Genau hier, genau dieses Exemplar – wie Erasmus vor 500 Jahren sein Neues Testament drucken liess

Wie war das, als Erasmus von Rotterdam 1516 sein Neues Testament drucken liess? In der ehemaligen Werkstatt von Buchdrucker Johannes Froben kann man das nun selber erleben.

Nicht ganz so, aber so ähnlich dürfte es vor 500 Jahren im Ausstellungsraum des Pharmazie-Historischen Museums ausgesehen haben, als Johannes Froben dort Bücher druckte.

(Bild: Karen N. Gerig)

Wie war das, als Erasmus von Rotterdam 1516 sein Neues Testament drucken liess? In der ehemaligen Werkstatt von Buchdrucker Johannes Froben kann man das nun selber erleben.

Die Geschichte geht so: Im Spätsommer 1514 klopft ein Mann an die Tür des Buchdruckers Johannes Froben am Totengässlein in Basel und will den Druckermeister persönlich sprechen. Er sei ein Bote von Erasmus von Rotterdam, sagt er, und er hätte eine Frage. 

Den Drucker aber legt man so schnell nicht rein, er erkennt im Boten rasch den eigentlichen Auftraggeber – den Humanisten himself, der gekommen ist, um herauszufinden, wer so frech gewesen sein könnte, seine Sprichwörtersammlung nachzudrucken, die sogenannte «Adagia».

Erasmus selbst hat dieses erste Treffen später in einem Brief festgehalten. Es markierte den Beginn einer innigen Freundschaft und fruchtbaren Zusammenarbeit. Für rund anderthalb Jahre blieb Erasmus in jenem Haus «Zum Sessel» wohnen, das durch seine Anwesenheit zu einem Zentrum für Humanisten und Gelehrte aus ganz Europa wurde. Dort, wo heute das Pharmazie-Historische Museum seine Heimat hat.




Druckerballen auf der Druckerpresse – damit trägt man die Farbe auf die gesetzte Platte auf. (Bild: Karen N. Gerig)

Im Raum auf der linken Seite des zentralen Innenhofs druckte Froben fortan Erasmus‘ Werke. Auch sein «Novum Instrumentum», den ersten veröffentlichten Druck des Neuen Testaments, der Martin Luther als Grundlage für seine Bibelübersetzung dienen sollte und dessen 500-Jahr-Jubiläum die Stadt Basel heuer mit mehreren Ausstellungen feiert. Bei diesen Feierlichkeiten darf deswegen natürlich auch das Pharmazie-Historische Museum nicht fehlen.

Bis Ende September hat man nun den kahlen Ausstellungsraum (in dem jahrelang die Materialien des Pharmazeutischen Institutes der Uni Basel über die Theke gingen und der überhaupt nicht mehr so aussieht, wie er zu Zeiten Frobens ausgesehen haben könnte) in eine historische Druckerei zurück verwandelt.




Buchstabe gefällig? Die Auswahl ist gross. (Bild: Karen N. Gerig)

Ein knarzender Holzboden verleiht ihm altertümlichen Charme, darauf stehen zwei Druckerpressen, die von den Besuchern jeweils über Mittag in Betrieb genommen werden können. Dort können sie sehen, dass es gar nicht so einfach ist, einen Text in eine vorgegebene Box einzupassen – ohne dass Wörter zu lang sind oder der Fluss des Textes ganz unsäglich läuft. (Erasmus und Froben war das offensichtlich egal, wie folgendes Bild zeigt. Trennstriche? Fehlanzeige.)




Das erste Blatt aus Erasmus‘ Neuem Testament, frisch aus der (nachgebauten) Druckerpresse. (Bild: Karen N. Gerig)

Inspirieren lassen kann man sich dabei von den Exponaten, die an den Wänden von Froben, von Erasmus und vom Buchdruck ganz allgemein erzählen und manch spannenden Einblick eröffnen. Oder wussten Sie zum Beispiel, dass Bücher früher in Fässern auf dem Rhein transportiert wurden?

Das Schönste aber sei, so betonen Museumsleiter Michael Kessler und Kurator Martin Kluge, dass die von Froben vor rund 500 Jahren gedruckten Bücher ihren Weg hierhin zurückgefunden hätten. Die unschätzbaren Werke, die ansonsten im geschlossenen Archiv der Universitätsbibliothek ihren Platz haben. Beim Gedanken daran wird vor den wertvollen Exponaten nicht nur dem Historiker ganz warm ums Herz.

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«Setting Erasmus», Pharmazie-Historisches Museum, Totengässlein 3. Vom 5. Juli bis zum 24. September 2016. Jeweils von 12–14 Uhr an Ausstellungstagen (Di bis Sa) können BesucherInnen selber drucken.

Konversation

  1. Das man in Basel gut drucken kann, muss sich herum gesprochen haben. Auch Vesalius aus Italien liess hier den wohl ersten Anatomie-Atlas der Welt drucken. Es gibt ihn übrigens immer noch in der Unibibliothek (wohl als Nachdruck).

    Der Link:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Vesalius

    Das Zitat daraus:
    De humani corporis fabrica libri septem, (nebst deren Auszug für Chirurgen), erschienen 1543 in Basel bei dem Verleger Johannes Oporinus. Vesalius hatte die Holzstöcke seiner Illustrationen, fertig geschnitten, zusammen mit den Probeabzügen nach Basel bringen lassen. Er selbst folgte seinem Manuskript 1543 nach und hielt im Mai ein anatomisches Kolloquium ab. Das hierbei von Vesalius präparierte sogenannte Vesalsche Skelett ist noch heute erhalten und das älteste Stück der anatomischen Sammlung in Basel. Es soll 1543 aus den sterblichen Überresten des Straftäters Jakob Karrer von Gebweiler präpariert worden sein.

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  2. Auch von mir vielen Dankfür diesen Artikel- den Besuch hab ich mir fest vorgenommen. Herrn Cesna Herzlichen Dank für sein erinnern an meinen „Helden“ Andreas Witinck der sich Vesalius (Bruxelliensis) nannte- man muss sich vor augen halten dass der als er nach Jahrelanger Anatomischer Sezierarbeit an unzähligen Leichen diec er Grösstenteils als Junger Doktor der Medizin in der Universität von Padua leistet von wo er im Winter 1542/43 nach Basel reiste um im Februar 43 dann hier anzukommen, gerade einmal 28 Jahre alt war ! Und da den gesamten Menschlichen Körper geordnet nach Haut und Binde-Hüllgewegen, Muskeln, Knochen, Inneren Organen, Nervensystem und Gefässystem komplett „erschlossen“ zu haben, von einem Freund gezeichnet die Ergebnisse seiner Sezierarbeit- das war eie ungeheure Arbeit- eine Leistung die man heute nur mit Mühe würdigen kann !
    Was die Druckstuibe von J. Oporinus betrifft so wurde dortselbst übrigens schon ein halbes Jahr vor „De Humani“, nämlich im Dezember 1542, Druckgeschichte geschrieben- der allererste Druck des Koran überhaupt -in Lateinischer Übersetzung- erschien bei dem- ebenfalls eine bedeutende Leistung Basler Druckgeschichte ! Oporinus musste erhebliche widerstände auch der Basler Obrigkeit überwinden um das „Heidenbuch“ überhaupt drucken zu dürfen, unter anderem Martin Luther und Philip Melanchthon hatten sich Brieflich für Oporinus verwandt !- Ihr Argument: Nur wenn man das „verwerfliche Werk“ genau kennt, kann man es präzise bekämpfen und seine Fehler „dem Christenvolk“ bekanntmachen usw. … JA- in Basel wurde viel und Grosse Druckgeschichte geschrieben !

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