Gute Adresse mit schlechtem Image

Der Rümelinsplatz 1 in Basel war einst ein bunter, modischer Anziehungspunkt in der zweiten Reihe der ersten Adressen in der Basler Innenstadt. Jetzt wird das Haus, das eine luxemburgische Holding vor sieben Jahren gekauft hat, anscheinend vernachlässigt: Die Pläne der Besitzerin bleiben im Dunkeln.

Rümelin La Mode ist dicht – der Vorplatz wird zum Parkplatz. (Bild: Nils Fisch)

Der Rümelinsplatz 1 in Basel war einst ein bunter, modischer Anziehungspunkt in der zweiten Reihe der ersten Adressen in der Basler Innenstadt. Jetzt wird das Haus, das eine luxemburgische Holding vor sieben Jahren gekauft hat, anscheinend vernachlässigt: Die Pläne der Besitzerin bleiben im Dunkeln.

Auf dem Vordach liegen Blumenkübel wie hingeworfen. Vor den mit Milchglasfolie verklebten Schaufenstern verkleckert Taubenmist den Boden; der Eingangsbereich des traditionsreichen ehemaligen Bekleidungsfachgeschäfts «La Mode» am Rümelinsplatz 1 dient seit fast zwei Jahren nur noch als provisorischer Parkplatz für Handwerker, Lieferanten und Unterhaltsfirmen. Die allerdings machen sich ausnahmslos an den umliegenden Gebäuden zu schaffen.

Sehr zum Ärger des letzten verbliebenen gewerblichen Nutzers des Gebäudes: Verwahrlosung und Dreck machen Christoph Baders Antistress-Zentrum im vierten Stock des Gebäudes zu schaffen. Der wenig erfreuliche Hauseingang bleibt von der Klientel nicht unbemerkt; Laufkundschaft findet nur noch selten den Weg zu Baders Geschäftsräumen. Deswegen zahlt er seit November seine Miete auf ein Sperrkonto ein, eine Klage auf Reduktion der Mietnebenkosten ist bei der Schlichtungsstelle hängig.

Hauswartdienst wurde nicht bezahlt

Ausgelöst hatte diesen Schritt die Ankündigung der Hauswartfirma, die Bader im Spätsommer 2012 informierte, sie werde ihre Dienste einstellen: Die Liegenschaftsverwaltung im norddeutschen Soest sei ihr die Monatsrechnungen von mehr als einem halben Jahr schuldig geblieben. Zwischenzeitlich, teilt die Firma auf Anfrage der TagesWoche mit, seien die Ausstände zwar beglichen, aber mit dem Auftrag wolle man inzwischen nichts mehr zu tun haben.

Ähnlich klingt es im Zusammenhang mit der Liegenschaft und deren Verwaltung von anderer Seite: Eine Basler Immobilienvermittlung gibt an, das Mandat zur Vermietung der Liegenschaft niedergelegt zu haben, weil die Räume schwer vermietbar und die Pläne der Verwaltung unklar gewesen seien. Ein Zuger Vermögensverwalter, der zeitweise als Kontakt für Interessenten auftrat, droht gar mit rechtlichen Schritten, sollte er im Zusammenhang mit der Liegenschaft oder deren Eigentümern auch nur namentlich erwähnt werden. Und der ehemalige Inhaber der Liegenschaft und des Modegeschäfts, Kurt Wespi, erklärt auf telefonische Anfrage, das Gebäude bereits 2006 verkauft zu haben; ob sein Mietvertrag nach der Schliessung des Modehauses noch weiter läuft, gehe «niemanden irgendwas an».

Christoph Bader sieht das etwas anders: Als er 2009 den Vertrag für seine neue Unternehmung unterschrieb, wähnte er sich nicht nur an bester Lage, sondern in direkter Nachbarschaft zu einem gepflegten Modegeschäft in einer gutgewarteten Liegenschaft. Dass die Verwaltung der Liegenschaft von der auf Grossimmobilien spezialisierten Estavisio im fernen Soest in Norddeutschland wahrgenommen wurde, beunruhigte ihn so wenig wie der Umstand, dass die Eigentümerin eine unbekannte Holdingfirma in Luxemburg ist.

Mit der Schliessung des Modehauses begann der Abstieg

Als «Rümelin La Mode» kaum ein Jahr nach Baders Einzug seine Türen schloss, begann sein junges Unternehmen die Auswirkungen zu spüren. Plötzlich wurde Bader zur unfreiwilligen Anlaufstelle für alle möglichen Anfragen im Zusammenhang mit dem Gebäude; Aufforderungen an die Verwaltung, am Hauseingang Informationen für Interessenten anzubringen, blieben ebenso wirkungslos wie die Mahnungen der Hauswartfirma für die ausstehenden Zahlungen.

Als sich im Dezember 2011 in den leerstehenden Verkaufsräumen plötzlich eine Ablegerorganisation der umstrittenen «Scientology Church» mit einer «Ausstellung» gegen «die Pseudowissenschaft Psychiatrie» einnistete, kam Baders Dienstleistungsunternehmen beinahe zum Stillstand: Zwar hat er mit der Sekte gar nichts am Hut, aber sein Antistress-Zentrum mit der Ausrichtung auf berufstätige Menschen mit Burnout-Risiko wirkte wie ein Teil des «Angebots» der aggressiven Scientologen, deren Repräsentanten wochenlang auf dem Rümelinsplatz herummarschierten und Passanten in die Ausstellung zu lotsen versuchten.

Seither hat sich das Geschäft des diplomierten Stress-Therapeuten erholt. Aber Bader hat genug: Er will nur noch raus aus der Liegenschaft. Anfragen zur vorzeitigen Beendigung des bis Mitte 2014 dauernden Mietvertrags an die Verwaltung in Soest wurden indes genauso negativ beantwortet wie seine einstigen Bemühungen zu besseren Zeiten, das dritte Stockwerk zuzumieten.

Besitzer in Luxemburg, Verwaltung in Deutschland

Auch auf Nachfragen der TagesWoche nach den Plänen für die Liegenschaft mitten im Basler Zentrum reagiert Estavisio zunächst mit Vertröstungen und dann – nach Einreichung der erbetenen schriftlichen Fragen – mit der gleichen Funkstille wie die «Shimna Holding» in Luxemburg. Auf deren Existenz gibt es im Internet keinerlei Hinweise: Es handelt sich um eine Briefkastenfirma am Sitz einer internationalen Vermögensverwaltung namens SHRM in Schuttrange – mit Niederlassungen in Hong Kong, auf den British Virgin Islands und Neuseeland.

Ein Blick ins Luxemburgische Handelsregister bestärkt die Vermutung, dass die Shimna Holding einzig für den Kauf der Liegenschaft am Rümelinsplatz gegründet wurde. Im Gründungsjahr 2006 wurde die Holding als GmbH mit umgerechnet 20’500 Franken eingetragen; als Assets weist sie seitdem die Liegenschaft mit einem Wert von rund 15 Millionen Franken, als Verbindlichkeiten einen privaten Kredit von zwei und eine Hypothek der Credit Suisse über rund 14 Millionen Franken aus.

Die Shimna Holding gehörte zum Gründungzeitpunkt zu hundert Prozent einer «Grange Holding», wurde aber ein Jahr später ebenfalls zu hundert Prozent an die «Gaia real estate Holdings» überschrieben. Alle drei haben die gleiche Adresse – Schuttrange, am Sitz der SHRM. Und in allen drei sitzt Alex Van Zeelande, Partner der Vermögensverwaltung SHRM, als Verwaltungsrat.

Und Zeelande breitet weiter den Mantel des Schweigens über die Pläne «seiner» Firma mit der Liegenschaft mitten in der Altstadt von Basel. Alle Versuche der TagesWoche, mit ihm in Kontakt zu treten, wurden abgeblockt. Schlechte Aussichten für Christoph Bader, Antworten zu erhalten. Eine gute Nachricht wenigstens gibt es: Der neue Hauswart, den die Soester Hausverwaltung inzwischen in Basel verpflichtet hat, berichtet, die von ihm beantragten Schutzgitter gegen die Tauben unter dem Vordach des Ladenlokals seien auf sein Nachhaken hin bewilligt worden.

Konversation

  1. Sie sehen das genau richtig! In „Money talks, bullshit walks“ muss die ehemalige Basler Besitzerschaft mit dem Verkauf der Liegenschaft ihr Motiv gefunden haben. Und ganz nach dem Motto: „Nach mir die Sintflut…“

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  2. @ Ch. Bader

    Hätten Sie lieber eine undurchsichtige inländische Spekulation, statt einer Ausländischen?

    Komisch, alle klagen und jammern darüber, dass Objekte in falsche Hände geraten, aber man prangert nie die ursprünglichen Besitzer an.

    Da wird gejammert, dass der Mutz nicht mehr in Basler Hand ist, Kunsthallenbeizer nicht mehr baslerisch, MC-Donald am Barfi nicht mehr Farnsburg heisst, Volkshaus in Zürichhaus umbenannt werden könnte –
    ursprünglich gehörten doch diese Immobilien den Baslern.

    Aber diese Basler haben sich eben gedacht:
    Money talks, bullshit walks.

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  3. Wie würde dieses Problem in verschiedenen Ländern gelöst….

    In Indien: Man besetzt das Haus wegen Vernachlässigung und die Eigentümerschaft geht auf den Hausbesetzer über (total legal).

    In Singapur: der Staat beauftragt eine Hauswartsfirma mit dem Unterhalt des Gebäudes und stellt diese Aufwände inkl. Gebühren für Fassadenrenovierung (Stadtbild etc.) der Holding in Rechnung. Kann diese Rechnung nicht beglichen werden: Zwangsversteigerung. Dann kann die Firma sehr gerne den Versteigerungserlös nach Abzug aller Aufwände zurückhaben, aber das Haus hat einen neuen hoffentlich seriöseren Besitzer.

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  4. Es ist ein Ärgernis, wenn an sich schöne Plätze und Immobilien in Basel City Fussgängerzone durch ausländische undurchsichtige Spekulationsfirmen „aufgekauft“ und jahrelang blockiert und entsprechend vernachlässigt werden und dagegen nichts unternommen wird.

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