Hunderte demonstrierten für bedrohten Wagenplatz

Erneut demonstrierten Wagenleute und Sympathisanten friedlich für den Wagenplatz am Klybeckquai. Denn es könnte nun doch plötzlich schnell vorbei sein: Die Regierung verlangt eine Halbierung der genutzten Fläche oder die Räumung.

Ein Teil der Demonstranten kommt am Abschnitt des Wagenplatzes an, der bei der Reduktion, die von der Regierung gefordert wird, abgerissen werden müsste. (Bild: Alain Appel)

Erneut demonstrierten Wagenleute und Sympathisanten friedlich für den Wagenplatz am Klybeckquai. Denn es könnte nun doch plötzlich schnell vorbei sein: Die Regierung verlangt eine Halbierung der genutzten Fläche oder die Räumung.

Sie könnten noch zur regelmässigen Basler Sommerbeschäftigung werden, die Protestmärsche der Wagenleute. Bereits zum zweiten Mal diesen Frühling trafen sich diesen Sonntag geschätzte 400 Befürworter des Wagenplatzes auf dem Marktplatz, um gemeinsam zum Klybeckquai zu marschieren. Grund für den erneuten Protestmarsch ist die Aufforderung der Regierung, die genutzte Fläche «massiv» zu verkleinern

Die Wagenleute sollen bis am Montag die Fläche räumen. Kommen sie dieser Forderung nicht nach, droht eine Strafanzeige – die Grundlage für eine polizeiliche Räumung des ganzen Wagenplatzes. Der umstrittene Platz soll einem Parkplatz für die Kunstmesse Scope weichen. Diese findet sechs Tage im Jahr statt.

Dichtestress auf dem Wagenplatz befürchtet

Mit Fahnen und Bannern zogen die Demonstranten friedlich zum Wagenplatz am Klybeckquai, um für das Bleiben des gefährdeten Wagenplatzes im Hafenareal zu demonstrieren. Die teilweise sichtlich erschütterten Wagenleute marschierten mit den Sympathisanten über die Mittlere Brücke, durch die Feldbergstrasse, am Rheinufer entlang und durchs hintere Klybeck bis zum Wagenplatz. Unterwegs skandierten sie Sprechchöre wie «Wir bleiben Alle! – Alle! Alle! Alle!».


 

Der Wagenplatz bekam im April eine Fläche von 2500 Quadratmetern zugesprochen, nutzt aber in der Tat mehr als das Doppelte davon. Die Bauten des Wagenplatzes auf die geforderte Fläche zu verschieben, wäre nicht möglich, glauben die Bewohner. 

Die Wagenleute befürchten eine erstickende Verdichtung, würden sie ihren genutzten Platz reduzieren. Die Bar «Hafenscharte» und der Club «Uferlos» fielen zum Opfer, die Wagen würden zu nahe «aneinandergepfercht». Zudem berge dies im Brandfall ein Risiko, die Feuerpolizei könnte dies beanstanden, befürchten die Wagenleute.

1000 Quadratmeter weniger wären machbar

Die Wagenplatzbewohner wollen weiterhin friedlich bleiben, dies betonten sie ausdrücklich an der Vollversammlung, die im Anschluss an die Demonstration auf dem Wagenplatz stattfand. Die Frage – die während der Versammlung geklärt werden sollte – drehte sich darum, welche Optionen man habe.



«Die Leute sollen uns als das Wahrnehmen, was wir sind: Ein friedlicher Ort für Leute, die ihr Leben selbst gestalten wollen – ohne die Sachzwänge der «gewöhnlichen» Welt», sagte eine Sprechern während der Vollversammlung.

«Die Leute sollen uns als das Wahrnehmen, was wir sind: Ein friedlicher Ort für Leute, die ihr Leben selbst gestalten wollen – ohne die Sachzwänge der gewöhnlichen Welt», sagte eine Sprecherin während der Vollversammlung. (Bild: Alain Appel)

Soll man sich kooperativ zeigen und die von der Regierung geforderte Reduktion von rund zwei Dritteln akzeptieren? Man würde den Skeptikern den Wind aus den Segeln nehmen und nicht als Querulanten dastehen. Doch was ist, wenn dies nur der erste Schritt in Richtung kompletter Auflösung wäre? Doch gar nicht reagieren wäre auch falsch, da waren sich die Anwesenden einig: Eine offene Konfrontation mit den Behörden bringe dem Wagenplatz am wenigsten.

«Ich kann doch nicht riskieren, dass ich abends von der Arbeit nach Hause komme und mein Zuhause nicht mehr vorfinde.»

Wagenplatz-Bewohner

Ein Sprecher sagte, dass die Rechtsfreiheit auf dem Wagenplatz für Utopisten zwar paradiesisch sei, sie garantiere aber auch keinerlei Rechtsanspruch. Die Wagenleute betonten mehrere Male ihre Kompromissbereitschaft – 1000 Quadratmeter würden sie für die Scope räumen. Aber ob das genügt?

Mehr Präsenz markieren

Die Wagenleute riefen an der Vollversammlung am Sonntag und im Communiqué alle Sympathisanten dazu auf, sich so oft wie möglich auf dem Wagenplatz aufzuhalten, sogar dort zu zelten. «Grundsätzlich ist es immer gut, wenn ihr hier seid», sagte ein Sprecher. Im Falle einer Räumung rief er erneut zur Friedlichkeit auf.

Möglich, dass bereits einigen Wagenleute das Nervenspiel der Regierung zu nahe geht und sie ihre Sachen packen werden. «Mein Wagen ist mein Zuhause», sagte ein Wagenbewohner: «Ich kann doch nicht riskieren, dass ich abends von der Arbeit nach Hause komme und diesen nicht mehr vorfinde.»

Konversation

  1. Ich bin auch der Meinung, dass 2500m2/100 25m2 ergeben müsste. Dies zeigt bereits, dass die Gegner des Wagenplatzes, in dieser Angelegenheit, ein weit grösseres Problem sehen. 25m2 entsprechen einer 1.5 Zimmerwohnung. Hundert Wohnungen, die diese Stadt zu bauen versäumt hat und die weder mit Fussballfeldern noch mit Parkplätzen besser genutzt würden. -> Bitte den Kommentar nochmals überdenken – vielleicht mit dem Hintergedanken, dass junge Leute so eine Möglichkeit finden, sich zu verwirklichen. Nicht alles was auf dieser Welt existiert muss eine Rendite erzielen!!!

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  2. Der klägliche Versuch der rotgrüne Regierung mit dem Fussballfeld ist gescheitert jetzt versucht man es mit der Scope und das wird genau so kläglich scheitern weil man alternative Lebenskultur nicht verdrängen oder verjagen lässt. Auch das bürgerliche Geheule ist heuchlerisch die wollen doch irgendwelche Wohnungen hinstellen die kein normaler Mensch bezahlen kann und das stützt die Rotgrüne Regierung

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  3. für mich ist dieses gezanke und gezerre um m2 nicht im sinne einer echten zwischennutzung! die für 6 tage im jahr benötigten parkplätze finden auf diesem riesigen areal bestimmt einen anderen platz…der seit 1 jahr gut funktionierende wagenplatz verkleinern zu wollen ist schikane!

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    1. Helft mir bitte kurz, ich scheine etwas nicht zu verstehen.
      Der Wagenplatz ist Illegal.
      Der Wagenplatz bringt keine Rendite.
      Es wurde aus goodwill 2’500qm tolleriert.
      Neu wird 5’000qm verlangt, dies auf Kosten einer Nebenmesser der Art, die Wichtigkeit der Art für die Region muss ich glaube ich nicht hervorheben.
      Zudem sollen bewilligte, Zwischennutzungen verhindert?

      Wenn nur ein teil dieser Dinge stimmt, dann hoffe ich doch inbrünstig, dass die Fussballplätze realisiert werden. Davon hätten viele Leute etwas, oder habt Ihr mal versucht einen freien Rasenplatz in der Stadt zu finden?

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  4. … sind das, wie angemerkt, 25m^2 / Person, wenn Herr Weber so grosszügig annimmt, dass 100 Personen dort wohnen.

    Jetzt bleibt die Frage, wieviel Quadratmeter ein Durchschnittsmieter in einer 1 1/2 bis 2 Zimmerwohnung braucht, da addieren wir noch mindestens je 1 Quadratmeter im Fitnesstudio, im Stadtpark, einen auf dem Spielplatz, einen in der Stammbeiz…

    Wenn wir allerdings so rechnen, dann sind wir auf der Stufe der Batteriehaltung angekommen… und dann helfen nur noch Medikamente, um uns auf der Stange zu halten.

    Den Umkehrschluss, wie das mit dem Platzbedarf der Zahlenden ist, können wir weglassen, weil das zu nichts führt..

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  5. Es wird immer behauptet, die Hafenplatzmenschen (Wagenplatz, Uferlos, Haafescharte) beanspruchten ein Leben im (Platz-)Luxus. Nun gilt es, diesem Missverständnis abzuhelfen.
    Sollten es schlussendlichen 5000 m2 sein, dann wäre dass nicht einfach der Platz zum Wohnen. Auf dieser Fläche befindet sich der Kultur- und Veranstaltungsort Uferlos/Haafescharte, Werkstätten, ein Kinderspielpatz und dringend benötigter Freiraum zum Ideen entwickeln, leben, sich treffen und ganz wichtig: Freiraum zum Denken!
    Darum hört alle damit auf, mit einfachen Rechnungen die Situation erklären zu wollen. Etwas mehr denken ist angesagt.
    Darum: Wagenplatz/Haafescharte/Uferlos/Spielplatz bleiben!

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  6. Hoffentlich kommt dort schnell die Polizei und drei Bagger. Den Abfall wird offensichtlich der Steuerzahler entsorgen müssen, so läuft das ja immer.

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  7. Es sei doch daran erinnert, dass sich die sog. Wagenleute den Platz illegal angeeignet haben. Dass die rot-grüne Regierung diesen Rechtsbruch mit einer Duldung auf einem TEIL des Platzes „belohnt“, ist an sich schon sehr fragwürdig. Fast schon logisch ist, dass die Regierung nun die Quittung erhält und von ihren gehätschelten Wagenleuten einen Tritt in den Allerwertesten erhält. Abmachungen mit Rechtsbrechern sind eben selten machbar! Nun wird (hoffentlich und endlich) nichts anderes übrigeiben, als diesen Ort zu räumen, bevor sich dort Zustände à la Berner Reithalle abspielen. Der Spruch „Wehret den Anfängen“ hat eben schon seine Berechtigung…

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    1. Es sei doch daran erinnert, dass eben diese Regierung vernünftig gehandelt hat, weil sie diese Leute dort duldet.

      Aber im Ernst kann niemand behaupten, 50 auf 50 Meter könnten genügen, um ein vernünftiges Miteinander zu gewährleisten.

      Und zusätzlich hat der Begriff «legal» in der heutigen Zeit einen Geschmack bekommen, dem man lieber aus dem Weg geht.

      Zynisch wird es allerdings, wenn man die Vertreibung mit dem Bedarf an Parkplätzen begründet, der es den Berufsmüssiggängern der Stadt ermöglicht, bequem mit dem Auto zum gehypten Szene-Event zu fahren.

      Aber jeder hat halt so seine Klientel.

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    2. Sehr geehrter Herr Auderset,

      ich bin etwas verwirrt über Ihre Argumentation mit einem Liberal-Demokratischen-Hintergrund. Meiner Meinung nach, sollten alle Anliegen respektiert werden, die unter diesem Aspekt laufen. Der Wagenplatz ist mit dem Gedanken, eine Freifläche auf friedlichem Wege zu nutzen, entstanden (liberal + innovativ) und vom Regierungsrat als „gedultet“ (d.h. demokratisch) erklärt worden. Mit der Haltung den Platz zu räumen wäre die Sache nicht gegessen, denn die Jugend wird nicht älter und wenn die Sessel-Gesetz-Leute unfähig sind den Dialog zu akzeptieren, ändert sich nie etwas! „Dr gschyder gitt noo, dr Esel bliibt stooh“ – (wenn nicht, dann nur mit Hilfe der Polizei)

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