs, Musiklokale, Diskotheken und ähnliche Betriebe. Rund 500 betreiben Aussenrestaurants wie Garten- und Boulevardrestaurants, Buvetten usw.“

      Was ist schon eine Null (zuviel). Nichts, überhaupt nichts. Kann jedem mal passieren …

      Danke Empfehlen (0 )
  1. Und im eigenen Garten und auf dem eigenen Balkon darf bis 22:00 Uhr gefestet und gefeiert werden. Die königlichen Behörden von Basel Stadt haben schon lange den Sinn zu Realität verloren. Von einem gesunden Menschenverstand wollen wir hier gar nicht sprechen. Dieser ist für die Hoheiten vom Amt ein Fremdwort.

    Danke Empfehlen (0 )
  2. Aus meiner Sicht eine sinnvolle Regelung. Gerade in lärmigen Quartieren (Kleinbasel, Gundeli, St Johann), ist die Innenhofseite der einzig ruhige „Rückzugs“ Ort. Diesen besonders zu schützen ist sinnvoll. Im Allgemeinen Hype um eine „Mediterrariniserung“ der Stadt, hippen Zwischennutzungen und Boulevard Plänen geht gerne vergessen, dass sich der grösste Teil der Bewohner (und Steuerzahler) nicht aus Mitgliedern der Kreativwirtschaft und Studenten zusammensetzt, deren Tag frühestens um 10 Uhr beginnt.

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Ach, Frau Eldorado,
      ganz härziges Beispiel, doch am Ziel vorbeigeschossen. In der Regel – zumindest was ich jeweils aus den Zeitungsberichten entnehme – haben die Verhinderer ganz andere Sorgen als das Wohl ihrer Kinder. Verhinderer sind in der Regel eher im gut gereiften Alter.

      Und der Gefahr bewusst, dass Sie mich nun als Spekulierer diffamieren (womit Sie zum Teil auch Recht hätten): ja, auch mit Kindern ist es möglich, in Basel eine ruhige Wohnung zu finden. Wenn ich Kinder habe, dann ziehe ich womöglich nicht in eine Wohnung, die neben einem Lokal steht. Lokale wachsen nicht wie Pilze aus dem dunklen Untergrund.

      Und im Umkehrschluss fiele es mir auch nicht ein, mich bei einer Familie zu beschweren, wenn die Kinder im Hof nach 8 herumschreien.

      Dürfen denn Kinder im Innenhof nach 8 Uhr auch noch Lärm machen?

      Danke Empfehlen (0 )
  3. Meiner Meinung nach müsste es da auch ein „Recht des Erstgekommenen“ geben. Ist doch komplett lächerlich, dass jemand mit einem erhöhten Ruhebedürfnis neben ein Restaurant mit Gartenwirtschaft, einen Club oder eine Bar zieht und sich dann erfolgreich über die Lärmemissionen aufregen kann. Da habe ich einfach absolut kein Verständnis, wenn solchen Klagen stattgegeben wird. Ich ziehe ja auch nicht neben den Zolli und beschwere mich dann, dass man die Löwen gefälligst nachts reinnehmen soll, weil ich wegen dem Gebrüll nicht mit offenem Fenster schlafen kann.

    Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (9)

Nächster Artikel