Hälfte der Bienen dahingerafft

Binnen fünf Jahren hat sich der Bestand an Bienenvölkern in der Region Basel halbiert. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der Anmeldungen für Imkerkurse: Immer mehr Menschen machen sich Sorgen um die nützlichen Insekten.

In der Region Basel hat sich der Bestand der Bienen in den letzten fünf Jahren halbiert. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Binnen fünf Jahren hat sich der Bestand an Bienenvölkern in der Region Basel halbiert. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der Anmeldungen für Imkerkurse: Immer mehr Menschen machen sich Sorgen um die nützlichen Insekten.

Wie ein gigantischer Schneeball steht der Kirschbaum im Garten in voller Blüte. Dennoch bleibt es gespenstisch still: Kein hundertfaches Summen erfüllt an diesem ersten wirklich schönen Frühlingstag im April 2013 den Garten in Binningen – inmitten der Blüten brummt nur eine einzige Hummel, schleppt sich von Blüte zu Blüte.

«Keine Sorge», beruhigt Hans Stöckli, Präsident des Bienenzüchtervereins beider Basel – die Bienen sind nicht ausgestorben. Es war ihnen vielleicht einfach noch zu kühl: «Bienen fliegen erst ab 12 Grad aus, Hummeln dagegen schon bei acht.» Darüberhinaus muss ein Baum in voller Blütenpracht noch kein Magnet für Insekten sein: Ob er tatsächlich auch Nektar spendet hängt davon ab, welches Wetter und welche Temperaturen herrschen.

Die Hälfte der Bienenvölker verloren

In den vergangenen Jahren ist der Bestand an Bienenvölkern kontinuierlich und dramatisch geschrumpft. Rund die Hälfte der Völker hat die Region Basel in den vergangenen fünf Jahren verloren, sagt Stöckli. Dahingerafft von einer Kumulation von Bedrohungen, allen voran der Varroa-Milbe. Dabei handelt es sich um ein weltweites Phänomen, als dessen Ursache viele Verdächtige im Fokus stehen – Pestizide vor allem, neue Viren oder auch Strahlenbelastung durch Kommunikationsanlagen.

Dennoch gebe es in der Region Basel noch ausreichend Bienenvölker, um all die blühenden Obstbäume zu bestäuben, entwarnt Stöckli. Das ist nämlich der wichtigste Zweck der nützlichen Insekten, die ganz nebenbei auch noch Honig produzieren. Dass früher fast jeder Bauernhof auch ein paar Bienenvölker besass, war die Garantie dafür, dass die Blüten im Aktionsradius von einem bis drei Kilometern um die Bienenhäuser sauber und zuverlässig bestäubt wurden.

Doch seit Markus Imhoofs Film «More Than Honey» in die Kinos kam, machen sich nicht mehr nur Fachleute und Landwirte Sorgen um die Bienen. Nachwuchssorgen hat Hans Stöckli inzwischen nicht mehr. «Üblicherweise melden sich jährlich etwa 30 Interessenten zu den zweijährigen Imkerkursen an, von denen 20 aktiv bleiben – genug, um den Bestand zu halten.» Im Jahr 2012 seien mehr als doppelt so viele Anmeldungen eingegangen.

Ohne Imker nicht mehr überlebensfähig

Die Neu-Imker nehmen eine echte Herausforderung an. «Die Biene ist an und für sich ein Wildtier», sagt Stöckli. «Heute aber kann kein Volk mehr ohne den Imker überleben.» Die Pflege oder «Führung» der Völker sei aufwändig geworden. Noch immer weiss man wenig über die Ursachen für die Anfälligkeit der Tiere. Deswegen seien zumindest bei den einschlägigen Forschungsstellen die Ressourcen aufgestockt worden, um das Problem in den Griff zu kriegen.

Dass einzelne Völker geschwächt werden und den Winter nicht überleben, das kennt jeder Imker. «Ich habe diesen Winter zehn Prozent verloren, das ist eigentlich ein recht gutes Jahr», sagt Hans Stöckli. Dass einem Imker aber alle Völker wegsterben, das ist neu. Das traumatische Erlebnis hat der 76-jährige Edi Renz in Metzerlen diesen Winter machen müssen: «Dass einfach alle weg sind, schmerzt sehr», sagt der Imker, der vor drei Jahren noch 20, vor zwei 16, im letzten Jahr noch sechs und diesen Frühling kein einziges Volk mehr führt. Ein Jahr zuvor erlitt ein Freund von ihm einen «Totalverlust», jetzt hat es Renz getroffen. «Dafür einfach die Varroa verantwortlich zu machen, ist zu einfach.»

«Diesen Parasiten bekämpfen wir seit rund 25 Jahren», sagt Stöckli. Den kleinen Blutsauger schienen die Imker bereits mehr oder weniger im Griff zu haben, da begannen vor Jahren plötzlich neue Schädlinge, Viren und möglicherweise Umweltgifte aus der Landwirtschaft den Bienenvölkern zuzusetzen. Das Massensterben hat inzwischen globale Ausmasse erreicht; entlegene Regionen sind ebenso wenig davon ausgenommen wie Bienen in Höhenlagen.

Eigentlich wollte Renz, der die Imkerei von seinem Vater in jungen Jahren übernommen hat, jetzt aufhören. Gestern aber, beim Ausräumen des leeren Bienenhauses, habe ihm ein Freund Mut gemacht – er will es mit einigen neuen Völkern und ganz neuer Ausrüstung im alten Bienenhaus nochmals probieren.

Quellen

Konversation

  1. Im Artikel von Peter Sennhauser werden die Tabuthemen Pestizide und „Strahlenbelastung durch Kommunikationsanlagen“ kurz erwähnt. Dies ist neu und unangenehm, weil beide Ursachen in unserer Gesellschaft stark verwurzelt und schlecht wegzudenken sind.
    Zum Thema Bienensterben und Mobilfunk hatte ich das Glück, einen überaus interessanten Vortrag vom Biologen Daniel Favre zu hören. Seine Studien zeigen leider relativ klar, dass sich die handyverliebten Weltregionen vermutlich schon bald Gedanken zu diesem leidigen Thema machen müssen.
    Für Personen, welche noch Fähig sind die Gefahren des Mobilfunk-Elektrosmogs psychisch zu verkraften, kann ich das Studium der Zusammenfassung der erwähnten Forschungsarbeit sehr empfehlen:
    http://genevalunch.com/files/2011/05/favre.pdf

    Für alle andern sei erwähnt, dass alles noch nicht eindeutig bewiesen ist….
    http://www.golem.de/1105/83424.html

    Danke Empfehlen (0 )
  2. Die „Biene-Maja“ Biene, wie wir sie alle kennen, ist erst seit ca 60 Jahren bei uns verbreitet. Zuvor hat während 12’000 Jahren die Ur-Honigbiene Apis mellifera mellifera fleissig alles bestäubt, was es zu bestäuben gibt – auch ganz ohne unsere Hilfe.

    Die Ur-Honigbiene gilt als sanftmütig (sticht wenig), sie fliegt bei kälteren Temperaturen als die eingeführte Honigbiene und sie bestäubt mehr Arten als diese. Ihre Honigproduktion ist ein wenig geringer als bei der heute ansässigen Honigbiene, dafür ist sie resistenter gegen Krankheiten.

    Leider sind ihre Gene rezessiv. Eine Wiederansiedlung benötigt einen grossräumigen Effort. (Dies war die Begründung, weswegen die Gemeinde Riehen nicht auf (m)einen Anzug der Grünen einging, auf ihrem Gebiet diese Biene zu fördern.

    Anders macht dies z. B. der Kanton Glarus: Dieser erlaubt nur noch die Urhonigbiene auf ihrem Gebiet.

    Danke Empfehlen (0 )

Nächster Artikel